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KomNet-Wissensdatenbank

Was ist bei der Entladung begaster Übersee-Container zu beachten?

KomNet Dialog 8476

Stand: 24.06.2009

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Begasungen

Dialog
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Frage:

Wir entladen in unserer Firma gelegenlich Übersee-Container aus Asien. Diese sind in der Regel mit Schädlingsbekäpfungsmittel kontaminiert. Meine Frage: Was ist bei der Entladung zu beachten? Welche Vorschriften und Regeln müssen beachtet werden? Braucht der mit der Entladung beauftragte Mitarbeiter eine Schutzausrüstung?

Antwort:

Die Begasung von Bauten, Bauteilen, Container fällt grundsätzlich unter den Anwendungsbereich der Gefahrstoffverordnung (Anhang III Nr. 5 GefStoffV). Konkretisiert wird dies durch die technische Regel - TRGS 512 "Begasungen".
Informationen zu begasten Überseecontainern und mehrere Downloads können sie der folgenden Seite der Arbeitsschutzverwaltung Hamburg entnehmen(http://www.hamburg.de/startseite-branchen/120338/container-begast.html) und den Informationen der BGIA - Institut für Arbeitsschutz "Gefahrenschwerpunkt Frachtcontainer" unter http://www.dguv.de/bgia/de/pra/container/index.jsp.
Eine Muster-Gefährdungsbeurteilung und Betriebsanweisung beim Umgang mit möglicherweise begasten Containern und weiterern Handlungsinformationen können sie der Dokumentation http://www.uke.uni-hamburg.de/institute/arbeitsmedizin/downloads/universitaetsprofessur-arbeitsmedizin/Gefaehrdungsbeurteilung_und_Betriebsanweisung.pdf entnehmen. Siehe auch die Seite der Uniklinik Hamburg Eppendorf zum Thema "Begasungsmittelrückstände in Importcontainern - eine sicherheitstechnische und arbeitsmedizinische Herausforderung" mit zahlreichen Informationen.
Folgende Hinweise zum Umgang mit begasten Beförderungseinheiten werden z.B. genannt:
- Arbeitgeber, deren Beschäftigte Container oder Fahrzeuge öffnen, prüfen oder entladen, sollen in ihrer Gefährdungsbeurteilung konkrete Maßnahmen beschreiben, wie verdächtige Container erkannt und welche Maßnahmen in diesen Fällen zu treffen sind (§§ 3-6 Arbeitsschutzgesetz).
- Über Frachtpapiere und Kennzeichnung der Container oder Fahrzeuge ist zu ermitteln, ob der Laderaum begast wurde und hierzu eine Freigabebescheinigung vorliegt.
- Potentiell begaste Transporteinheiten können als Alternative zu Kontrollmessungen vorsorglich bei einem Sicherheitsabstand von wenigstens 6 Metern von Gebäuden und Arbeitsbereichen entfernt mindestens eine halbe Stunde lang bei weit geöffneten Containertüren gelüftet werden. TRGS 512, Ziffer 5.4.3.3. 
- Als ebenso wirksame Maßnahme kann das Lüften einer Transporteinheit mit temperatur- oder witterungsempfindlichen Gütern auch an der Andockstation über eine ins Freie entlüftete Schleuse erfolgen. Dabei ist durch geeignete Luftführung sicherzustellen, dass angrenzende Arbeitsbereiche nicht belastet werden.
- Die Schutzmaßnahmen sind in einer Betriebsanweisung festzulegen. Die Beschäftigten sind zu unterweisen.
- Für den Fall, dass beim Öffnen unerwartet Begasungsmittel (verdächtiger Geruch, Kennzeichnungsreste, Trägermaterialien, verklebte Lüftungsschlitze) festgestellt werden könnten, ist in die Betriebsanweisung der Text "Container nicht betreten bzw. verlassen, verschließen und erforderlichenfalls sichern" aufzunehmen. Eine Musterbetriebsanweisung erhalten Sie
hier [pdf] zum Download.
- Ist nicht sicher auszuschließen, dass der Laderaum frei von Begasungsmitteln ist, so ist ein Befähigungsscheininhaber hinzuzuziehen. Weitere Informationen enthält das Merkblatt
"Freigabe begaster Transporteinheiten" (M59)[pdf].

Stand: August 2008