Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Welche Anforderungen bestehen für den Umgang mit S35 (Betastrahler)?

KomNet Dialog 6652

Stand: 04.11.2008

Kategorie: Physikalische Belastungen und Beanspruchungen > Ionisierende Strahlung > Umgang mit radioaktiven Stoffen

Dialog
Favorit

Frage:

Wir sind ein kleines Biotech-Start-up Unternehmen und wollen Arbeiten mit S35 unterhalb der Freigrenze durchführen. 1. Müssen dafür spezielle Genehmigungen eingeholt werden? 2. Gibt es für die Lagerung von S35-Abfall zum Abklingen vorgeschriebene Behälter (flüssig, fest)? 3. Muss der radioaktive Abfall zum Abklingen in einem externen Raum oder kann er auch im Labor gelagert werden? 4. Wann (Restaktivität) wird der Abfall als strahlungsfrei definiert? 5. Erhöht sich das Gefährdungspotential der Mitarbeiter am S35-Arbeitsplatz gegenüber der Bewertung unter Standardlaborbedingungen? Welche Maßnahmen müssen getroffen werden?

Antwort:

Für Tätigkeiten mit S 35 unterhalb der Freigrenze gilt:

zu 1.: Müssen dafür spezielle Genehmigungen eingeholt werden?
Für diese Tätigkeiten mit radioaktiven Stoffen unterhalb der Freigrenze ist keine Genehmigung nach der Strahlenschutzverordnung –StrlSchV- erforderlich. Erst wenn Sie die Aktivität oder die spezifische Aktivität nach StrlSchV Anlage III Tabelle 1 Spalte 2 und 3 überschreiten, unterliegt der Umgang der Überwachung der StrlschV. Hierbei ist beim Umgang mit mehreren radioaktiven Stoffen unterhalb der Freigrenze wichtig, dass der Umgang nur dann genehmigungsfrei ist, wenn das Ergebnis der Summenformel kleiner ist als der Wert 1. 

zu 2.: Gibt es für die Lagerung von S 35-Abfall zum Abklingen vorgeschriebene Behälter (flüssig,fest)?
Grundsätzlich handelt es sich bei S 35 um einen reinen ß-Strahler. Diese sind bei unsachgemäßer Lagerung in Metallbehältern in der Lage, Bremsstrahlung zu erzeugen. Daher eignen sich für feste Abfälle z.B. Beutel aus Polyethylen oder Kunststofftrommeln. Radioaktiv kontaminierte Flüssigkeiten werden in entsprechenden Kunststoffkanistern gelagert (10 l Volumen). Ggfs. ist eine Absprache mit der jeweiligen Landessammelstelle ratsam. 

zu 3.: Muss der radioaktive Abfall zum Abklingen in einem externen Raum oder kann er auch im Labor gelagert werden?
Bei den von Ihnen beschriebenen Umgang bis zur Freigrenze kann der Abfall auch im Labor z.B. in einem Lagerschrank eingelagert werden.

zu 4.: Wann (Restaktivität) wird der Abfall als strahlungsfrei definiert?
Wenn der Umgang, auch unter Berücksichtigung der Summenformel,  unter der Freigrenze stattfindet, dann unterschreitet auch der Abfall die Aktivität der Freigrenze oder die spezifische Aktivität nach der Strahlenschutzverordnung - Anlage III Tabelle 1 Spalte 2 und 3.
Beim Umgang unterhalb der Freigrenze bei S 35 (Freigrenze 1E+8 Bq) darf die gesamte Aktivität, die sich aus frischer Aktivität und aus der Aktivität im Abfall zusamensetzt, die Freigrenzenaktivität nicht überschreiten.

zu 5: Erhöht sich das Gefährdungspotential der Mitarbeiter am S 35-Arbeitsplatz gegenüber der Bewertung unter Standardlaborbedingungen? Welche Maßnahmen müssen getroffen werden?
Beim Umgang mit radioaktiven Stoffen erhöht sich das Gefährdungspotential für die Mitarbeiter immer. Beim Umgang mit offenen radioaktiven Stoffen besteht ein Inkorporationsrisiko. Regelungen zur Ermittlung der Inkorporationsrisikos beinhaltet die Richtlinie für die physikalische Strahlenschutzkontrolle, Teil 2.
Unterhalb der Freigrenze sind keine über die normale Laborrichtlinie hinausgehenden Anforderungen an die Ausstattung des Labors erforderlich.