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KomNet-Wissensdatenbank

Darf eine Privatperson Asbestschiefer abreißen?

KomNet Dialog 22837

Stand: 05.01.2015

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Verwendungsverbote > Asbest

Dialog
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Frage:

Darf eine Privatperson Asbestschiefer abreißen? Ich bin gelernter Dachdecker und seit drei Jahren in einer Zimmerei tätig. Wen ja, welche Anträge muss ich einreichen? Bei wem?

Antwort:

Der Umgang mit Asbest ist verboten. Das gilt auch für Privatpersonen. Die einzige Ausnahme von diesem Verbot sind die ASI-Arbeiten gemäß TRGS 519 und die fachgerechte Entsorgung. Asbest gehört zu den 10 weltweit am stärksten krebserregenden Stoffen; Arbeiten damit werden entsprechend streng überwacht. An asbestverursachten Krankheiten sterben z. Zt. jährlich ca. 1.400 bis 1.500 (ehemals) damit Beschäftigte. Bußgelder können bis zu € 5.000, in schwerwiegenden Fällen bis € 25.000, betragen, sofern die Ursache nicht als Straftat an die Staatsanwaltschaft abzugeben ist.

Mit diesen Asbestarbeiten Befasste benötigen als persönliche Voraussetzung
- die Sachkunde (mitarbeitende nicht sachkundige Beschäftigte können nach Unterweisung mitarbeiten, sofern auch sie die anderen persönlichen Voraussetzungen haben),
- Personenschutz gemäß TRGS 519 (geeigneter Atem- und Körperschutz),
- die Vorsorgeuntersuchungen nach G 1.2 und G 26 II.
Der Sachkundige Aufsichtsführende hat während der Arbeiten (Faserfreisetzung) anwesend zu sein. Die Verantwortung liegt beim Arbeitgeber, Unternehmer ohne Beschäftigte sind diesen gleichgestellt.

Der Arbeitgeber oder dessen Beauftragter hat mindestens 7 Tage vor Arbeitsbeginn eine Anzeige an die zuständige Behörde zu erstatten. Dieser Anzeige müssen die Gefährdungsbeurteilung und die Betriebsanweisung beiliegen, der Verbleib des Abfalls ist aufzuführen (siehe die Formulare der TRGS 519 Anlage 1). Die zuständige Behörde ist die Arbeitsschutzbehörde (je nach Bundesland Gewerbeaufsicht, Staatliches Amt für Arbeitsschutz, Bezirksregierung etc.). Die örtliche Baubehörde ist im Fall von Asbestfunden nicht zuständig.

Die Sachkunde wird erworben ausschließlich durch Teilnahme an einem Lehrgang mit erfolgreich bestandener staatlicher Prüfung. Die Lehrgänge sind definiert für umfangreiche Arbeiten, Arbeiten geringen Umfangs oder Arbeiten geringer Exposition an fest oder schwach gebundenen Asbestprodukten bzw. deren Kombination. Für alle Arbeiten an Asbestprodukten, die nicht aus Asbestzement bestehen, muss eine Zulassung durch die zuständige Behörde erfolgen, die erst nach Nachweis der personellen (zwei Sachkundige) und sicherheitstechnischen Erfordernisse erteilt wird. Für Arbeiten ausschließlich mit Asbestzement wird nur ein Sachkundiger gefordert.

Die Tatsache der Selbstständigkeit oder die Eigenschaft als Privater der an den Asbest-Arbeiten Beteiligten ist unerheblich.

Asbestsanierer sind Spezialisten und nicht an "jeder Straßenecke" zu finden. I. d. R. ist die Vergabe der Arbeiten an Spezialunternehmen kostengünstiger als der persönliche und finanzielle Aufwand der Eigenarbeit, vom Risiko ganz abgesehen. Sie sollten sich ggf. die Sachkunde nachweisen lassen.