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KomNet-Wissensdatenbank

Ist bei einem Einsatz von Entlausungsmitteln in Kindertagesstätten ein Beschäftigungsverbot für werdende Mütter auszusprechen?

KomNet Dialog 11094

Stand: 20.06.2012

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Beschäftigungsverbote und -beschränkungen

Dialog
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Frage:

In den im Internet veröffentlichten Gefährdungsbeurteilungen nach dem Mutterschutzgesetz /MuSchRiV für Kindertagesstätten findet sich durchgängig die Frage, ob in den letzten drei Monaten Entlausungsmittel oder Entwesungsmittel in der Einrichtung eingesetzt worden sind, und dass bei Bejahung Maßnahmen (ggf. Beschäftigungsverbot) zu ergreifen sind. Nach meiner Recherche enthalten gängige Entlausungsmittel Pyrethrine, Permethrin oder Dimeticon (Silicinöl). Pyrethrine als auch Permethrin sind als gesundheitsschädlich beim Einatmen, Verschlucken und Berührung mit der Haut eingestuft. Ein Risiko der Fruchtschädigung braucht bei Einhaltung des AGW und des BGW nicht befürchtet zu werden. Dass bei einem aktuellen Einsatz von Entlausungsmitteln in der Einrichtung Maßnahmen für die werdende Mutter zu ergreifen sind, wenn nicht sichergestellt ist, dass der AGW eingehalten wird, ist klar. Aber mit welcher Begründung sind bei einem in der Vergangenheit liegenden Einsatz von Entlausungsmitteln (letzte drei Monate) Maßnahmen für die werdende Mutter zu ergreifen?

Antwort:

Leider geben Sie in Ihrer Frage keine Fundstelle an, in der die von ihnen angesprochenen Gefährdungsbeurteilungen eingesehen werden können. In den Checklisten zur Gefährdungsbeurteilung in Kindertageseinrichtungen - GUV SI 8459   wird diese Thematik explizit nicht angesprochen.

Die Mutterschutzarbeitsverordnung - MuSchArbV verbietet die Beschäftigung werdender oder stillender Mütter mit sehr giftigen, giftigen, gesundheitsschädlichen oder in sonstiger Weise den Menschen chronisch schädigenden Gefahrstoffen, wenn der Grenzwert überschritten wird. Generell verboten ist für werdende Mütter die Beschäftigung mit krebserzeugenden, fruchtschädigenden oder erbgutverändernden Gefahrstoffen.

V.g. Gefährlichkeitsmerkmale treffen aber auf handelsübliche Mittel zur Bekämpfung von Kopfläusen nicht zu.
Eine Aussage, dass bei Einsatz von Mitteln gegen Kopfläuse seitens das Arbeitgebers ein generelles Beschäftigungsverbot für die in der Einrichtung beschäftigten werdenden oder stillenden Mütter ausgesprochen werden muss, können wir nicht bestätigen.

Beim Ausbruch eines Kopflausbefalls in einer Einrichtung sollte aber der Arbeitgeber zusammen mit dem Betriebsarzt im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung klären bzw. bereits geklärt haben (§ 1 MuSchRiV), inwieweit die in der Einrichtung beschäftigten werdenden oder stillenden Mütter besonderes vor einem Befall geschützt werden können. Dieses hat auch den Hintergrund, dass nur eine eingeschränkte Anzahl von Mitteln  für werdende und stillende Mütter zur Bekämpfung von Kopflausbefall zur Verfügung stehen.

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt unter  http://www.rki.de/cln_162/nn_197444/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber__Kopflausbefall.html?__nnn=true: "Während der Schwangerschaft und in der Stillzeit, bei MCS-Syndrom (multiple Überempfindlichkeit gegen chemische Substanzen) und Chrysantemenallergie wird empfohlen, Kopfläuse rein mechanisch durch nasses Auskämmen mit dem Läusekamm zu entfernen."

Auf die weiteren Informationen unter www.rki.de/DE/Content/InfAZ/K/Kopflaus/Kopflaus.html weisen wir hin.