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KomNet-Wissensdatenbank

Sind durchstichsichere Abwurfbehälter noch erforderlich, wenn Nadeln und Kanülen auf sichere Systeme umgestellt sind?

KomNet Dialog 7857

Stand: 01.12.2015

Kategorie: Belastungen durch Biostoffe > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Biostoffen > Technische Schutzmaßnahmen (6.)

Dialog
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Frage:

Ich bin Sicherheitsfachkraft in einem Krankenhaus. Wir haben unsere Nadeln und Kanülen gemäß TRBA 250 auf sichere Systeme umgestellt. Jetzt stellt sich bei uns die Frage, ob die durchstichsicheren Abwurfbehälter noch erforderlich sind, da dort nun keine ungeschützten spitzen Gegenstände eingefüllt werden. Gibt es hierzu eine verbindliche/einheitliche Regelung oder kann man entsprechend der Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilungen vorgehen?

Antwort:

Bezüglich der Entsorgung benutzter spitzer, scharfer oder zerbrechlicher Arbeitsgeräte ist Ziffer 4.2.5 Absatz 6 der TRBA 250 relevant. Dort ist folgendes nachzulesen:

Gebrauchte spitze und scharfe medizinische Instrumente einschließlich derer mit Sicherheitsmechanismus sind unmittelbar nach Gebrauch durch den Anwender in Abfallbehältnissen zu sammeln.

Die Abfallbehältnisse müssen den Abfall sicher umschließen. Dabei sind die Behälter so nah wie möglich am  Verwendungsort der spitzen, scharfen oder zerbrechlichen medizinischen Instrumente aufzustellen. Sie dürfen nicht umgefüllt werden.

Die Abfallbehaltnisse müssen folgende Eigenschaften aufweisen:

    • Sie sind fest verschließbare Einwegbehältnisse.
    • Sie geben den Inhalt, z.B. bei Druck, Stoß, Fall, nicht frei.
    • Sie sind durchdringfest.
    • Ihre Beschaffenheit wird durch Feuchtigkeit nicht beeinträchtigt.
    • Behältergröße und Einfüllöffnung sind abgestimmt auf das zu entsorgende Gut.
    • Sie öffnen sich beim Abstreifen von Kanülen nicht.
    • Sie sind eindeutig und verwechslungssicher als Abfallbehaltnisse zu erkennen (Farbe, Form, Beschriftung).
    • Die Abfallbehaltnisse sind auf die Entsorgungskonzeption und auf die verwendeten Spritzensysteme (Abstreifvorrichtung für verschiedene Kanülenanschlüsse) abgestimmt.
    • Ihre maximale Füllmenge ist angegeben, ihr Füllgrad ist erkennbar.
Hinweis:
Die DIN EN ISO 23907 beschreibt die Prüfanforderungen, die solche Abfallbehaltnisse zu erfüllen haben. Gefüllte Abfallbehaltnisse sind sicher zu entsorgen.

Die Berufsgenossenschaft Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege - BGW bietet die Broschüre "Abfallentsorgung - Informationen zur sicheren Entsorgung von Abfällen im Gesundheitsdienst" unter an. Darin werden unter Abschnitt 3.2 Einsammeln und Entsorgen in die Abfallbehälter folgende Informationen gegeben:

Spitze, scharfe und zerbrechliche Gegenstände

Um Schnitt- und Stichverletzungen sowie Infektionen des Klinik- bzw. Praxispersonals und des Personals
in den Entsorgungsanlagen zu vermeiden, müssen gemäß TRBA 250 für benutzte Spritzen, Kanülen, Skalpelle, Ampullen etc. (sog. „sharps“) Abfallbehältnisse bereitgestellt und verwendet werden, die stich- und bruchfest sind und den Abfall sicher umschließen. Konkret müssen die Behältnisse folgende Eigenschaften aufweisen:
  • Sie sind verschließbare Einwegbehältnisse.
  • Sie geben den Inhalt, z.B. bei Druck, Stoß, Fall, nicht frei.
  • Sie sind durchdringfest.
  • Ihre Festigkeit wird durch Feuchtigkeit nicht beeinträchtigt.
  • Ihre Größe und Einfüllöffnung sind abgestimmt auf das zu entsorgende Gut.
  • Sie öffnen sich beim Abstreifen von Kanülen nicht.
  • Sie sind durch Farbe, Form oder Beschriftung eindeutig als Abfallbehältnisse zu erkennen.
  • Sie sind mit Benutzerhinweisen versehen, sofern ihre Verwendung nicht augenfällig ist.
Weitere Kriterien für die Auswahl der Behältnisse sollten sein:
  • die Abstimmung auf die Entsorgungskonzeption,
  • die Abstimmung auf die verwendeten Spritzensysteme (Abstreifvorrichtung für verschiedene Kanülenschlüsse) und
  • erkennbarer Füllgrad.
Das Umfüllen von „sharps“ ist nicht zulässig. Eine unsachgemäße Entsorgung kann haftungsrechtliche Folgen haben.
Insbesondere für die direkte Einsammlung in Patientennähe ist die Verwendung von kompakten Einweg-Abwurfbehältnissen empfehlenswert.

Zusammengefasst bedeuten die v. g. Ausführungen, dass immer dann, wenn im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung die Gefahr von Schnitt- und Stichverletzungen sowie von Infektionen festgestellt wird, Gegenstände in stich- und bruchsichere Abwurfbehälter zu entsorgen sind. Es müsste also für alle Tätigkeiten im Einzelfall festgelegt werden: Schnitt- und Stichverletzungen oder Infektionen  möglich -> ja oder nein und danach die Anforderungen an das auszuwählende Abwurfbehältnis festgelegt werden. Solch ein Verfahren dürfte in der betrieblichen Praxis kaum praktikabel anzuwenden sein. Für eine einheitliche Handhabung sollten daher generell stich- und bruchsichere Abwurfbehälter zum Einsatz kommen.