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Was darf ich als schwangere Zahnarzthelferin noch machen?

KomNet Dialog 20845

Stand: 08.04.2014

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Beschäftigungsverbote und -beschränkungen

Dialog
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Frage:

Ich bin Zahnarzthelferin und in der 6. Woche schwanger. Mein Schwerpunkt liegt in der Stuhlassistenz. Ich möchte gerne wissen, was ich genau noch tun darf und mit welchen Stoffen/Mitteln (z.B. Desinfektionstüchern mikrozid af lösung) ich noch arbeiten darf? Aus den Sicherheitsdatenblättern werde ich nicht schlau und auf den Produckten kann ich auch keine Angaben zur Schwangerschaft finden! Mit scharfen, spitzen, schneidenden Gegenständen darf ich nicht arbeiten... heißt das auch, ich darf nach der Behandlung nicht aufräumen? Darf ich den Thermodesinfektor ausräumen? Ich trage Mundschutz, Schutzbrille und Handschuhe! Wie lange darf ich diese tragen? Ist das schlecht für mein Baby?

Antwort:

Bei einer Beschäftigung einer werdenden Mutter muss der Arbeitgeber von sich aus die Vorschriften des Mutterschutzgesetzes - MuSchG und der Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz - MuSchArbV einhalten und die erforderlichen Maßnahmen treffen. Insbesondere ist jeder Arbeitgeber verpflichtet, sofort nach Bekanntwerden der Schwangerschaft die zuständige Aufsichtsbehörde zu informieren (in Nordrhein-Westfalen sind die Dezernate 56 der Bezirksregierungen die zuständigen Aufsichtsbehörden) sowie den Arbeitsplatz und die Arbeitsbedingungen einer werdenden oder stillenden Mutter so zu gestalten, dass Leben und Gesundheit von Mutter und Kind durch die berufliche Tätigkeit nicht gefährdet werden.

Das bedeutet, dass der Arbeitgeber sofort nach Bekanntgabe der Schwangerschaft eine sorgfältige Beurteilung des Arbeitsplatzes und der Arbeitsbedingungen durchführen muss (MuSchG i.V.m. § 1 MuschArbV). Die Beurteilung erstreckt sich auf jede Tätigkeit, die die werdende Mutter durchführt und beinhaltet Art, Ausmaß und Dauer der Gefährdung.

Falls die Arbeitsplatzbeurteilung ergibt, dass die Sicherheit oder Gesundheit der werdenden Mutter oder des ungeborenen Kindes gefährdet ist, muss der Arbeitgeber geeignete Schutzmaßnahmen in folgender Rangfolge veranlassen:
1. Umgestaltung des Arbeitsplatzes
2. Arbeitsplatzwechsel
3. Freistellung wegen eines Beschäftigungsverbotes unter Fortzahlung des Entgeltes gemäß § 11 MuSchG.

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die werdende Mutter über das Ergebnis der o. g. Arbeitsplatzbeurteilung und über zu ergreifende Schutzmaßnahmen zu unterrichten. 

Schwangere Zahnarzthelferinnen sind erfahrungsgemäß vielfältigen gesundheitlichen Risiken bei ihrer Tätigkeit ausgesetzt. Eine ist die Infektionsgefährdung gegenüber Tuberkulose, Hepatitis B, C und HIV. Da sich Hepatitis B, C und HIV durch Blut überträgt, sind alle Tätigkeiten mit gleichzeitiger Verletzungsgefahr und Blutkontakt, insbesondere bei der Stuhlassistenz, verboten. Beim Umgang mit stehenden, schneidenden, rotierenden Arbeitsmitteln versagt die Schutzwirkung der Handschuhe. Andere Sicherheitsmaßnahmen wie die Schutzimpfungen sind auch nicht ausreichend. Zurzeit gibt es nur gegen Hepatitis B eine wirksame Impfung. Gegen Hepatitis C und HIV kann man nicht impfen. Da es keine wirksamen Schutzmaßnahmen für die Tätigkeiten mit Verletzungsgefahr gibt, sind diese nach § 4 Mutterschutzgesetz in Verbindung mit § 5 Mutterschutzverordnung für Schwangere verboten. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, diese gesetzlichen Beschäftigungsverbote und -beschränkungen umzusetzen. Auch wenn sich die Schwangere bereit erklärt, diese Tätigkeiten durchzuführen, entbindet dies den Arbeitgeber nicht von seiner Pflicht die Beschäftigungsverbote einzuhalten.

Eine mögliche Alternative für eine Weiterbeschäftigung gibt es in ausgewählten Bereichen in der Kinderzahnprophylaxe, wie z. B. das Versiegeln und Fluoridieren der Kauflächen bei strikter Anwendung von persönlichen Schutzausrüstung (Atemschutz, flüssigkeitsdichte Handschuhe, Kittel ...) und bei Vorliegen einer sicheren Immunität gegenüber Röteln, Windpocken, Masern, Mumps, Ringelröteln, Zytomegalie, Keuchhusten, Hepatitis A und B.

Bei fehlender oder nicht ausreichender Immunität gegenüber den o. g. Erkrankungen empfiehlt sich, die werdende Mutter z. B. mit organisatorischen, administrativen, Kontroll- und/oder Überwachungstätigkeiten zu beschäftigen. Wenn dieses nicht möglich oder durchführbar ist, dann ist die Schwangere vom Dienst freizustellen.

Weitere Informationen finden Sie auf den Mutterschutzseiten des Arbeitsschutzportals NRW unter http://www.arbeitsschutz.nrw.de/themenfelder/mutterschutz/index.php erhältlich. Dort ist unter "Praxishilfen" auch ein Faltblatt zum Mutterschutz in Zahnarztpraxen eingestellt.