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Wie hoch und wie niedrig darf bei der Nutzung von Büroräumen (Einzel-, Doppel-, Großraum) die Luftfeuchtigkeit sein?

KomNet Dialog 43588

Stand: 12.03.2026

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Raumklima, Lüftung > Klimatische Anforderungen

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Frage:

Wie hoch und wie niedrig darf bei der Nutzung von Büroräumen (Einzel-, Doppel-, Großraum) die Luftfeuchtigkeit sein bzw. besteht ein Grenzwert, ab welcher ein Büroraum als solcher nicht mehr nutzbar ist?

Antwort:

In der DGUV-Information 215-520 "Klima im Büro - Antworten auf die häufigsten Fragen" finden sich in Abschnitt 2 Fragen zur Luftfeuchte. Insbesondere möchten wir folgende hervorheben:

"Frage 12: Wieso gibt es keine unteren Richtwerte für die Luftfeuchte?

In der ASR A3.6 „Lüftung“ wird festgestellt: „Üblicherweise braucht die Raumluft nicht befeuchtet zu werden. Für den Fall, dass Beschwerden auftreten, ist im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu prüfen, ob und ggf. welche Maßnahmen zu ergreifen sind.“ (siehe Frage 14)

Eine BAuA/IFA-Literaturstudie [1] kommt zu dem Schluss, dass sich aus wissenschaftlicher Sicht keine abgesicherte Datenbasis ableiten lässt, woraus geschlussfolgert werden kann, dass ab einer bestimmten Luftfeuchte die Gesundheit von Beschäftigten positiv beeinflusst wird (siehe Frage 13). Somit kann daraus auch kein unterer Richtwert für die relative Luftfeuchte in Räumen von Arbeitsstätten abgeleitet werden.

[...]

Frage 14: Was ist zu bedenken, wenn sich Beschäftigte über trockene Luft beschweren?

Klagen über ein unbehagliches Raumklima – auch über trockene Luft – können ganz unterschiedliche Ursachen haben. So werden Befindlichkeitsstörungen, die auf das Raumklima zurückgeführt werden, häufig durch Fehlbelastungen wegen einer unergonomischen Arbeitsplatzgestaltung oder einer unzureichenden Arbeitsorganisation ausgelöst. Aber auch bei Stoffbelastungen in der Raumluft (siehe Frage 30), die zu Irritationen der Schleimhäute führen, kann es zu Klagen von Beschäftigten über trockene Luft kommen. Es ist also bei Beschwerden der Beschäftigten notwendig, die Ursachen der Beschwerden zu eruieren. Dies ist über eine Gefährdungsbeurteilung festzuhalten und zu prüfen, ob und ggf. welche Maßnahmen zu ergreifen sind. Dabei sind auch relevante Vorerkrankungen der Beschäftigten (z. B. Neurodermitis) zu berücksichtigen.

Gegebenenfalls besteht ein erhöhter Flüssigkeitsbedarf, um die in die Luft abgegebene Feuchtigkeit zu ersetzen. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig für die Gesunderhaltung und das persönliche Wohlempfinden. Dadurch wird auch die natürliche Regulation der Schleimhautbefeuchtung unterstützt.

Befragungen von Beschäftigten haben gezeigt, dass sie sich umso zufriedener über das Raumklima äußern, je mehr sie es selbst beeinflussen können. Daher sollte bei der Planung eines Bürogebäudes eine freie Fensterlüftung, ggf. in Kombination mit einer technischen Lüftung, möglich sein (sog. hybride Lüftung). Allerdings ist auch in den Wintermonaten ein regelmäßiger Luftaustausch wichtig, auch wenn mit kalter Außenluft die Luftfeuchte im Raum sinkt und deswegen zu dieser Jahreszeit auch die Beschwerden von Beschäftigten über trockene Luft zunehmen können. 

[...]

Frage 16: Welche Werte sollte die Luftfeuchte im Büro nicht überschreiten?

Die ASR A3.5 „Raumtemperatur“ und die ASR A3.6 „Lüftung“ geben aus physiologischen Gründen max. zulässige relative Luftfeuchten in [%] an.

Die Wertepaare der Tabelle 3 werden auch „Schwüle grenze“ genannt. Unterhalb dieser Grenze kann sich der menschliche Körper z. B. durch Schwitzen (Verdunstungskühlung auf der Haut) gut auf das Raumklima einstellen. Bei sehr hoher Luftfeuchte oberhalb der Schwülegrenze und hoher Lufttemperatur kann die Wärmeabgabe durch Schweißverdunstung so stark erschwert sein, dass es bei längeren Aufenthalten zu einem Wärmestau und Kreislaufbeschwerden führen kann.

Bei allen Wertepaaren entspricht dabei die absolute Luftfeuchte ca. 11,5 g Wasser pro kg trockener Luft. Da die Aufnahmefähigkeit von Wasser mit steigender Temperatur zunimmt, sinken die Werte für die relative Luftfeuchte mit steigender Temperatur trotz gleichbleibender absoluter Luftfeuchte.

Im Sommer ist eine hohe Luftfeuchte in Verbindung mit einer hohen Lufttemperatur für die Beschäftigten belastend (Schwüle; z. B. 48 % relative Luftfeuchte bei 28 °C). Die Beschäftigten schwitzen, jedoch kann der Schweiß wegen der hohen Luftfeuchte nicht so gut verdunsten. Deshalb kühlt der Körper nicht genügend ab. Das Raumklima wird als unbehaglich empfunden.

Im Winter kann sich bei hoher Luftfeuchte (z. B. 60 % relative Luftfeuchte bei 24 °C Lufttemperatur) Feuchtigkeit an kalten Flächen (schlecht gedämmte Stellen an z. B. Wänden, Decke, Fußboden) ansammeln. An bestimmten kalten Oberflächen, z. B. Fenster, Fliesen, kann sich Kondenswasser bilden. Dort können sich, insbesondere im Fugenbereich, Schimmelpilze und Bakterien ansiedeln, die einen unangenehmen Geruch erzeugen und gesundheitliche Gefährdungen verursachen können. Außerdem können Feuchteschäden am Gebäude auftreten.

"


Hinweis:

Auf die FBVW-501 „Niedrige Luftfeuchte am Arbeitsplatz“ des Sachgebiets "Innenraumklima" der DGUV möchten wir ebenso hinweisen, wie auf das Portal „Luftbefeuchtung“ der BG ETEM.