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Ist es erlaubt, Kabelkanäle auf asbesthaltigen Putz zu kleben?

KomNet Dialog 43771

Stand: 28.02.2023

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Verwendungsverbote > Asbest

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Frage:

Wir sind ein Elektrounternehmen und müssen Kabel in Räumen verlegen. Die Wände der Räume sind mit asbesthaltigen Putz beschichtet. Wir beabsichtigen, Kabelkanäle auf diesen asbesthaltigen Putz zu kleben und mit einem Nagel mittels Schussgerät zu fixieren. Ich habe sämtliche Vorschriften wie die Gefahrstoffverordnung, TGRS 519, Emissionsarme Verfahren usw., sowie das Internet durchsucht, habe jedoch keine Antwort gefunden. Daher meine Frage. Ist es erlaubt, Kabelkanäle auf asbesthaltigen Putz zu kleben? Einschlagen von Nägel ist laut der TRGS 519 erlaubt. Ist das Eintreiben eines Nagels in asbesthaltigen Putz auch mit einem Schussgerät erlaubt? Der Nagel soll anschließend in der Wand verbleiben. Allerdings habe ich auch nichts finden können, dass diese Arbeiten verboten sind.

Antwort:

Die Leitlinie zur Gefahrstoffverordnung LV45 des Länderausschusses für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik beinhaltet sog. Leitsätze zu den Beschränkungen der GefStoffV bezüglich Asbest. Unter I4.4 wird das Verbot der Überdeckung konkretisiert, welches sich laut GefStoffV nur auf Asbestzementprodukte bezieht. Dort ist u.a. Folgendes zu lesen:


"Asbesthaltige Putze, Estriche und Spachtelmassen sind keine AZ-Produkte und keine asbestzementhaltige Wandverkleidung. Sie sind zudem so fest mit dem Gebäude verbunden, dass ihr Abbruch ohne größere bauliche Maßnahmen unmöglich ist. (Das Überdeckungsverbot gilt hier nicht.) Zulässige überdeckende Tätigkeiten wie Tapezieren, Malen und Streichen zählen in der Regel zu den Instandhaltungsarbeiten."


Das Anbringen von Kabelkanälen auf einem asbesthaltigem Putz fällt daher nicht unter das Überdeckungsverbot.


Seit der Überarbeitung der TRGS 519 (Fassung vom 31.03.22) ist in Anlage 9 eine Exposition-Risiko-Matrix zu finden. Diese soll dem Arbeitgeber/der Arbeitgeberin eine Hilfestellung bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilung bei Tätigkeiten mit asbesthaltigen Putzen und Spachtelmassen sein. Dem Einschlagen und Ziehen von Nägeln in/aus Überflächen mit asbesthaltigen Putzen, Spachtelmassen oder Fliesenklebern wird dort ein niedriges Risiko zugeordnet. Das Einbringen von Nägeln mit einem Schussgerät würde mit Sicherheit mehr Fasern freisetzen, als es mit einem Hammer der Fall wäre. Auch wenn davon auszugehen ist, dass das Risiko ebenfalls als "gering" einzuschätzen ist, gilt das Minimierungsgebot. Daher sollten bei der Anbringung der Kabelkanäle so wenig Fasern wie möglich freigesetzt werden, um eine mögliche Gefährdung der Beschäftigten auszuschließen.