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Welche Kriterien gelten für die Erfüllung der arbeitstechnischen Voraussetzungen im Rahmen eines BU-Verfahrens gemäß BKV 2108?

KomNet Dialog 445

Stand:

Kategorie: Gesundheitsschutz > Berufskrankheit, Berufsunfähigkeit > Allgemeine Fragen / Verfahrensfragen

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Frage:

Welche Kriterien gelten für die Erfüllung der arbeitstechnischen Voraussetzungen im Rahmen eines BU-Verfahrens gemäß BKV 2108 für einen Rettungsassistenten? Nach meinem bisherigen Kenntnisstand scheinen die Berufsgenossenschaften hier sehr unterschiedliche Anforderungen zu stellen, oder gibt es mittlerweile einen allgemein anerkannten Konsens?

Antwort:

Tatsächlich gibt es branchenbezogen unterschiedliche Systeme nach denen beurteilt wird, ob eine Berufskrankheit gemäß der Ziffer 2108 der Anlage zur Berufskrankheiten-Verordnung vorliegt. Die Informationen über das jeweilige Verfahren sollten daher beim zuständigen Unfallversicherungsträger erfragt werden.
Unabhängig vom jeweiligen Berufsbild müssen die folgenden Bedingungen erfüllt sein, damit eine bandscheibenbedingte Erkrankung der Lendenwirbelsäule gemäß Ziffer 2108 anerkannt werden kann:

1. Es muß zur Unterlassung aller beruflichen Tätigkeiten kommen, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich sind oder sein können.

2. Eine mindestens 10-jährige Tätigkeit mit Heben oder Tragen schwerer Lasten oder Arbeit in extremer Rumpfbeugehaltung. Der Begriff "schwere Last" ist in dem Merkblatt für die ärztliche Untersuchung zur BK 2108 (Bundesarbeitsblatt -BArbBl-3/1999, S. 50 definiert: Lastgewichte, deren regelmäßiges Heben oder Tragen mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung bandscheibenbedingter Erkrankungen der Lendenwirbelsäule verbunden sind:

Frauen:
15-17 Jahre: 10 kg
18-39 Jahre: 15 kg
ab 40 Jahre: 10 kg

Männer:
15-17 Jahre: 15 kg
18-39 Jahre: 25 kg
ab 40 Jahre: 20 kg


Diese Werte gelten für Lastgewichte, die eng am Körper getragen werden. Bei weit vom Körper entfernt getragenen Gewichten, z.B. beim einhändigen Mauern von Steinen, können auch geringere Lastgewichte mit dem Risiko für die Entwicklung von bandscheibenbedingten Erkrankungen der Wirbelsäule verbunden sein.

3. Die Lasten müssen mit einer gewissen Regelmäßigkeit und Häufigkeit in der überwiegenden Zahl der Arbeitsschichten gehoben oder getragen werden.

4. Unter Arbeit in extremer Rumpfbeugehaltung sind Tätigkeiten in Arbeitsräumen zu verstehen, die niedriger als 100 cm sind, zum Beispiel im untertägigen Bergbau sowie Arbeiten mit einer Beugung des Oberkörpers aus der aufrechten Haltung um 90 Grad und mehr.

5. Differentialdiagnostisch müssen andere Krankheiten als Verursacher (nichtberuflicher Ätiologie) ausgeschlossen sein.

(Quelle: Zerlett, Die entschädigungspflichtigen Berufskrankheiten, ecomed. 1995)

Stand: 11.05.2001

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Aktueller Stand 25.10.2005

Bitte beachten Sie die geänderten Vorschriften!

Neuer Berufsgenossenschaftlicher Grundsatz G46 Belastungen des Muskel- und Skelettsystems

Siehe Teil 1          Siehe Teil 2       Siehe Teil 3

Mainz-Dortmunder-Dosismodell    Merkblatt zur BK Nr. 2108

zusätzlicher Literaturverweis  :  Auswahlkriterien nach G46 in ASU 10/2005

BKV Überarbeitung der Anmerkung zu BK Nr. 2108, Januar 2004 in die Berufskrankheitenverordnung/ Mehrtens Perlebach/ im Erich Schmidt-Verlag