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KomNet-Wissensdatenbank

Darf eine Schwangere Bodenreinigungsarbeiten ausführen?

KomNet Dialog 5183

Stand: 10.07.2014

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Beschäftigungsverbote und -beschränkungen

Dialog
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Frage:

Das Mutterschutzgesetz verbietet werdenden Müttern Arbeiten, bei denen sie erhöhten Unfallgefahren ausgesetzt sind. Insbesondere verboten sind Arbeiten mit der Gefahr auszugleiten, zu fallen oder abzustürzen. In unserem Krankenhaus wird noch in Eigenregie gereinigt, d.h. es wird Feuchtigkeit nebelfeucht auf den Boden aufgetragen. Bis jetzt gab es keinerlei Unfallgeschehen beim Reinigungspersonal. Darf eine Schwangere diese Reinigungstätigkeit weiter ausführen?

Antwort:

Die Tätigkeiten bei der Gebäudereinigung sind vielfältig. Ein Teil dieser Arbeiten wird aus mutterschutzrechtlicher Sicht allerdings als problematisch angesehen. Dies gilt besonders für die Beschäftigung Schwangerer in Bereichen Krankenhausreinigung und Arbeiten in der Bettenstation.

Neben Zeitdruck, Nachtarbeit und Arbeiten in beengten Verhältnissen mit anstrengender Körperhaltung kann u. a. die Einwirkung chemischer Gefahrstoffe, biologischer Arbeitsstoffe und physikalischer Schadfaktoren nicht sicher ausgeschlossen werden. Aus diesem Grund hat der Arbeitgeber die Arbeitsbedingungen rechtzeitig auf Gefährdungen hinsichtlich Art, Ausmaß und Dauer zu überprüfen und gegebenenfalls Schutzmaßnahmen durchzuführen.

Schutzmaßnahmen sind auch dann erforderlich, wenn von Schwangeren Zeit- und Arbeitsvorgaben gemäß einem Leistungsverzeichnis eingehalten werden müssen. Die Erledigung von Reinigungsarbeiten in einem im Voraus festgelegten Zeitrahmen berücksichtigt nicht den Umstand, dass die Leistungskraft im Verlauf einer Schwangerschaft nachlässt.

Folgende Tätigkeiten sind verboten: 

  • Tätigkeiten, bei denen Schwangere der schädigenden Einwirkung von chemischen und biologischen Gefahrstoffen, Strahlen, Staub, Hitze, Kälte, Nässe oder Lärm ausgesetzt sind.
  • Körperlich schwere Arbeiten, wie das Heben und Tragen von Lasten von mehr als 5 kg oder gelegentlich 10 kg Gewicht.
  • Arbeiten, die erhebliches Strecken, Beugen, dauerndes Hocken oder eine gebückte Haltung (Zwangshaltung) erfordern.
  • Arbeiten, die mit erhöhten Unfall- und Sturzgefahren verbunden sind.
  • Akkord- und Fließarbeiten.
  • Arbeitszeiten von täglich mehr als 8½ Stunden (für Frauen unter 18 Jahre gelten 8 Sunden Höchstarbeitszeit).
  • Nachtarbeit zwischen 20.00 Uhr und 06.00 Uhr sowie Sonn- und Feiertagsarbeit.
Bei der Bodenreinigung besteht die Gefahr, auf nassen glitschigen Böden auszurutschen oder auszugleiten. Von erhöhter Unfallgefahr spricht man, wenn besonders häufig mit schweren Unfällen zu rechnen ist. Bevor man werdende Mütter mit solchen Tätigkeit beschäftigt, ist zu prüfen, wie hoch die Unfallgefahr ist. Wenn die Böden mit rutschfesten Fliesen ausgestattet sind und die Schwangere auch geeignetes Schuhwerk trägt, kann man die Unfallgefahr minimieren. Außerdem hat der Arbeitgeber zu prüfen, ob andere Beschäftigungsverbote vorliegen, wie z.B. Heben und Tragen von Lasten (Eimer mit Wasser...) und ob die Schwangere Reinigungs- und Desinfektionsmittel verwendet, die bestimmte Gefahrstoffe enthalten. Für die Reinigungs- und Desinfektionsmittel sollten Sicherheitsdatenblätter vorliegen oder angefordert werden. Werdende Mütter dürfen überhaupt nicht krebserzeugenden, fruchtschädigenden und erbgutverändernden Stoffen ausgesetzt sein. Mit sehr giftigen, giftigen, gesundheitsschädlichen oder den Menschen in sonstiger Weise chronisch schädigenden Gefahrstoffen dürfen werdende oder stillende Mütter nur bei Unterschreitung des Grenzwertes beschäftigt werden.

Wer eine werdende oder stillende Mutter mit Arbeiten beschäftigt, bei denen sie ständig stehen oder gehen muss, hat für sie eine Sitzgelegenheit zum kurzen Ausruhen bereitzustellen (§ 2 Abs.2 Mutterschutzgesetz).