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Muss bei kontinuierlich produzierenden Anlagen der chemischen Industrie eine Elektrofachkraft rund um die Uhr anwesend sein?

KomNet Dialog 4618

Stand: 03.09.2014

Kategorie: Betriebliches Arbeitsschutzsystem > Beauftragte / Bestellte > Elektrofachkraft

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Frage:

Ich arbeite in einem Unternehmen der chemischen Industrie mit ca. 1.500 Beschäftigten. Produziert wird kontinuierlich. Eingesetzt bin ich als Elektrofachkraft im Schichtdienst. Im Schichtdienst ist immer nur ein Elektriker anwesend. Da man der Meinung ist, die Auslastung der Schichtelektriker sei zu gering, wurde eben das Personal von zwei Schichtelektrikern reduziert. Gibt es eine gesetzliche Auflage, die besagt, dass bei Unternehmen dieser Größenordnung und kontinuierlich arbeitenden Anlagen eine Elektrofachkraft rund um die Uhr anwesend sein muss? Darf diese Fachkraft alleinverantwortlich alle Arbeiten ausführen?

Antwort:

Nach § 3 Abs. 1 des Arbeitsschutzgesetzes -ArbSchG- (Grundpflichten des Arbeitgebers) ist der Arbeitgeber verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände zu treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen. Er hat die Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen und erforderlichenfalls sich ändernden Gegebenheiten anzupassen. Dabei hat er eine Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten anzustreben.

Entsprechend § 3 Abs. 2 ArbSchG hat er zur Planung und Durchführung der Maßnahmen nach Absatz 1 unter Berücksichtigung der Art der Tätigkeiten und der Zahl der Beschäftigten für eine geeignete Organisation zu sorgen und die erforderlichen Mittel bereitzustellen sowie Vorkehrungen zu treffen, dass die Maßnahmen erforderlichenfalls bei allen Tätigkeiten und eingebunden in die betrieblichen Führungsstrukturen beachtet werden und die Beschäftigten ihren Mitwirkungspflichten nachkommen können. Der Arbeitgeber kann demzufolge den Betrieb so regeln, dass für den Nachtbetrieb nur eine Elektrofachkraft eingesetzt wird.

§ 3 Abs. 1 der DGUV Vorschrift 3 (bisher:BGV A3) "Elektrische Anlagen und Betriebsmittel" bestimmt, dass elektrische Anlagen und Betriebsmittel nur von Elektrofachkräften oder unter deren Leitung und  Aufsicht errichtet, geändert und instandgehalten werden dürfen.

Grundlage für die Bestellung von Elektrofachkräften ist ebenfalls die DGUV Vorschrift 3.

Entsprechende betriebliche Organisationsempfehlungen zur Auswahl und zum Einsatz von Elektrofachkräften finden sie u.a. im Kapitel 6. der Leitlinie zur Beurteilung der Befähigung von Elektrofachkräften der Internationale Vereinigung für soziale Sicherheit - IVSS.