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Welche Schutzmaßnahmen müssen im OP getroffen werden, wenn viel und über längere Zeit durchleuchtet wird?

KomNet Dialog 28667

Stand: 08.03.2017

Kategorie: Physikalische Belastungen und Beanspruchungen > Ionisierende Strahlung > Röntgeneinrichtungen, Störstrahler

Dialog
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Frage:

Welche Schutzmaßnahmen müssen im OP getroffen werden, wenn viel und über längere Zeit durchleuchtet wird? Ich bin Arbeitsmedizinerin und betreue ein Krankenhaus, wo im OP sehr viel und längere Zeit durchleuchtet wird. In der Angio gibt es einen Schutzschild über dem Tisch und eine Schürze unter dem Tisch. Brillen werden dort nicht getragen. Nun ist es im OP nicht wirklich möglich, dieses feste Schutzschild anzubringen, ebenso wenig die Schürze am Tisch. Welche Möglichkeiten gibt es?

Antwort:

Auch hier gilt die Rangfolge der Schutzmaßnahmen, die sich in technischen, organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen darstellen; Vergleiche § 15 Abs. 1 und § 21 Abs. 1 Röntgenverordnung (RöV).
Neben den baulichen Voraussetzungen (Röntgenraum) sind die technischen Schutzvorkehrungen des Durchleuchtungsgerätes zwingend und vorrangig anzuwenden.

Bei Durchleuchtungen zur Durchführungen von Angiographien oder kardiologischen Eingriffen sind im Idealfall sog. Angiographieeinrichtungen zu verwenden. Diese besitzen neben besonderen elektronischen Bildverstärkern und automatischer Dosisleistungsregelung auch technische Dauerschutzeinrichtungen, wie in Ihrer Frage teilweise angesprochen:
Untertischschutz (fest, klapp- oder schwenkbar), Schutzvorhang vor dem Patienten und klappbare Schutzschilder oberhalb des Tisches, die den Operateur bestmöglich abschirmen. Im Regelfall wird durch die Untertischanordnung (Röhre von unten) ein besserer Strahlenschutz, als Röhre von oben, gewährleistet. Da dann aber die Dosis auf Grund des Abstandquadratgesetzes unter dem Tisch höher ist und auch Streustrahlung oder Reflexionen im unteren Bereich auftreten, ist der Untertischschutz bzw. Unterkörperschutz am Durchleuchtungsgerät äußerst wichtig. Wichtig sind zudem auch lange Strahlenschutzschürzen oder -kittel mit entsprechendem Bleigleichwert.

Weitere Schutzmaßnahmen können sein: Bewegliche Schutzwände oder Schutzscheiben (Bleiacrylscheiben), die auf einem Stativ vor den Patienten positioniert werden; oder auch durch Schwenkarme von der Decke eingerichtet werden.
Diese helfen dem Operateur, schnell und flexibel zu arbeiten und trotzdem einen Schutz gegenüber der Streustrahlung aufzubauen.
Ein weiteres Hilfsmittel sind Patientenabdeckungen mit entsprechendem Bleigleichwert, die Streustrahlung und Durchlassstrahlung gegenüber dem dort tätigen Personal abschirmen.

Das OP-Personal sollte neben der persönlichen Schutzausrüstung, wie Strahlenschutzschürze, Schilddrüsenschutz und Bleiglasbrille oder Schutzschild, wenn möglich auch OP-Handschuhe mit Strahlenschutzmaterial verwenden. Darüber hinaus ist ein Personendosimeter (unter der Schutzschürze) erforderlich. Empfohlen werden ein Teilkörperdosimeter an der Hand (Fingerringdosimeter) und am Kopf (z. B. an Schutzbrille) sowie ein direkt ablesbares Dosimeter am Körper.

Als sehr gute Strahlenschutzmaßnahme haben sich auch die sog. Dosiswächter im OP gezeigt (Personal Dose Meter). Hierbei handelt es sich um ein System von direkt ablesbaren Dosimetern, die jede Person im Kontrollbereich an exponierter Stelle (oberhalb der Schutzkleidung) trägt. An einem Monitor wird die Dosisleistung und akkumulierte Dosis in Echtzeit graphisch anzeigt. Dies ermöglicht dem OP-Personal während der Durchleuchtung einen weniger strahlenexponierten Bereich aufzusuchen (Zurücktreten vom Tisch) bzw. die Handhabung in der Nähe der Strahlung zu optimieren.

Neben den oben beschriebenen Schutzmaßnahmen sind natürlich auch die individuellen Operationstechniken entscheidend, sowie die Einstellungen am Gerät und die Länge der Durchleuchtungszeiten. Hier lassen sich Optimierungen durch gemeinsames Training und Schulung des Operationsteams schaffen.

Zur Optimierung der persönlichen Schutzausrüstung hinsichtlich Schutzwirkung und Tragekomfort sollte mit entsprechenden Herstellern oder Vertriebsgesellschaften ein Beratungstermin "Vor Ort" vereinbart werden. KomNet liegen keine Kenntnisse über den Tragekomfort unterschiedlicher Schutzkittel vor. Um den Rücken zu entlasten, könnte ggf. ein zweigeteilter Schutz, bestehend aus Rock und Schutzweste, verwendet werden.