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KomNet-Wissensdatenbank

Darf ein gehörloser Mitarbeiter auf dem Betriebsgelände einen Gabelstapler fahren?

KomNet Dialog 4758

Stand: 07.12.2010

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Besondere Zielgruppen > Leistungsgewandelte Arbeitnehmer/innen, (Schwer-) Behinderung

Dialog
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Frage:

Kann bzw. darf ein gehörloser Mitarbeiter auf dem Betriebsgelände einen Gabelstapler fahren? Falls ja, welche Schutzmaßnahmen sind zu treffen? a. für den behinderten Kollegen und b. für das Umfeld

Antwort:

Die Unfallverhütungsvorschrift BGV D27 `Flurförderzeuge` macht konkrete Aussagen über Personen, die als Gabelstaplerfahrer eingesetzt werden dürfen:
Gabelstaplerfahrer müssen
- mindestens 18 Jahre alt sein,
- für diese Tätigkeit geeignet und ausgebildet sein und
- ihre Befähigung nachgewiesen haben.
Der Auftrag zur Benutzung des Gabelstaplers muss schriftlich erteilt werden.

In den berufsgenossenschaftlichen Grundsätzen - Ausbildung und Beauftragung der Fahrer von Flurförderzeugen mit Fahrersitz und Fahrerstand -, BGG 925,  werden Informationen zur Eignung von Beschäftigten ausgeführt. Zur  körperliche Eignung wird definiert:
"Sie wird zweckmäßigerweise durch eine ärztliche Untersuchung festgestellt. Insbesondere wird Wert gelegt auf ausreichende Sehschärfe, seitliches Gesichtsfeld, räumliches Sehen, Hörvermögen, Beweglichkeit der Gliedmaßen, gute Reaktionsfähigkeit; Zur Beurteilung der körperlichen Eignung gibt der Berufsgenossenschaftliche Grundsatz für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen G 25 "Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten" wichtige Anhaltspunkte."

Die Eignung zum Fahren eines Gabelstaplers kann vom ermächtigten Arzt nach den Berufsgenossenschaftlichen Grundsätzen für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen G25 `Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten` festgestellt werden (BGI 504-25 -Auswahlkriterien für die spezielle arbeitsmedizinische Vorsorge nach dem Berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G 25 `Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten`). Siehe dazu auch den Kommentar in der BGI 784  zu G 25 -Fahr- Steuer- und Überwachungstätigkeiten.

Dabei wird es aus arbeitsmedizinischer Sicht wahrscheinlich schwierig sein, die Eignung eines gehörlosen Mitarbeiters für die Tätigkeit auszusprechen. Eventuell kann bei engagierter Handhabung im Einzelfall (ggf. unter Einbeziehung des Integrationsfachdienstes) eine Lösung gefunden werden, die sowohl die Sicherheit des gehörlosen Menschen (z. B. Wahrnehmung nur von optischen - und nicht von akustischen - Warnsignalen) als auch die der anderen Beschäftigten sowie die sonstigen Belange des Betriebes angemessen berücksichtigt.