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Welche gesetzliche Grundlagen benötigt man bzw. was muss die Führungskraft erfüllen, um Mitarbeiter zum Führen von Kranen auszubilden?

KomNet Dialog 9319

Stand: 08.12.2010

Kategorie: Betriebliches Arbeitsschutzsystem > Arbeitsschutzorganisation, Arbeitsschutzmanagement > Einweisung, Unterweisung

Dialog
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Frage:

Eine Führungskraft möchte die Mitarbeiter im Führen von Kranen innerhalb einer Stunde ausbilden. Welche gesetzliche Grundlagen benötigt man bzw. was muss die Führungskraft erfüllen, um Mitarbeiter zum Führen von Kranen auszubilden?

Antwort:

Der BG-Grundsatz "Auswahl, Unterweisung und Befähigungsnachweis von Kranführern" (BGG 921) findet Anwendung auf die Auswahl, die Unterweisung und den Befähigungsnachweis von Kranführern.  In dem Grundsatz sind die im Rahmen einer Kranführerausbildung zu vermittelnden Wissensgebiete und Fähigkeiten genannt.
In der BGG 921 wird ausgeführt, dass erfahrungsgemäß für die Dauer der Unterweisung folgende Richtwerte zu
berücksichtigen sind:
– teilkraftbetriebene Krane
1 Tag,
– flurgesteuerte Krane
1 bis 5 Tage,
– führerhausgesteuerte Krane
5 bis 10 Tage,
– Turmdrehkrane
10 bis 15 Tage,
– Fahrzeugkrane
15 bis 20 Tage.
Verantwortlich für Auswahl und Unterweisung der Kranführer ist der Unternehmer/Arbeitgeber der den Kranführer mit dem Führen des Kranes beauftragt.  Eine Führungskraft darf die in der BGG 921 geforderten Unterweisungen nur in dem Umfang persönlich selber durchführen, in dem auch die erforderliche Fachkunde vorhanden ist.  Üblicherweise werden je nach Umfang und Art der Kranführertätigkeit die Unterweisungen von der Fachkraft für Arbeitssicherheit,  im Rahmen von berufsgenossenschaftlichen Lehrgängen oder von Kranfirmen durchgeführt. Die Verantwortung verbleibt aber beim Arbeitgeber.
Das Ansinnen  der Führungskraft, Kranführer innerhalb einer Stunde "ausbilden" zu wollen, weist darauf hin, dass bei der Führungskraft die nötige Fachkunde nicht vorliegt.  Hier liegt offensichtlich ein Organisationsverschulden des Arbeitgebers vor. Die weiteren betrieblichen Arbeitsschutzakteure wie Fachkraft für Arbeitssicherheit, Betriebsarzt und Betriebsrat sollten den Arbeitgeber unverzüglich auf den Missstand hinweisen und eine dem BGG 921 entsprechende Unterweisung der Kranführer einfordern.
Unter den in der Frage beschriebenen Rahmenbedingungen sollten Beschäftigte keinen Befähigungsnachweis gemäß Muster Anhang 2 und keine Beauftragung gemäß Muster Anhang 3 der BGG 921 entgegennehmen.  Auf die Rechte der Beschäftigten gemäß § 17 Arbeitsschutzgesetz, www.gesetze-im-internet.de/arbschg/__17.html weisen wir hin.