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KomNet-Wissensdatenbank

Muss die passive Lagerung brennbarer Flüssigkeit in gefahrgutrechlich zugelassenen Transportbehältern (1.000 liter) in Auffangwannen erfolgen?

KomNet Dialog 6593

Stand: 01.04.2008

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Entzündliche Flüssigkeiten > Lagerung entzündlicher Flüssigkeiten

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Frage:

Passive Lagerung brennbarer Flüssigkeiten in gefahrgutrechtlich zugelassenen Transportbehältern. Im Unternehmen werden max. drei Transportbehälter (gefahrgutrechtlich zugelassen, 1.000 Liter Fassungsvermögen pro Behälter) mit brennbaren Flüssigkeiten zwecks Entsorgung für mehrere Tage zwischengelagert. Die Behälter verfügen nicht über eine entnahmeöfnung unterhalb des Flüssigkeitsspiegels. Müssen derartige Behälter in einer Auffangwanne zwischengelagert werden? Wo findet man die hierfür gültigen Vorschriften?

Antwort:

Grundsätzlich müssen entzündliche Flüssigkeiten so gelagert werden, dass sie die menschliche Gesundheit und die Umwelt nicht gefährden [§ 8 "Allgemeine Schutzmaßnahmen" Absatz 6 der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV)]. Weiter gilt nach Gefahrstoffverordnung (§ 10 "Besondere Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit krebserzeugenden, erbgutverändernden und fruchtbarkeitsgefährdenden Gefahrstoffen" Absatz 3) dass mit T+ (z. B. sehr giftig) und T (z. B. giftig) gekennzeichnete Stoffe und Zubereitungen unter Verschluss oder so aufzubewahren oder zu lagern ist, dass nur fachkundige Personen Zugang haben. Weitere Ausführungen können dem Sicherheitsdatenblatt der entzündlichen Flüssigkeit entnommen werden.

Auffangräume für Behälter zur Lagerung entzündlichen Flüssigkeiten dienen sowohl der Begrenzung der Ausdehnung von Bränden als auch der Verhinderung der Verunreinigung von Gewässern durch auslaufende entzündliche Flüssigkeiten.

Eine grundsätzliche Forderung an die Aufstellung von Behältern in einer Auffangwanne ist gegeben. Die technischen Regeln für brennbare Flüssigkeiten (TRbF) beschreiben den Stand der Technik für brennbare Flüssigkeiten. Sie gelten gemäß den Übergangsvorschriften des § 27 "Übergangsvorschriften" der BetrSichV bis zu ihrer Überarbeitung und Verkündung fort.  

Nach Ziffer 3.2.2 der TRbF 20 "Läger" gilt:
"(1) Werden in einem Raum brennbare Flüssigkeiten in einem oder in mehreren Behältern gelagert, so müssen die Behälter bei einem Gesamtrauminhalt von mehr als 450 l in Auffangräumen aufgestellt sein.
(2) Werden im Freien brennbare Flüssigkeiten in einem oder in mehreren Behältern gelagert, so müssen die Behälter bei einem Gesamtrauminhalt von mehr als 1 000 l in Auffangräumen aufgestellt sein.
.....
(4) Abweichend von Absatz 1 und 2 ist ein Auffangraum nicht erforderlich für Transportbehälter, die Anhang J Nummer 5 Absatz 3 entsprechen. (Bem.: dies sind Transportbehälter mit einem Rauminhalt bis 1 000 l, die keine Öffnungen unterhalb des Flüssigkeitsspiegel aufweisen und mit einer Auffangwanne versehen sind, deren Abstand von der Behälterwandung an keiner Stelle mehr als 1 cm beträgt.)
.....
(6) Ein Auffangraum ist ferner nicht erforderlich für Tanks mit einem Rauminhalt bis
- 40 000 l brennbarer Flüssigkeiten der Gefahrklassen A I, A II und B oder
- 100 000 l brennbarer Flüssigkeiten der Gefahrklasse A lll,
wenn sie
1. gegen Flammeneinwirkung ausreichend widerstandsfähig sind,
2. gegen Korrosionen beständig oder ausreichend z.B. durch eine Leckschutzauskleidung geschützt sind und
3. unterhalb des zulässigen Flüssigkeitsstandes keine lösbaren Anschlüsse oder Verschlüsse besitzen."

Hinweis: Für ortsbewegliche Gefäße im Bereich der brennbaren Flüssigkeiten gilt die TRbF 60. Für die Aktive Lagerung brennbarer Flüssigkeiten in ortsbeweglichen Behältern ist der Anhang J der TRbF 20 anzuwenden.

Inwieweit für gefahrgutrechtlich zugelassene Behälter nach wasserrechtlichen Vorschriften [z. B. nach Wasserhaushaltsgesetz (WHG) und der Anlagenverordnung (VAwS)] besondere Anforderungen bestehen oder eine Ausnahme in Anspruch genommen werden kann, kann von KomNet nicht beantwortet werden. Nachfolgend geben wir einige Hinweise:

Im Regelfall müssen die Anlagen (im Geltungsbereich der VAwS), sofern sie nicht doppelwandig und mit einem Leckanzeigegerät versehen sind, mit einem dichten und beständigen Auffangraum ausgerüstet werden. Ein Rückhaltevolumen ist bei oberirdischen Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen der Wassergefährdungsklasse (WGK) 2 und 3 bis einschließlich eines Anlagenvolumens von 0,1 m³ oder der WGK 1 bis einschließlich eines Anlagenvolumens von 1 m³ nicht erforderlich, sofern sich diese auf einer befestigten Fläche befinden oder die Leckerkennung jederzeit durch infrastrukturelle Maßnahmen gewährleistet ist. Ein Rückhaltevolumen ist bei Umschlaganlagen nicht erforderlich, wenn Stoffe in Verpackungen, die den gefahrgutrechtlichen Anforderungen genügen oder gleichwertig sind, umgeladen werden, sofern der Umschlag auf einer befestigten Fläche stattfindet. Eine konkrete Anfrage sollte an die zuständige untere Wasserbehörde der Kommune gerichtet werden.