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KomNet-Wissensdatenbank

Darf eine schwangere Zahnärztin Reihenuntersuchungen bei Kindern und Jugendlichen durchführen?

KomNet Dialog 2466

Stand: 24.03.2014

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Beschäftigungsverbote und -beschränkungen

Dialog
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Frage:

Darf eine im Gesundheitsamt angestellte Jugendzahnärztin während der Schwangerschaft Reihenuntersuchungen bei Kindern/Jugendlichen durchführen?

Antwort:

Regelungen zum Mutterschutz sind im Mutterschutzgesetz und in der Mutterschutzverordnung getroffen. Für Beamtinnen gelten spezielle Verordnungen, z.B. die  Verordnung über den Mutterschutz für Beamtinnen im Lande Nordrhein-Westfalen.

Erfahrungsgemäß sind schwangere Zahnärztinnen vielfältigen gesundheitlichen Risiken, insbesondere der Infektionsgefährdung gegenüber blutübertragenen Infektionskrankheiten wie. z. B. Hepatitis B und C sowie HIV ausgesetzt. Daher sind alle Tätigkeiten mit Verletzungsgefahr und Blutkontakt verboten. Bei Reihenuntersuchungen von Kindern und Jugendlichen ist die werdende Mutter zusätzlich einer erhöhten Infektionsgefährdung gegenüber den Erregern von Kinderkrankheiten ausgesetzt. Diese Kinderkrankheiten treten bei Kindern/Jugendlichen (je nach Altersgruppe) fast doppelt so häufig wie bei Erwachsenen auf. Die Krankheitserreger (sogenannte biologischer Arbeitsstoffe nach § 2 Biostoffverordnung) können bleibende Schäden sowohl bei der Mutter als auch bei dem Kind auslösen. Daher ist eine Weiterbeschäftigung der schwangeren Zahnärztin nur dann möglich:

  •  wenn die werdende Mutter am Arbeitsplatz keiner erhöhten Infektionsgefährdung gegenüber der Normalbevölkerung ausgesetzt ist. Die Infektionsgefährdung ergibt sich aus der Gefährdungbeurteilung, welche nach der Mutterschutzrichtlinienverordnung in Verbindung mit der Biostoffverordnung durchzuführen ist. In der Gefährdungsbeurteilung ist die Art der Tätigkeit, die Intensität des Körperkontaktes sowie Alter, Herkunft, Gesundheitszustand und Impfschutz der Kinder/Jugendlichen ( kann aus der Statistik der Schuleingangsuntersuchungen entnommen werden ) bzw. der Immunstatus der Schwangeren zu beurteilen .
  • Wenn eine sichere Immunität bei der werdenden Mutter gegenüber der u. g. Infektionskrankheiten besteht. Ein sicherer Immunschutz ist anzunehmen, wenn die anamnestische Angabe über erfolgten Impfungen oder durchgemachten Erkrankung anhand eines Impfpasses bzw. durch Bestimmung der spezifischen IgG-Antikörper im Blut bestätigt sind . Nur ein Arzt/eine Ärztin kann und darf dieses feststellen und bescheinigen. Die Immunitätslage ist gegenüber folgender Krankheitserregern zu klären.: Röteln Windpocken Masern Mumps Ringelröteln Zytomegalie Keuchhusten Hepatitis A Hepatitis B Beschäftigungsbeschränkungen bzw. Verbote: Bei fehlender oder nicht ausreichender Immunität gegenüber Röteln ist ein generelles Beschäftigungsverbot bis zur 20. SSW beim beruflichen Umgang mit Kindern/Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr auszusprechen. Genauso ist eine Weiterbeschäftigung der Schwangere ohne sicheren Immunschutz gegenüber Ringelröteln und Windpocken für die gesamte Schwangerschaft beim beruflichen Umgang mit Kindern/Jugendlichen bis zum 10. Lebensjahr untersagt. Sollte die Schwangere gegen Masern und Mumps empfänglich sein, dann darf sie während der gesamten Schwangerschaft keinen beruflichen Umgang mit Kindern bis zum Vorschulalter haben. Bei Ausbruch beider Erkrankungen in der Region (in den Einrichtungen) ist ein Beschäftigungsverbot auszusprechen .
Bei fehlender Immunität gegenüber Zytomegalie ist ein generelles Beschäftigungsverbot für die gesamte Schwangerschaft beim beruflichen Umgang mit Kindern bis zum vollendeten 3. Lebensjahr notwendig. Bei älteren Kindern kann die Beschäftigung unter Beachtung von hygienischen Maßnahmen, Meidung von engen Körperkontakten und Tragen von geeigneten Persönlichen Schutzausrüstungen (Handschuhe, Kittel bzw. Mundschutz....) erfolgen. Beim Auftreten von Keuchhusten, Scharlach, Hepatitis A und Influenza in der Einrichtungen ( Kindertagesstätten, Schulen...) oder in der Region soll ein befristetes Beschäftigungsverbot für nicht Immune ausgesprochen werden. Wegen Hepatitis B, C, HIV Gefahr sind alle Tätigkeiten mit Verletzungsgefahr und Blutkontakt verboten.

Bei fehlender oder nicht ausreichender Immunität gegenüber mehreren der o. g. Erkrankungen empfiehlt es sich, die werdende Mutter z. B. mit organisatorischen, administrativen, Kontroll- und/oder Überwachungstätigkeiten zu beschäftigen.
 
Weitere Informationen finden Sie im Arbeitsschutzportal NRWauf den Mutterschutzseiten:
http://www.arbeitsschutz.nrw.de/themenfelder/mutterschutz/index.php 
 
Hier finden Sie unter Praxishilfen auch ein Faltblatt zum Mutterschutz in Zahnarztpraxen:
http://www.arbeitsschutz.nrw.de/pdf/themenfelder/mutterschutz/Zahnarztpraxen_korr-neu.pdf