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Was darf ich als schwangere Bäckereifachverkäuferin alles tun?

KomNet Dialog 24909

Stand: 01.09.2016

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Beschäftigungsverbote und -beschränkungen

Dialog
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Frage:

Was darf ich als schwangere Bäckerei Fachverkäuferin alles tun? - ab wann darf ich anfangen zu arbeiten? - darf ich alleine arbeiten? - darf ich am Ofen arbeiten? - wie schwer darf ich heben?

Antwort:

Bei einer Beschäftigung einer werdenden Mutter muss der Arbeitgeber von sich aus die Vorschriften des Mutterschutzgesetzes - MuSchG und der Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz - MuSchArbV einhalten und die erforderlichen Maßnahmen treffen. Insbesondere ist jeder Arbeitgeber verpflichtet, sofort nach Bekanntwerden der Schwangerschaft die zuständige Aufsichtsbehörde zu informieren (in Nordrhein-Westfalen sind die Dezernate 56 der Bezirksregierungen die zuständigen Aufsichtsbehörden) sowie den Arbeitsplatz und die Arbeitsbedingungen einer werdenden oder stillenden Mutter so zu gestalten, dass Leben und Gesundheit von Mutter und Kind durch die berufliche Tätigkeit nicht gefährdet werden.

Das bedeutet, dass der Arbeitgeber sofort nach Bekanntgabe der Schwangerschaft eine sorgfältige Beurteilung des Arbeitsplatzes und der Arbeitsbedingungen durchführen muss (MuSchG i.V.m. § 1 MuschArbV). Die Beurteilung erstreckt sich auf jede Tätigkeit, die die werdende Mutter durchführt und beinhaltet Art, Ausmaß und Dauer der Gefährdung. Hierbei wird er von der Sicherheitsfachkraft und der Betriebsärztin / dem Betriebsarzt unterstützt.

Falls die Arbeitsplatzbeurteilung ergibt, dass die Sicherheit oder Gesundheit der werdenden Mutter oder des ungeborenen Kindes gefährdet ist, muss der Arbeitgeber geeignete Schutzmaßnahmen in folgender Rangfolge veranlassen:
1. Umgestaltung der Arbeitsbedingungen und ggf. der Arbeitszeiten
2. Arbeitsplatzwechsel
3. Freistellung wegen eines Beschäftigungsverbotes unter Fortzahlung des Entgeltes gemäß § 11 MuSchG.

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die werdende Mutter über das Ergebnis der o. g. Arbeitsplatzbeurteilung und über zu ergreifende Schutzmaßnahmen zu unterrichten.

Das Land Baden-Württemberg hat ein Merkblatt zum Thema "Werdende Mütter an Bedientheken" herausgegeben. Die dort genannten Vorgaben können auch auf den Arbeitsplatz einer Bäckereifachverkäuferin übertragen werden.

Zu Ihren Einzelfragen:

1. Ab wann darf ich anfangen zu arbeiten?
Nach § 8 Abs.1 Mutterschutzgesetz dürfen werdende und stillende Mütter nicht in der Nacht zwischen 20 Uhr und 6 Uhr beschäftigt werden. Von diesem Verbot werden zwar im Absatz 3 Ausnahmen genannt, Bäckereien gehören hier aber nicht zu. Somit dürfen Sie ab 6 Uhr anfangen zu arbeiten.

2. Darf ich alleine arbeiten?
Eine werdende Mutter muss ihren Arbeitsplatz jederzeit verlassen können, wenn dies aus gesundheitlichen Gründen notwendig ist. Es ist daher nicht möglich, eine werdende Mutter an einem Arbeitsplatz zu beschäftigen, der ständig besetzt sein muss, wenn nicht sichergestellt ist, dass jederzeit eine Ersatzkraft zur Verfügung steht, die die werdende Mutter umgehend ablösen kann. (Zitat aus o.g. Merkblatt)

3. Darf ich am Ofen arbeiten?
Nach § 4 Abs. 1 MuSchG dürfen werdende Mütter nicht mit Arbeiten beschäftigt werden, bei denen sie schädlichen Einwirkungen von Hitze ausgesetzt sind. Die MuSchArbV führt als Schadfaktor in Anlage 1 A , Ziffer 3, Buchstabe f extreme  Hitze an.  Ob die Tätigkeit am Ofen unter ein Beschäftigungsverbot nach § 4 Abs. 1 MuSchG fällt, ist im Einzelfall unter Berücksichtigung der spezifischen Gegebenheiten im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu prüfen. Hierbei ist auch der Betriebsarzt zu Rate zu ziehen.

In Bezug auf die Raumtemperatur führt die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3.1"Raumtemperatur" unter Nr. 4.4 aus, dass Arbeiten bei über +26 °C bei Schwangeren zu einer Gesundheitsgefährdung führen können.

4. Wie schwer darf ich heben?
Nach § 4 Abs. 1 und 2 sowie § 6 Abs. 3 MuSchG dürfen werdende und stillende Mütter nicht mit schweren körperlichen Arbeiten und insbesondere nicht mit Arbeiten beschäftigt werden, bei denen regelmäßig (d. h. mehr als zwei- bis dreimal pro Stunde) Lasten von mehr als 5 kg Gewicht oder gelegentlich (weniger als zweimal pro Stunde) Lasten von mehr als 10 kg Gewicht ohne mechanische Hilfsmittel von Hand unter ergonomisch günstiger Haltung gehoben, bewegt oder befördert werden. Sollen größere Lasten mit mechanischen Hilfsmitteln gehoben, bewegt oder befördert werden, so darf auch durch die Bedienung dieser Hilfsmittel die körperliche Belastung der werdenden Mutter nicht größer als die dargestellte Belastung sein. (Zitat aus o.g. Merkblatt)


Zusätzlich möchten wir noch auf die Sonn- und Feiertagsarbeit eingehen. Hier sieht das Mutterschutzgesetz für einige Beschäftigungsbereiche Ausnahmen vom Verbot der Sonn- und Feiertagsarbeit vor. Die Ausnahmeregelungen sind in § 8 Abs.4 MuSchG genannt. Demnach dürfen in Gast- und Schankwirtschaften und im übrigen Beherbergungswesen werdende oder stillende Mütter an Sonn- und Feiertagen beschäftigt werden, wenn ihnen in jeder Woche einmal eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 24 Stunden im Anschluss an eine Nachtruhe gewährt wird.

Zu den Gast- und Schankwirtschaften zählen alle Betriebe, in denen Getränke und Speisen an Gäste verabreicht werden. Daraus folgt, dass in Café-Betrieben die Beschäftigung  an Sonntagen zulässig ist. Handelt es sich dagegen um den reinen Verkaufsbetrieb, ist Sonntagsarbeit für werdende Mütter nicht zulässig.