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Ist ein Immunitätsnachweis bei einer betriebsärztlichen Untersuchung gültig, auch wenn vor Eintritt einer Schwangerschaft gemacht wurde?

KomNet Dialog 6339

Stand: 01.01.2008

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Gefährdungen für werdende / stillende Mütter

Dialog
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Frage:

Ist ein Imunitätsnachweis (Titerbestimmung) bei einer betriebsärztlichen Untersuchung gültig, auch wenn er eine Zeit vor Eintritt einer Schwangerschaft gemacht wurde? Macht es Sinn bei Kinderwunsch eine Titerbestimmung vor einer Schwangerschaft durchzuführen, um als Lehrerin (Realschule)ein vorübergehendes Beschäftigungsverbot, während der Wartezeit auf die Ergebnisse der Betriebsärztlich Titerbestimmung, zu umgehen?

Antwort:

Informationen über eine Immunität liefern neben den anamnestischen Angaben, die nicht immer verlässlich sind, auch verschiedene medizinische Unterlagen, wie z. B. Impfausweis, Impfbescheinigung, Mutterpass, mikrobiologische Befunde über eine durchgemachte Erkrankung bzw. Laborbefunde mit serologischem Nachweis von spezifischen Antikörpern. Diese spezifischen Antikörper können entweder durch durchgemachte, natürliche Erkrankungen oder durch Impfungen erworben werden, und verbleiben meistens lebenslang im Körper. Der Immunstatus ist nichts anderes als ein „Stempel im Blut“. Nur beim Keuchhusten besteht eine begrenzte Immunität. Der Immunschutz dauert nach einer natürlichen Erkrankung etwa 15 bis 20 Jahre bzw. nach vollständiger Impfung etwa zehn Jahre, möglicherweise noch kürzer.

Alle oben genannten ärztlichen Unterlagen können bei der Beurteilung des Immunschutzes verwendet werden. Sie verlieren ihre Gültigkeit nicht, auch wenn sie vor einer Schwangerschaft erhoben wurden.

Insbesondere vor einer geplanten Schwangerschaft sollte jede Frau ihren Immunstatus überprüfen lassen und bei fehlendem Immunschutz die erforderlichen Impfungen nachholen. Die Mutter bildet aufgrund der Impfung oder der durchgemachten Erkrankungen Antikörper gegen den Erreger. Diese Immunität schützt nicht nur die Schwangere sondern auch das ungeborene Kind. Schon während der Schwangerschaft werden diese mütterlichen Antikörper durch den Mutterkuchen (Plazenta) auf das Kind übertragen. Dies ist der sogenannte Nestschutz. Der Säugling ist durch diesen natürlichen Nestschutz in den ersten Monaten vor bestimmten Infektionskrankheiten geschützt, vorausgesetzt, die Mutter hat die Krankheiten bereits durchgemacht oder sie ist dagegen geimpft.

Für nichtimmune Frauen mit Kinderwunsch sind solche Indikationsimpfungen kostenlos. Der Sinn und die Wichtigkeit dieser Maßnahme liegen erstrangig in dem Schutz des ungeborenen Lebens. Die Vermeidung von Beschäftigungsverboten ist nur ein Nebeneffekt.

Eine verpflichtende arbeitsmedizinische Untersuchung für das Lehrpersonal gibt es weder nach Arbeitsschutzgesetz noch nach der Biostoffverordnung (BioStoffV)! Das Lehrpersonal fällt auf Grund der Gefährdungsbeurteilung nicht in den Geltungsbereich der BioStoffV. Das Mutterschutzgesetz gilt erst nach der Bekanntgabe einer Schwangerschaft.

Es besteht eventuell die Möglichkeit im Rahmen von sogenannten Angebotsuntersuchungen den Immunschutz bestimmen zu lassen. Der Arbeitgeber kann, auf Wunsch des Beschäftigten/der Beschäftigten [§ 11 "Arbeitsmedizinische Vorsorge" des Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)] Angebotsuntersuchungen anbieten, muss er aber nicht. Dafür gibt es keine gesetzliche Verpflichtung. Wenn er solche Angebotsuntersuchung freiwillig anbietet, dann trägt er auch dafür die Kosten. Sonnst muss diese Präventivmaßnahme mit dem Frauenarzt besprochen und von ihm veranlasst werden. Die Kosten dafür trägt die Krankenkasse.

Im Falle eines fehlenden Immunschutzes muss spätestens bei der Mitteilung der Schwangerschaft der Immunschutz erneut überprüft werden.

Auf die Informationen der Arbeitsschutzverwaltung NRW zum Themenfeld Mutterschutz weisen wir hin.