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Welche Handschuhe sind für die Verabreichung von Zytostatika am Patienten geeignet, und welche Dicke sollten die Handschuhe mindestens haben?

KomNet Dialog 12907

Stand: 02.02.2011

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Persönliche Schutzausrüstung (PSA) > Anforderungen und Eigenschaften von PSA

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Frage:

Welche Handschuhe sind für die Verabreichung von Zytostatika am Patienten geeignet, und welche Dicke sollten die Handschuhe mindestens haben?

Antwort:

Beim Umgang mit Zytostatika in Einrichtungen zur humanmedizinischen Versorgung, wie z.B. in Krankenhäusern, Arztpraxen und Apotheken, sind umfangreiche technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen, die in den Technischen Regeln für Gefahrstoffe TRGS 525 beschrieben sind, zu treffen, um eine Exposition der Beschäftigten mit Zytostatika zu vermeiden bzw. zu begrenzen. Weitere Hinweise können der folgenden Seite entnommen werden: http://www.gaa-m.bayern.de/imperia/md/content/regob/gaa/downloads/gaed/zytostatika_2009.pdf.

Konkrete Hilfe gibt die Arbeitshilfe „Zytostatika im Gesundheitsdienst“ (M620) - Seite 62 ff.:

"Bei der Wahl geeigneter Schutzhandschuhe sollten folgende Punkte berücksichtigt werden:
• Sterile Einmalhandschuhe mit langer Stulpe und gegebenenfalls Rollrand, die einen sicheren Schluss über dem Ärmelbündchen gewährleisten.
• Generell sollte das Handschuhmaterial die sichere Handhabung der Arbeitsmittel nicht einschränken. Es muss ein
gutes Tastgefühl, Griffigkeit und hohe Festigkeit aufweisen. Die im Handel erhältlichen Zytostatikahandschuhe – zum Beispiel aus Naturlatex – weisen diese Eigen schaften in der Regel auf.
Die TRGS 540 "Sensibilisierende Stoffe" fordert, dass insbesondere Naturlatexhandschuhe puderfrei und allergenarm
sein müssen.
• Aus Sicht des Arbeitsschutzes müssen die Handschuhe die Qualitätsanforderungen der europäischen Norm DIN EN 374 erfüllen (Vorteile: hoher, reproduzierbarer Qualitätsstandard, Prüfung der Hand schuhe auf Dichtigkeit). Nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand wird angenommen, dass sie auch einen wirksamen Schutz gegen Bakterien und
Pilzsporen bieten (DIN EN 374 Teil 2, Kap. 1 und DIN EN 374 Teil 1, Kap. 3.2).
• Im Fingerbereich sollten die Handschuhe eine doppelte Wandstärke haben. Die Vorteile:

  1. Längere Diffusionsstrecke und -zeit bei Benetzung der Handschuhe mit Zytostatikalösungen und dadurch Verringerung des Resorptionsrisikos über die Haut.
  2. Längere Haltbarkeit der Handschuhkuppen gegenüber Abrieb bei Handhabung in der Sicherheitswerkbank und dadurch ebenfalls sicherere Schutzbarriere.
  3. Weniger produktionsbedingt dünnwandige oder undichte Stellen der Handschuhe.
• Das Handschuhmaterial sollte eingefärbt sein (zum Beispiel blau, braun oder grün), um schneller und sicherer Fehler,
Löcher und Einrisse vor und während des Gebrauchs zu erkennen. Auch die Verwendung von doppellagigen Indikator-Handschuhen, die bereits bei kleinsten Schäden eine deutliche Verfärbung aufweisen, kann mehr Sicherheit bieten.
• In der Praxis hat es sich als sinnvoll erwiesen, zur Eliminierung des Restrisikos zwei Paar Handschuhe (double-gloving) unterschiedlicher Materialien (zum Beispiel Latex und Nitril) zu tragen. Die beiden Handschuh materialien sollten idealerweise auf die hauptsächlich zum Einsatz kommenden Zytostatika abgestimmt sein.
• Permeationsuntersuchungen (Untersuchungen zur Bestimmung der Durchlässigkeit) weisen darauf hin, dass am ehesten Handschuhe aus Latex, Nitrilkautschuk oder Neopren ausreichender Dicke für den Umgang mit Zytostatika geeignet sind. Im konkreten Fall sollten auch die Hersteller zu geeigneten Handschuh materialien und -modellen befragt werden.
• Die Handschuhe müssen sofort gewechselt werden, wenn sie vor oder bei der Anwendung so beschädigt wurden, dass Flüssigkeit direkt in Kontakt mit der Haut kommen kann (zum Beispiel Nadelstiche, Risse).
• Unabhängig von sichtbarer Verunreinigung oder Beschädigung sollten die Handschuhe spätestens alle 30 Minuten gewechselt werden, um eine Aufnahme nicht sichtbarer Verunreinigungen oder unsichtbare Beschädigungen zu vermeiden (Tipp: Wecker stellen!).
• Die Handschuhe sollten immer nach außen gekrempelt ausgezogen werden, um eine Kontamination der ungeschützten Hände zu vermeiden."