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KomNet-Wissensdatenbank

Besteht eine Gefährdung für werdende Mütter durch Stromschläge auf Grund elektrostatische Aufladung im Büro? Was kann man gegen elektrostatische Aufladung im Büro tun?

KomNet Dialog 5425

Stand: 04.04.2009

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Gefährdungen für werdende / stillende Mütter

Dialog
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Frage:

Seit langer Zeit (ein paar Jahre) bekomme ich im Büro ständig einen `Elektroschlag`. In trockenen Sommern oder in der Heizungszeit mind. 20x täglich. Das ist sehr nervig und tut manchmal auch ziemlich weh. Insbesondere jedes Mal, wenn ich das Fenster öffnen möchte, bekomme ich einen Schlag. Ich traue mich oft schon gar nicht, das Fenster zu öffnen, aber die Luft ist sonst so schlecht im Büro. Häufig bekomme ich allerdings auch einen `gewischt`, wenn ich den Druckertisch berühre oder wenn ich Leuten, die zu mir ins Büro komme, die Hand gebe. Andere Kollegen haben dieses Problem auch, allerdings nicht so schlimm wie ich. Das einzige, was in meinem Büro offensichtlich anders ist, ist mein Bürostuhl, den ich mir vor ein paar Jahren selbst gekauft habe. Allerdings hatte ich davor auch schon immer Probleme mit der elektrostatischen Entladungen in meinen Büros! Der Boden ist mit Linoleum ausgelegt, die Stuhlpolster sind mit Velours/Mikrofaser) überzogen. Egal welche Kleidung oder Schuhe ich anziehe, es ist immer das gleiche. Auch Schalen mit Wasser auf den Heizkörpern scheinen nicht wirklich zu helfen. Was kann ich tun? Hinzu kommt, dass ich in der 4. Woche schwanger bin und nun Angst habe, dass diese ständigen heftigen Schläge das Kind schädigen bzw. im Frühstadium zum Schwangerschaftsabbruch führen können. Kann ich eine Platte aus bestimmten Material unter den Schreibtischstuhl legen? Helfen besondere Schuhe, die Schlagintensität zumindest zu verringern, wenn sie die Schläge schon nicht verhindern können?? Oder kann man das Fenster irgendwie erden??? Wie kann man die Büroluft sinnvoll und nachhaltig befeuchten, denn die Luft ist trotz vielen Lüftens so trocken, dass meine Gesichtshaut tagsüber total austrocknet und ich mich ständig eincremen muss.

Antwort:

Elektrostatische Aufladung entsteht überall dort, wo zwei Objekte (hierzu zählt auch der Mensch) bzw. zwei isolierende Stoffe miteinander Kontakt haben. Überall wo synthetisches Material verarbeitet wurde, z.B. bei Bodenbelägen, Möbeloberflächen sowie der Bekleidung entsteht diese Aufladung. Durch Reibung z. B. Gehen auf dem Teppichboden, durch Rollen der Kunststoffrollen des Bürostuhls über den Nadelfilzboden entsteht die Ladung, die nicht abgeleitet werden kann.
Die Stärke der Ladung ist wiederum von der Raumluftfeuchte abhängig. Mit sinkender relativer Luftfeuchte steigt die elektrostatische Aufladung. Insbesondere in der kalten Jahreszeit tritt in unklimatisierten Räumen die elektrostatische Aufladung mehr auf als im Sommer. Die relative Luftfeuchte kann man mit Feuchtemessgeräten bestimmen. In der Regel ist eine relative Feuchte von 45 % - bis 50 % ausreichend, um eine elektrostatische Aufladung zu minimieren.
Beim Berühren geerdeter Geräte oder Gegenständen, wie z. B. der Türklinke, kommt es dann zur Entladung, die manchmal schmerzhaft ist. Die elektrostatische Aufladung kann mit einem elektrischen Feldstärkemessgerät bestimmt werden. Eine biologische Schädigung bzw. eine gesundheitliche Schädigung kann auch in der Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Erst wenn die Entladungsenergie mehr als 1.000 mJ beträgt, besteht eine unmittelbare Gefährdung (Herzkammerflimmern). Dies kommt aber bei Entladung von Personen auf geerdeten Bürogegenständen nicht vor. Siehe auch die Informationen im Anhang 1 Buchstabe D der BGR 132.
Am Arbeitsplatz tritt die elektrostatische Aufladung überwiegend an der Bildschirm-Vorderseite auf. Dies verursacht eine erhebliche Staubverfrachtung, was sich häufig in tränenden Augen oder "laufender" Nase äußert.

Abhilfe
Gerade in der Elektro- und Computerindustrie, im Gesundheitswesen sowie in explosionsgefährdeten Bereichen ist es besonders wichtig diese elektrostatische Aufladung zu unterbinden.
Abhilfe kann man mit spezieller Ausstattung der Arbeitsplätze schaffen. Leitfähige Arbeitsoberflächen und Bodenbeläge, speziellen Möbeln, leitfähige Bürostuhlrollen können diese Aufladung zur Erde ableiten (siehe auch die entsprechenden Dialoge der KomNet-Datenbank). Durch Tragen von entsprechender Kleidung (keine Seide, Schurwolle, Kunststoff ) und Schuhwerk (spezielle Schuhe oder Schuhe mit Ledersohlen) kann die Ladung abgeführt werden. Es gibt auch antistatische Armbänder, die Abhilfe schaffen können.
Durch Erhöhung der relativen Luftfeuchte im Büro bzw. im Gebäude mittels Luftbefeuchter. Insbesondere im Winter sollte die relative Luftfeuchte 45 % betragen.
Der Anhang der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) bestimmt in Ziffer 3.6 Abs. 1, dass in Arbeitsräumen ausreichend gesundheitlich zuträgliche Atemluft vorhanden sein muss. Gesundheitlich zuträglich ist Atemluft, wenn sie Außenluftqualität hat (Ziffer 2 der Arbeitsstättenrichtlinie ASR 5 Lüftung). Die Luftfeuchtigkeit der Außenluft beträgt, von Extremwetterlagen abgesehen, etwa zwischen 40% und 70%. Ihr Arbeitgeber muss deshalb in der vom Arbeitsschutzgesetz geforderten Gefährdungsbeurteilung prüfen und festlegen, wie eine entsprechende Luftfeuchtigkeit gewährleistet werden kann.
Direkte Hilfe bekommen sie von Ihrem Betriebsarzt oder Sicherheitsfachkraft. Sie bzw. Ihr Arbeitgeber können auch eine Beratung durch die zuständige Arbeitsschutzbehörde in Anspruch nehmen. Die Anschriften der regional zuständigen Behörde werden im Internet z.B. unter www.arbeitsschutz.nrw.de (Rubrik: "Arbeitsschutz in ...") angeboten.