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Welche Schutzmassnahmen gibt es gegen die momentan stark vorkommenden Raupen des Eichenprozessionsspinners?

KomNet Dialog 2535

Stand:

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Gesundheitsschutz > Epidemie, Pandemie

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Frage:

Welche Schutzmassnahmen gibt es gegen die momentan stark vorkommenden Raupen des Eichenprozessionsspinners?

Antwort:

Der Eichenprozessionsspinner kommt in lichten Eichenwäldern, am Waldrand oder an einzeln stehenden Eichen vor. Die Anfang Mai schlüpfenden Raupen fressen Blätter. Sie sind 2,5 - 4 cm groß und leben in geselligen Verbänden. Mitte Juni ziehen sich ältere Raupen tagsüber und zur Häutung in typische, mit Kot und alten Larvenhäuten gefüllte Gespinstnester am Stamm oder in Astgabeln zurück. Diese Nester können bis zu einem Meter lang werden. Von dort aus begeben sich die Raupen in langen Ketten auf Nahrungssuche, wobei 20 bis 30 Tiere nebeneinander wandern können, diese "Prozession" erreicht eine Länge von bis zu 10 m. Die Verpuppung erfolgt Ende Juni/Anfang Juli im Gespinstnest. Nach 3-5 Wochen schlüpft der unscheinbare graue Nachtfalter. Nach trockenen Sommern und milden Wintern kann es zur Massenvermehrung kommen. Ältere Raupen haben sehr feine Brennhaare, die leicht abbrechen und mit dem Wind bis zu 200 m weit getragen werden. Auch in den Gespinstnestern finden sich große Mengen an Gifthaaren. Die Haare sind sehr lange haltbar und reichern sich über mehrere Jahre in Unterholz und Bodenbewuchs an. Die hohlen Haare enthalten ein stabiles Eiweiß, das auf der Haut oder Schleimhaut allergische und/oder toxische Reaktionen hervorruft.
Unmittelbar nach dem Kontakt entwickelt sich ein fast unerträglicher Juckreiz, dem ein Hautausschlag folgt. Die Raupendermatitis kann sich in drei verschiedenen klinischen Erscheinungsbildern zeigen: Kontakturtikaria (Quaddeln), toxisch irritative Dermatitis (Hautentzündung) oder anhaltende Papeln (Knötchen). Schwindelgefühl und Fieber sind nicht selten. Augen und Atemtrakt können ebenfalls betroffen sein; es kann zu allergischen Reaktionen mit Asthma-Anfällen kommen, eine Schockreaktion ist sehr selten. Aufgrund der langen Haltbarkeit der Brennhaare sind auch außerhalb der Larven- und Puppenperiode Krankheitserscheinungen möglich.

Wichtigste Gefährdungen sind der Kontakt mit windgetragenen Gifthaaren und der
"Giftpfeilhagel" beim Passieren befallener Bäume. Beruflich betroffen sind Beschäftigte in der Land- und Forstwirtschaft, Arbeitskräfte von Landschaftspflegebetrieben und Straßenmeistereien, Beschäftigte in Freizeiteinrichtungen wie Campingplätzen oder Schwimmbädern, Feuerwehren etc.

Folgende Schutzmaßnahmen sind zu empfehlen:
- Betroffene über die Gefährdung informieren.
- Befallene Gebiete während der Raupen- und Puppenperiode meiden; Garten, Holz- und sonstige Pflegearbeiten möglichst verschieben.
- Raupen und Gespinstnester unter keinen Umständen berühren, jeglichen Haut- und Augenkontakt vermeiden.
- Raupen nicht mit Wasser von den Bäumen spritzen, sie würden nur im größeren Umkreis verteilt.

Für Einsatzpersonal bei Bekämpfungsmaßnahmen (Arbeiten am und unter dem befallenen Baum, Abflammen, Versiegeln der Nester mit anschließender Entfernung und Verbrennung) werden folgende Schutzmaßnahmen empfohlen (Quelle: Merkblatt des Kreisfeuerwehrverbandes Erlangen-Höchstatt):
- Einsatzpersonal auf die Gefährdung aufmerksam machen.
- Einwegoveralls und Atemfiltergeräte anlegen,
- Arm- und Beinabschlüsse mit Klebeband verschließen,
- ebenso die Atemschutzmaske sichern.
(Der Einsatz von Chemikalienschutzanzügen mit umluftunabhängigem Atemschutz hat sich in der Praxis wegen der Unbeweglichkeit und der geringen Einsatzzeiten nach Ansicht der Feuerwehr nicht bewährt).
- Augenschutz.
- Dekontaminationsplatz einrichten. Um eine Gefährdung der Einsatzkräfte und von Helfern beim Auskleiden zu vermeiden, wie bei einem Chemieschutz- und Biogefährdungseinsatz vorgehen.
- Nach dem Einsatz Einwegoveralls in Plastiksäcke stecken und verbrennen.
- Ausgiebig duschen und Haare waschen.
- Alle Geräte (auch Leitern, Hebebühnen etc.) mit viel Wasser reinigen, dabei soll das Wasser im Kanalnetz entsorgt werden, kein Versickern an der Oberfläche.

Nach Kontakt bzw. Kontamination:
- Sofort die Kleider wechseln, getragene Kleidung gründlich waschen
- Ausgiebig duschen und Haare waschen, zumindest aber gründlich mit Wasser abspülen
- Augen mit viel Wasser spülen, ggf. Augenspülflasche benutzen.
- Bei Beschwerden Arzt aufsuchen, diesen über den Raupenkontakt informieren.
- Bei schweren allergischen Reaktionen mit Asthma und Atemnot Rettungsdienst mit Notarzt verständigen.