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KomNet-Wissensdatenbank

Welche Beschäftigungsverbote bestehen für eine werdende Mutter in einem Gartencenter?

KomNet Dialog 13766

Stand: 24.05.2011

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Beschäftigungsverbote und -beschränkungen

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Frage:

Ich bin jetzt in der 22. Woche schwanger und arbeite in einem Gartencenter als Vollzeitkraft. Ich arbeite den ganzen Tag mit pflanzen, erde und angrenzend an die Dünger und Pflanzenschutzabteilung, zudem ständiges Heben und Bücken. Das gartencenter ist ein reines Gewächshaus, d.h. dass die Temperaturen bei sonnigem Wetter schnell die 30 °C übersteigen. Weder durch meinen Arbeitgeber noch durch das Gewerbeaufsichtsamt wurde mein Arbeitsplatz überpfüft. Ist das rechtens?

Antwort:

Die Arbeitsschutzverwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen www.arbeitsschutz.nrw.de/Themenfelder/mutterschutz/index.php hat für verschiedene Branchen und Arbeitsbereiche Fachinformationen zum Mutterschutz herausgegeben, u.a. Mutterschutz in Gärtnereien www.arbeitsschutz.nrw.de/Themenfelder/mutterschutz/praxishilfen/index.php.

Ebenso bietet die Arbeitsschutzverwaltung Baden-Württemberg im Internet unter www.gaa.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/16406  ein Merkblatt zum Mutterschutz in Gärtnereien und Gartenbaubetrieben an.
 
Diesen Merkblättern ist zu entnehmen, dass in Gärtnereien  u.a. folgende mutterschutzrechtlichen Beschäftigungsverbote relevant sind:

- Verbot von schwerer körperlicher Arbeit und Arbeiten in Zwangshaltungen. Dazu zählen das regelmäßige Heben und Tragen per Hand von mehr als 5 kg Gewicht oder gelegentlich mehr als 10 kg Gewicht sowie häufiges erhebliches Strecken, Bücken, Beugen oder Hocken. Solche Körperhaltungen kommen bei Pflanz- und Erdarbeiten vor.

- Verbot von Arbeiten bei schädlichen Einwirkungen von Hitze, Kälte oder Nässe, wie z.B. bei länger andauernden Arbeiten im Freien oder in Gewächshäusern.
In Gewächshäusern kann es zu schädlichen Einwirkungen von Hitze kommen, wenn die nachstehend aufgeführten Temperaturen überschritten werden:

Luftfeuchtigkeit:             unter 60 %                         über 60 %
leichte Arbeiten:                30 °C                                28 °C
mittelschwere Arbeiten:      26 °C                                24 °C

- Bei der Bodenbearbeitung in Gewächshäusern können z. B. Aspergillus fumigatus - Sporen von 105 koloniebildenden Einheiten pro Kubikmeter Luft auftreten (Risikogruppe 2 gemäß Biostoffverordnung).
Beim Shreddern, Kompostieren bzw. Sieben von Kompost können Keimzahlen von 107 bis 1010 koloniebildende Einheiten pro Kubikmeter Luft auftreten. Die Keime gehören der Risikogruppe 1 und 2 an.
Bei der Champignon-Zucht wurden noch höhere Keimzahlen festgestellt, wobei zusätzlich Gram-negative Stäbchen gemessen wurden.
Aus diesem Grund ist die Beschäftigung werdender Mütter mit den o. g. Arbeiten in der Regel nicht möglich.

Jeder Arbeitgeber ist verpflichtet, den Arbeitsplatz und die Arbeitsbedingungen einer werdenden oder stillenden Mutter so zu gestalten, dass Leben und Gesundheit von Mutter und Kind durch die berufliche Tätigkeit nicht gefährdet werden.
Das bedeutet, dass der Arbeitgeber sofort nach Bekanntgabe der Schwangerschaft eine sorgfältige Beurteilung des Arbeitsplatzes und der Arbeitsbedingungen durchführen muss (Gefährdungsbeurteilung). Die Beurteilung erstreckt sich auf jede Tätigkeit, die die werdende oder stillende Mutter durchführt und beinhaltet Art, Ausmaß und Dauer der Gefährdung. Dabei soll sich der Arbeitgeber vom Betriebsarzt und der Fachkraft für Arbeitssicherheit beraten und unterstützen lassen.

Falls die Gefährdungsbeurteilung ergibt, dass die Sicherheit oder Gesundheit der werdenden oder stillenden Mutter oder des ungeborenen Kindes gefährdet ist, muss der Arbeitgeber geeignete Schutzmaßnahmen in folgender Rangfolge veranlassen:

1. Umgestaltung des Arbeitsplatzes
2. Arbeitsplatzwechsel
3. Freistellung wegen eines Beschäftigungsverbotes unter Fortzahlung des Entgeltes gemäß § 11 Mutterschutzgesetz

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die werdende oder stillende Mutter sowie die übrigen bei ihm beschäftigten Arbeitnehmerinnen über das Ergebnis der o.g. Gefährdungsbeurteilung und über zu ergreifende Schutzmaßnahmen zu unterrichten.