Inhaltsbereich

KomNet-Wissensdatenbank

Müssen für Schaltschränke einer unvollständigen Maschine separate Konformtitäserklärungen nach Niederspannungs- und EMV-Richtlinie erstellen werden?

KomNet Dialog 43496

Stand: 29.03.2021

Kategorie: Sichere Produkte > Inverkehrbringen und Kennzeichnung > Inverkehrbringen

Favorit

Frage:

Wir sind Hersteller von Automatisierungsanlagen. Dabei wird meistens ein Roboter eingesetzt, der von einem Schutzzaun oder einer Kabine umgeben ist. Je nachdem wie die Beauftragung aussieht, stellen wir in Fall 1 eine komplette Anlage inkl. Einhausung und Sicherheitstechnik her oder in Fall 2 ein Generalunternehmer stellt den Schutzzaun und die Sicherheitstechnik. In Fall 1 erstellen wir für die Anlage eine Konformitätserklärung nach Maschinenrichtlinie und bringen die CE-Kennzeichnung an. In Fall 2 erstellen wir lediglich eine Einbauerklärung, da wir für die Sicherheit nicht garantieren können und diese der GU umsetzen muss. Ist diese Herangehensweise richtig? Außerdem sind in unseren Anlagen immer Schaltschränke verbaut, die wir selbst herstellen. Müssen wir in Fall 2 für diese Schaltschränke der unvollständigen Maschine separate Konformtitäserklärungen nach Niederspannungs- und EMV-Richtlinie erstellen und im Schaltschrank eine CE-Kennzeichnung anbringen?

Antwort:

Die in der Frage beschriebenen Herangehensweisen entsprechen den Vorgaben der Maschinenrichtlinie (Verordnung 2006/42/EG).


An einer unvollständigen Maschine darf nach Machinenrichtlinie keine CE-Kennzeichnung angebracht werden. Dennoch muss der Hersteller eine Bewertung nach Maschinenrichtlinie vornehmen, die speziellen technischen Unterlagen für die Behörde bereithalten und neben der Einbauerklärung dem Kunden auch die Montageanleitung nach Anhang VI Maschinenrichtlinie mit der unvollständigen Maschine übergeben.


Wird ein Schaltschrank als Bestandteil der Maschine oder der unvollständigen Maschine gemeinsam mit der Maschine oder der unvollständigen Maschine erstmalig in den Verkehr gebracht, ist Ziffer 1.5.1 Anhang I Maschinenrichtlinie zu beachten. Darunter wird Folgendes vorgeschrieben:

 

"Eine mit elektrischer Energie versorgte Maschine muss so konstruiert, gebaut und ausgerüstet sein, dass alle

von Elektrizität ausgehenden Gefährdungen vermieden werden oder vermieden werden können. 

Die Schutzziele der Richtlinie 73/23/EWG (Anmerkung: Nachfolgerin der 73/23/EWG ist die aktuelle Niederspannungsrichtlinie 2014/35/EU) gelten für Maschinen. In Bezug auf die Gefährdungen, die von elektrischem Strom ausgehen,  werden die Verpflichtungen betreffend die Konformitätsbewertung und das Inverkehrbringen und/oder die Inbetriebnahme von Maschinen jedoch ausschließlich durch die vorliegende Richtlinie (Anmerkung: Maschinenrichtlinie) geregelt."

 

Demnach ist die Ausstellung einer EU-Konformitätserklärung nach Niederspannungsrichtlinie für den o. g. Fall nicht zulässig. Wobei der Hersteller der unvollständigen Maschine in der Einbauerklärung angeben muss, welche grundlegenden Anforderungen der Maschinenrichtlinie bei der unvollständigen Maschine zur Anwendung kommen und eingehalten werden. Dazu kann auch die Ziffer 1.5.1. gehören.

 

Dies gilt jedoch nicht für andere Rechtsvorschriften, die eine CE-Kennzeichnung vorschreiben. Im Falle der zutreffenden Geltung der EMV-Richtlinie für die unvollständige Maschine, sind die dort vorgeschriebenen Formalitäten einzuhalten. Dazu gehört gegebenenfalls auch die Anbringung der CE-Kennzeichnung. Weitere gegebenenfalls zu beachtende Richtlinien sind z. B. die RoHS-Richtlinie und die ATEX Richtlinie.