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KomNet-Wissensdatenbank

Fragen zum Strahlenschutz in einem Biotech-Unternehmen

KomNet Dialog 7832

Stand: 16.04.2009

Kategorie: Physikalische Belastungen und Beanspruchungen > Ionisierende Strahlung > Strahlenschutzorganisation

Dialog
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Frage:

Wir sind ein kleines Biotech-Unternehmen und planen in Zukunft mit S35 unterhalb der Freigrenze zu arbeiten. 1. Ist das Arbeiten unterhalb der Freigrenze anzeigepflichtig auch wenn es nicht genehmigungspflichtig ist? 2. Ist ein Strahlenschutzbeauftragter (SSB) vorgeschrieben? 3. Wenn nein, wie verläuft die Bestellung von Radioaktivität, da die Firmen vor Auftragsannahme immer ein Schreiben eines SSB vorschreiben? 4. Wie ist die Vorgehensweise um SSB zu werden, wenn alle vorgeschriebenen Fortbildungsmodule absolviert wunden? 5. Im selben Gebäude arbeitet eine andere Gruppe bereits unterhalb der Freigrenze. Wie ist die Handhabung in solchen Fällen: ist die Freigrenze auf einen Raum, ein Stockwerk oder ein Gebäude begrenzt? Ist es möglich, dass innerhalb eines Gebäudes mehrere Gruppen unterhalb der Freigrenze arbeiten, die Summe aber die Freigenze überschreiten würde?

Antwort:

1. Ist das Arbeiten unterhalb der Freigrenze anzeigepflichtig, auch wenn es nicht genehmigungspflichtig ist?
Die Strahlenschutzverordnung kennt in dem Sinne keine Anzeigepflicht. Entweder ist der Umgang mit radioaktiven Stoffen nach Anlage 1 StrlSchV genehmigungsfrei oder der Umgang ist genehmigungspflichtig nach § 7 StrlSchV.
Für Tätigkeiten mit radioaktiven Stoffen unterhalb der Freigrenze ist keine Genehmigung nach der Strahlenschutzverordnung –StrlSchV- erforderlich. Erst wenn Sie die Freigrenzenaktivität oder die spezifische Freigrenzenaktivität nach StrlSchV Anlage III Tabelle 1 Spalte 2 und 3 überschreiten unterliegt der Umgang der Überwachung nach der StrlSchV. Hierbei ist beim Umgang mit mehreren radioaktiven Stoffen unterhalb der Freigrenze wichtig, dass der Umgang nur dann genehmigungsfrei ist, wenn das Ergebnis der Summenformel kleiner ist, als der Wert 1.

2. Ist ein Strahlenschutzbeauftragter vorgeschrieben?
Der Umgang mit radioaktiven Stoffen unterhalb der Freigrenze ist genehmigungsfrei. D.h. gemäß § 3 Abs. 2, Ziffer 16 handelt es sich erst dann um Tätigkeiten mit radioaktiven Stoffen, wenn die Freigrenze überschritten wird. Oberhalb der Freigrenze greifen die Überwachungsvorschriften der StrlSchV. Somit ist die Bestellung eines Strahlenschutzbeauftragten -SSB- erst beim Überschreiten der Freigrenze erforderlich.

3. Wenn nein, wie verläuft die Bestellung von Radioaktivität, da die Firmen vor Auftragsannahme immer ein Schreiben eines SSB vorschreiben?
Dazu liegen hier keine Erkenntnisse vor. Für denjenigen, der radioaktive Stoffe abgibt, darf er das oberhalb der Freigrenze nur durchführen, wenn der Empfänger im Besitz einer erforderlichen Genehmigung ist. Unterhalb der Freigrenze gelten die Schutzbestimmungen der StrlSchV nicht.

4. Wie ist die Vorgehensweise um SSB zu werden, wenn alle vorgeschriebenen Fortbildungsmodule absolviert wunden?
Falls der Strahlenschutzverantwortliche selbst über die Fachkunde im Strahlenschutz verfügt, kann er die Aufgaben des Strahlenschutzbeauftragten auch selbst wahrnehmen.
Der Strahlenschutzverantwortliche hat, soweit dies für die Gewährleistung des Strahlenschutzes bei der Tätigkeit notwendig ist, die für die Leitung oder Beaufsichtigung dieser Tätigkeiten erforderliche Anzahl von Strahlenschutzbeauftragten schriftlich zu bestellen. In der Regel sind schon aus Vertretungsgründen (Urlaub, Krankheit, Fortbildung, ...) mindestens zwei Strahlenschutzbeauftragte erforderlich.
Die Zuverlässigkeit weisen Sie durch die Vorlage eines Führungszeugnisses der Belegart O oder P nach.
Die Fachkunde ist durch Vorlage entsprechender Bescheinigungen nachzuweisen. Sie sind dem Antrag als Anlagen beizufügen:
Personen, die in anderen Bereichen (z.B. Werkstoffprüfung, Laboratorien, Messtechnik, Forschung) tätig sind, weisen die Fachkunde durch: Nachweis einer geeigneten Berufsausbildung, Sachkundenachweis und Teilnahmebescheinigung an einem Strahlenschutzkurs nach. Aus den Bescheinigungen muss der Umfang und Art des Erwerbs der Fachkunde hervorgehen. Sie sollen Hinweise auf die behandelten Themen enthalten.
Die Strahlenschutz-Fachkunde muss von der nach Landesrecht zuständigen Stelle (in NRW Bezirksregierung Düsseldorf) bescheinigt werden. Die hierzu notwendigen Unterlagen (Nachweis einer geeigneten Berufsausbildung (Physiker, Chemiker, Biologe, Medizin-Physiker,...), Sachkundenachweis, Teilnahmebescheinigung Strahlenschutzkurs) sind unmittelbar an diese Stelle zu senden. Die Fachkundebescheinigung ist dem Antrag beizufügen.

5. Im selben Gebäude arbeitet eine andere Gruppe bereits unterhalb der Freigrenze. Wie ist die Handhabung in solchen Fällen: ist die Freigrenze auf einen Raum, ein Stockwerk oder ein Gebäude begrenzt? Ist es möglich, dass innerhalb eines Gebäudes mehrere Gruppen unterhalb der Freigrenze arbeiten, die Summe aber die Freigrenze überschreiten würde?
Hier ist nicht die Arbeitsgruppe, sondern die juristische Person des Biotech-Unternehmens zu betrachten, z.B. die GmbH. Im gesamten Unternehmen darf die Summe aller radioaktiven Stoffe den Wert 1 nicht überschreiten (Summenformel beachten). Nur in diesem Fall darf genehmigungsfrei unter Beachtung der Anlage 1 StrlSchV gearbeitet werden. In allen anderen Fällen ist der Umgang genehmigungspflichtig. 
Wir raten Ihnen auf Grund der Fragestellung dazu, eine entsprechende Umgangsgenehmigung bei der zuständigen Behörde zu beantragen.

Arbeitsschutzvorschriften können Sie unter www.arbeitsschutz.nrw.de/bp/legislation/index.html oder www.gaa.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/16032  aufrufen.