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Benötigt der Benutzer einer einfachen Laufkatze in einer Schreinerei einen Kranschein nach den BG-Vorschriften?

KomNet Dialog 21470

Stand: 28.07.2015

Kategorie: Betriebliches Arbeitsschutzsystem > Arbeitsschutzorganisation, Arbeitsschutzmanagement > Einweisung, Unterweisung

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Frage:

Wir nutzen in der Schreinerei eine Laufkatze mit einer Tragfähigkeit von 250 kg. Die Laufkatze fährt nur in eine Richtung (vor und zurück). Betrieben wird die Laufkatze über eine elektrische Kranbedienung (ohne Funk). Benötigt der Mitarbeiter an dieser Laufkatze einen Kranschein nach den BG-VOrschriften (DGUV Vorschrift 53)? Und muss der Mitarbeiter schriftlich beauftragt werden? Benötigt man einen Kranschein erst bei überschreiten einer gewissen Tragkraft, oder immer?

Antwort:

In § 6 der Betriebssicherheitsverordnung -BetrSichV- wird gefordert, dass der Arbeitgeber darauf zu achten hat, dass die Beschäftigten in der Lage sind, die Arbeitsmittel zu verwenden, ohne sich oder andere Personen zu gefährden. Bei der sicheren Verwendung der Arbeitsmittel ist der Anhang 1 zu beachten.

Für Krane wird diese Forderung in der DGUV Vorschrift 52 (bisher: BGV D6) "Krane" konkretisiert. In den §§ 1 und 2 wird definiert, was als Kran im Sinne dieser Unfallverhütungsvorschrift zählt. Der Beschreibung nach fällt Ihre Laufkatze unter diese Definition. Somit muss gemäß § 29 der Unfallverhütungsvorschrift auch eine Qualifikation zum Führen (Benutzen) eines Kranes vorliegen:  
"Der Unternehmer darf mit dem selbständigen Führen (Kranführer) oder Instandhalten eines Kranes nur Versicherte beschäftigen,
1. die das 18. Lebensjahr vollendet haben,
2. die körperlich und geistig geeignet sind,
3. die im Führen oder Instandhalten des Kranes unterwiesen sind und ihre Befähigung hierzu ihm nachgewiesen haben und 4. von denen zu erwarten ist, dass sie die ihnen übertragenen Aufgaben zuverlässig erfüllen.

Der Unternehmer muss Kranführer und Instandhaltungspersonal mit ihren Aufgaben beauftragen. Bei ortsveränderlichen kraftbetriebenen Kranen muss der Unternehmer den Kranführer schriftlich beauftragen."

Dies gilt nicht für handbetriebene Krane. Ein Kran gilt als handbetrieben, wenn die Hubbewegung und alle weiteren Kranbewegungen durch Muskelkraft bewirkt werden. Somit trifft diese Ausnahme für Ihren Kran nicht zu.

Der Nachweis der Befähigung gilt als erbracht, wenn die Personen einen Befähigungsnachweis (Kranführerschein) nach dem DGUV Grundsatz 309-003 (bisher: BGG 921) haben. Bei einer innerbetrieblichen Ausbildung muss der Arbeitgeber gewährleisten, dass die Ausbildung diesem Grundsatz entspricht.

Der Arbeitgeber kann im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung auch eigenverantwortlich zu dem Schluss kommen, dass im Einzelfall ein solcher Kranführerschein nicht notwendig ist. Das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung ist gemäß § 6 Arbeitsschutzgesetz zu dokumentieren. Bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilung wird der Arbeitgeber durch die Fachkraft für Arbeitssicherheit und den Betriebsarzt unterstützt. Da im Schadensfall solche Abweichungen vom technischen Regelwerk oftmals sehr kritisch hinterfragt werden, empfehlen wir, diese im Vorfeld mit dem zuständigen Unfallversicherungsträger abzustimmen.