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Darf eine Schwangere über mehrere Stunden alleine in einer Einzelhandelsfiliale arbeiten?

KomNet Dialog 5592

Stand: 02.09.2016

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Gefährdungen für werdende / stillende Mütter

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Frage:

Darf eine Schwangere über mehrere Stunden alleine in einer Einzelhandelsfiliale arbeiten?

Antwort:

Beschäftigt ein Arbeitgeber eine werdende Mutter, muss er zum Schutz der werdenden Mutter und des Kindes die im Mutterschutzgesetz - MuSchG und der Mutterschutzverordnung – MuSchArbV festgelegten Vorschriften einhalten.

Nach der MuSchArbV ist u.a. wesentliche Arbeitgeberpflicht, eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen und die werdende Mutter über das Ergebnis und die nötigen Maßnahmen zu informieren. Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung wird im Einzelhandel z.B. sein, dass der Arbeitgeber eine Sitzgelegenheit zum kurzen Ausruhen bereitstellt (§ 2 Abs. 2 MuSchG). 

Alleinarbeit ist auch bei Schwangerschaft nicht generell verboten. Eine werdende Mutter muss aber grundsätzlich ihren Arbeitsplatz jederzeit verlassen können, wenn dies aus gesundheitlichen Gründen notwendig ist. Es ist daher nicht möglich, eine werdende Mutter an einem Arbeitsplatz zu beschäftigen, der ständig besetzt sein muss, wenn nicht sichergestellt ist, dass jederzeit eine Ersatzkraft zur Verfügung steht, die die werdende Mutter umgehend ablösen kann. 

Im Einzelfall kann auch der behandelnde Arzt / die Ärztin entscheiden, ob auf Grund der Schwangerschaft ein individuelles Beschäftigungsverbot für Alleinarbeit auszusprechen ist. Ein solches Beschäftigungsverbot berücksichtigt den individuellen Gesundheitszustand der Schwangeren. Es ist im § 3 Abs 1 Mutterschutzgesetz verankert und kann nur von einer Ärztin / einem Arzt attestiert werden.

Folgende Voraussetzungen sind dabei zu beachten:
1. die Fortdauer der Beschäftigung ist für die Mutter oder das Kind gesundheitsgefährdend (die konkrete Arbeit oder der
Arbeitsplatz ist an sich nicht gesundheitsgefährdend).
2. Maßgeblich sind die individuellen Verhältnisse der Schwangeren, z. B. Konstitution, Gesundheitszustand.
3. Krankhafte Schwangerschaftsverläufe fallen nicht hierunter. Vielmehr handelt es sich um „gesunde“ Schwangere mit
besonders ausgeprägten Schwangerschaftsbeschwerden wie Übelkeit, Rückenschmerzen, aber auch eine Risikoschwangerschaft, Neigung zur Fehlgeburt, drohende Eklampsie.


Auf die Informationen im "Leitfaden zum Mutterschutz" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend weisen wir hin.