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KomNet-Wissensdatenbank

Ist für die beschriebenen Lackierarbeiten Atemschutz erforderlich?

KomNet Dialog 11152

Stand: 20.06.2012

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen > Persönliche Schutzmaßnahmen (5.)

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Frage:

In einer Werkstatt eines Entsorgungsbetriebs werden regelmäßig Container repariert und mit lösemittelhaltigem Lack gestrichen. In der Regel werden die Container im Freien oder bei geöffneten Toren gestrichen. Der Lack wird zum großen Teil gerollt und nie gespritzt. Teilweise sind Mitarbeiter eine ganze Arbeitsschicht mit dem Lackieren beschäftigt. 1. Sollte unter den gegebenen Umständen ein Atemschutz mit Filter gegen Dämpfe von organischen Verbindungen eingesetzt werden oder reicht gemäß Ihren Erfahrungen gute Lüftung aus? 2. Reicht es aus, den Atemschutz anzubieten oder muss der Mitarbeiter auch verpflichtet werden, den Atemschutz zu tragen?

Antwort:

Grundsätzlich müssen beim Umgang mit Gefahrstoffen die möglichen Gefährdungen und die zu treffenden Schutzmaßnahmen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung gemäß § 6 "Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung" der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ermittelt und festgelegt werden. Nach § 6 der Gefahrstoffverordnung i.V.m. Artikel 31 der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH-Verordnung) muss für den berufsmäßigen Verwender beim Inverkehrbringen einer gefährlichen Zubereitung ein Sicherheitsdatenblatt mitgeliefert werden. Informationen bezüglich Atemschutz sind Abschnitt 8 "Begrenzung und Überwachung der Exposition/Persönliche Schutzausrüstung" des Sicherheitsdatenblattes zu entnehmen.

Wie unter Kapitel 16 "Atemschutz" der BGI 557 "Lackierer" zudem erläutert, gibt es wegen der Vielfalt der Beschichtungsstoffe und der Lackierverfahren keinen zulässigen Grenzwert. Die bestehenden Gefährdungen können auch nicht mit „einatembaren Staub“ verglichen werden. Das führt dazu, dass eine Gefährdungsbeurteilung nur in Hinblick auf Lösemittelkomponenten oder andere gasförmige Bestandteile nicht ausreicht. Daher wurde die BG-Regel BGR 231 "Schutzmaßnahmenkonzept für Spritzlackierarbeiten – Lackaerosole" erarbeitet. Diese Regel legt fest, welche Art Atemschutz bei welcher technischen Lüftungseinrichtung gewählt werden muss. Die BGR 231 "Schutzmaßnahmenkonzept für Spritzlackierarbeiten – Lackaerosole" bezieht sich aber nur auf Spritzlackierarbeiten.

Beim Streichen von Beschichtungsstoffen entstehen in der Regel keine Aerosole, sodass hierbei das Hauptaugenmerk in der Gefährdungsbeurteilung auf Lösemittelkomponenten gelegt werden kann. Entscheidend beim Streichen hinsichtlich Atemschutz ist also der Lösemittelanteil im Anstrichstoff, die beim Streichen freigesetzte Menge und die Art der Lüftung des Arbeitsbereiches.

Sofern dem Sicherheitsdatenblatt keine hinreichenden Informationen bezüglich Atemschutz entnommen werden können, sollten mit dem Lacklieferanten bzw. Hersteller Kontakt aufgenommen werden, um die Notwendigkeit von Atemschutz zu klären.

Gemäß § 7 "Grundpflichten" Absatz 5 der Gefahrstoffverordnung müssen Beschäftigte bereitgestellte persönliche Schutzausrüstungen benutzen, solange eine Gefährdung besteht. Der Arbeitgeber darf das Tragen von belastender persönlicher Schutzausrüstung als ständige Maßnahme anstelle von technischen oder organisatorischen Maßnahmen nicht zulassen.