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KomNet-Wissensdatenbank

Darf eine schwangere Kinderkrankenschwester auf einer Frühgeborenenintensivstation beschäftigt werden?

KomNet Dialog 3306

Stand: 10.09.2014

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Beschäftigungsverbote und -beschränkungen

Dialog
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Frage:

Ich bin Kinderkrankenschwester auf einer Frühgeborenenintensivstation. Ich bin in der 6.Woche schwanger und habe dieses meinem Arbeitgeber mitgeteilt. Nun soll ich die Intensivstation verlassen, obwohl ich dieses nicht möchte. Das Argument der Pflegedirektion ist die Gefahr der Infektion, die meines Erachtens aber mindestens genauso hoch, wenn nicht höher auf jeder anderen Station ist. Des weiteren behauptet sie, es hätte früher einen höheren Krankenstand auf Intensivstationen bei Schwangeren gegeben. Meine Frage lautet also, ob ich eine Möglichkeit habe, auf meiner Station bleiben zu dürfen?

Antwort:

Bei der Beschäftigung einer werdenden Mutter muss der Arbeitgeber von sich aus die Vorschriften des Mutterschutzgesetzes - MuSchG und der Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz - MuSchArbV einhalten und die erforderlichen Maßnahmen treffen.

Der Arbeitgeber ist nach § 1 MuSchArbV verpflichtet, nach Bekanntgabe der Schwangerschaft eine erneute Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes zu erstellen. Dies bedeutet u.a., dass der Immunschutz für bestimmte Erkrankungen überprüft werden muss.

Ob Sie an ihrem Arbeitsplatz verbleiben können, ist daher von Ihrem Immunschutz abhängig. Einen sicheren Immunschutz kann nur eine Ärztin/ ein Arzt beurteilten und bescheinigen. Anamnestische Angaben gegenüber erfolgten Impfungen und stattgehabten Erkrankungen reichen nicht aus. Es müssen entweder in dem Impfpass dokumentierte Impfdosen (nach den Empfehlungen der STIKO zur Immunisierung) oder ein dokumentierter Antikörpernachweis (spezifische IgG) vorliegen. Diesbezüglich wenden Sie sich bitte an ihre Betriebsärztin /an ihren Betriebsarzt. Bei fehlendem Immunschutz muss Ihr Arbeitgeber die mutterschutzrechtlichen Beschäftigungsbeschränkungen beachten und Schutzmaßnahmen veranlassen. Umsetzungsmöglichkeiten sind zu prüfen. Wenn diese nicht möglich sind, soll ein generelles Beschäftigungsverbot ausgesprochen werden. Falls Sie immun gegenüber den unten aufgezählten Erkrankungen sind, dürfen Sie auf ihrem Arbeitsplatz verbleiben.


Folgende Erkrankungen sind zu berücksichtigen:

Röteln: bei fehlendem Immunschutz Beschäftigungsverbot bis zum Ende der 20 Schwangerschaftswoche (SSW)

Ringelröteln:keine Impfung möglich, ein generelles Beschäftigungsverbot für nichtimmune (seronegative) Schwangere soll ausgesprochen werden.

Zytomegalie:keine Impfung möglich, bei fehlendem Immunschutz ist ein Beschäftigungsverbot für den Umgang mit Kindern bis zum vollendeten 3. Lebensjahr auszusprechen, danach ist unter  Beachtung der erforderlichen Schutzmaßnahmen (Handschuhe, Freistellung vom Wickeln, keine Hilfestellung bei Toilettenbenutzung durch die Schwangere, Vermeidung jedes Kontaktes mit Urin und Speichel) eine Beschäftigung erlaubt

Windpocken: Beschäftigungsverbot für seronegative Schwangere für die gesamte Schwangerschaft

Masern: Beschäftigungsverbot für seronegative Schwangere für die gesamte Schwangerschaft

Mumps: Beschäftigungsverbot für seronegative Schwangere für die gesamte Schwangerschaft

Hepatitis B: Beschäftigungsverbot bei fehlendem Immunschutz und Tätigkeit in einer Einrichtung in einem Gebiet mit anzunehmender erhöhter Infektion der Bevölkerung (z.B. Kinder aus Familien bestimmter ausländischer Herkunft, Kinder aus sozial schwachen Familien z. B. Kinder von Drogensüchtigen...) oder auch bei bekannten Hepatitis B infizierten Kindern

Keuchhusten, Influenza, Scharlach, Hepatitis A:  Befristetes Beschäftigungsverbot beim Auftreten der Erkrankung bzw. einer Epidemie in der Region

Einzelheiten über die Beschäftigung von Schwangeren beim beruflichen Umgang mit Kindern können Sie der Broschüre  „Mutterschutz beim beruflichem Umgang mit Kindern" entnehmen.