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Sind medizinische Untersuchungshandschuhe (Einweghandschuhe) aus Latex für den Umgang mit Gefahrstoffen (ätzende, sensibilisierende, CRM-Stoffe) zulässig?

KomNet Dialog 9857

Stand: 11.12.2009

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen > Persönliche Schutzmaßnahmen (5.)

Dialog
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Frage:

Sind medizinische Untersuchungshandschuhe (Einweghandschuhe) aus Latex für den Umgang mit Gefahrstoffen (ätzende, sensibilisierende, CRM-Stoffe) zulässig?

Antwort:

Die Frage wird in den FAQ des Fachausschuss Persönliche Schutzausrüstung (PSA) folgendermaßen beantwortet:

"Grundsätzlich ist ein "Einwegschutzhandschuh als medizinisches Einwegprodukt" kein Chemikalienschutzhandschuh. Ein Einsatz z. B. im Reinigungsgewerk in Krankenhäusern ist nicht zulässig.
Auf dem Markt sind aber Einwegschutzhandschuhe verfügbar, die einen eingeschränkten Chemikalienschutz bieten und mit einem "Becherglas" gekennzeichnet sind. Weiterhin sind Einwegschutzhandschuhe verfügbar, die bei den Beständigkeitsprüfungen gegenüber den durch die Norm vorgegebenen Prüfchemikalien die Leistungsstufe 2 erreicht haben und mit einem "Erlenmeyer" gekennzeichnet sind.
Nach
TRGS 401 können solche Einwegschutzhandschuhe abhängig von den Ergebnissen der Gefährdungsbeurteilung ggf. als Spritzschutz eingesetzt werden. Voraussetzung ist allerdings ein umgehender Austausch des Einwegschutzhandschuhes sobald der Handschuh mit der Chemikalie beaufschlagt wurde, wozu schon Spritzer genügen."

Der Arbeitgeber hat gemäß § 5 "Beurteilung der Arbeitsbedingungen" des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) eine Gefährdungsbeurteilung für seinen Betrieb durchzuführen. Dabei sind Art und Umfang der Gefährdungen zu ermitteln, um zu klären, ob nicht die Gefährdungen gemäß § 4 "Allgemeine Grundsätze" des ArbSchG durch allgemein schützende technische Einrichtungen (kollektive technische Schutzmittel) oder durch organisatorische Maßnahmen vermieden oder ausreichend begrenzt werden können. Bei der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung ist die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) zu berücksichtigen.

Grundsätzlich muss der Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ermitteln, ob eine Gefährdung vorliegt, der mit dem Tragen von Sicherheits- oder Schutzhandschuhen begegnet werden muss. Vor der Auswahl von Schutzhandschuhen hat der Unternehmer eine Bewertung der von ihm vorgesehenen Schutzhandschuhe vorzunehmen, um festzustellen, ob sie
1. Schutz gegenüber den abzuwehrenden Gefahren bieten, ohne selbst eine größere Gefahr mit sich zu bringen,
2. für die am Arbeitsplatz gegebenen Bedingungen geeignet sind,
3. den ergonomischen Anforderungen und gesundheitlichen Erfordernissen der Versicherten genügen,
4. dem Träger angepasst werden können.

Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass je nach Erfordernis für jeden Versicherten eigene Schutzhandschuhe zur alleinigen Benutzung zur Verfügung stehen. (§§ 3 und 4 des ArbSchG i.V.m. § 2 "Bereitstellung und Benutzung" der PSA-Benutzungsverordnung und der BGR 195 "Einsatz von Schutzhandschuhen").

Konkret finden sich im Punkt 8 des Sicherheitsdatenblattes Angaben zur Persönlichen Schutzausrüstung inkl. Angaben zu Schutzhandschuhen. Im Sicherheitsdatenblatt sollte zumindest ein Handschuhmaterial und die Mindestdicke des Materials angegeben sein. Weitere Hilfen werden auf der Seite "Chemikalienschutzhandschuhe" der BG RCI angeboten. Bei der Beurteilung, Festlegung und Auswahl der PSA soll der Unternehmer und/oder die Führungskraft sich durch die Fachkräfte für Arbeitssicherheit und den Betriebsarzt beratend unterstützt werden [§§ 3 und 6 des Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG)].