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In einem Krematorium werden die Verstorbenen vor der Verbrennung noch ein letztes Mal von einem Arzt begutachtet. Welche PSA ist vom Arzt bei dieser Tätigkeit zu benutzen. Insbesondere welche Art Atemschutz?

KomNet Dialog 19576

Stand: 16.10.2013

Kategorie: Belastungen durch Biostoffe > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Biostoffen > Persönliche Schutzmaßnahmen (6.)

Dialog
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Frage:

In einem Krematorium werden die Verstorbenen vor der Verbrennung noch ein letztes Mal von einem Arzt begutachtet. Zu diesem Zweck wird die Leiche vor dem Arzt aufgerichtet. Dabei entweicht häufiger noch Luft aus der Körperhöhle, auch können Flüssigkeiten austreten (aus der Mundhöhle oder aus Blasen am Körper). Welche PSA ist vom Arzt bei dieser Tätigkeit zu benutzen. Insbesondere welche Art Atemschutz?

Antwort:

Die zu treffenden Schutzmaßnahmen sind im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung festzulegen - in dem von Ihnen beschriebenen Fall auf der Grundlage der Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit Biologischen Arbeitsstoffen (BioStoffV). Um in diesem Rahmen das erforerliche Schutzniveau zu ermitteln, ist die vorliegende Schutzstufe zu ermitteln. Hierzu empfehlen wir für die Tätigkeiten im Krematorium die umfangreichen Informationen und Hilfestellungen der kostenlosten Broschüre "Gefährdung bei Tätigkeiten im Umgang mit Leichen / Gewebeproben (z. B. Pathologie, Rechtsmedizin)" des Arbeitskreises „Bio- und Gentechnik“ der Arbeitsschutzverwaltung NRW anzuwenden bzw. die zutreffenden Aspekte zu übertragen.

zu Gefährdungen:
"(...)
Beschäftigte, die Umgang mit Leichen haben, lassen sich in zwei Gruppen unterteilen, die in unterschiedlichem Maße exponiert sein dürften, da sie sich in der Wahrscheinlichkeit, mit der
-infektiöse Leichen und infektiöse biologische Materialien auftreten,
-die Beschäftigten Kontakt zu potentiell infektiösen Körperflüssigkeiten, insbesondere Blut und Hirnflüssigkeit haben,
-die Beschäftigten Tätigkeiten mit erhöhtem Verletzungs- und Infektionsrisiko durchführen, unterscheiden.

Zur ersten Gruppe gehören Beschäftigte, die Umgang mit Verstorbenen haben, jedoch keine Sektionen oder histologisch-pathologischen Untersuchungen vornehmen. Hierzu können Ärzte, Krankenschwestern, Helfer in der Krankenpflege sowie Beschäftigte in Bestattungsunternehmen zählen.

Insgesamt dürfte das Infektionsrisiko in dieser Beschäftigungsgruppe nicht signifikant über das Infektionsrisiko hinausgehen, das im Gesundheitswesen beim Umgang mit lebenden Patienten besteht (s. hierzu ABAS-Beschluss4). Dies schließt ein erhöhtes Risiko für bestimmte Beschäftigte innerhalb dieser Gruppe, die z.B. überdurchschnittlich häufig mit Leichen umgehen, die speziellen Problemgruppen angehören (z. B. Drogensüchtigen, Opfern von Straftaten), oder die durch Verwesung, Tierfraß, Unfall oder erheblichen Verletzungen stark verändert sind, nicht aus.

Ein gegenüber der ersten Gruppe der Beschäftigten deutlich erhöhtes Infektionsrisiko weisen Beschäftigte auf, die an der Sektion bzw. Konservierung von Leichen sowie histologischpathologischen Untersuchungen von Probenmaterial beteiligt sind.
(...)"

Schutzmaßnahmen:
(...)
Da aber Erregerhäufigkeit, Infektiosität und Übertragungsmodus noch nicht bekannt sind, bestehen generell Schwierigkeiten, angemessene Schutzmaßnahmen für die besonders exponierten Beschäftigten in der Pathologie zu ergreifen. Ein derartiges aktuelles Problem sind beispielsweise durch Prionen verursachte Krankheiten (z.B. neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit - vCJK) oder slow-virus-Erkrankungen.
(...)
"

Nachdem das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung vorliegt, unterstützen die Technischen Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA) bei der konkreten Auswahl der Schutzmaßnahmen. Dabei sollte insbesondere die Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe 250 "Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege" als Hilfestellung genutzt werden (siehe nachfolgender Auszug).

"Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten der Schutzstufe 2

Werden Patienten mit Verdacht auf eine Erkrankung durch luftübertragbare Erreger der Risikogruppe 2 und höher behandelt, hat der Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ein betriebsbezogenes Konzept zum Schutz der Beschäftigten vor luftübertragbaren Infektionen festzulegen. Hierfür sind gegebenenfalls folgende Angebote bzw. Maßnahmen zu berücksichtigen:
Bei impfpräventablen Erregern vorrangig das Angebot der Schutzimpfung (z. B. zur saisonalen Influenza, siehe hierzu Nr. 9.4).  Bereitstellung eines Mund-Nasen-Schutz-Produktes (MNS), das mindestens die wesentlichen Kriterien einer FFP1-Maske (Filterdurchlass, Gesamtleckage und Atemwiderstand) nach DIN EN 149 erfüllt. (Hinweis: Nicht alle MNS-Produkte erfüllen diese Kriterien [Dreller, S.; Jatzwauk, L.; Nassauer, A. et al., 2006]).

Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten der Schutzstufe 3


4.3.4 Zusätzlich zu den übrigen persönlichen Schutzausrüstungen sind den Beschäftigten im Fall der Möglichkeit einer aerogenen Übertragung von biologischen Arbeitsstoffen der Risikogruppe 3 als Atemschutzgeräte mindestens partikelfiltrierende Halbmasken FFP2 zur Verfügung zu stellen. Bei der Benutzung ist auf den korrekten Dichtsitz der Halbmaske zu achten. Auf die Problematik des korrekten Dichtsitzes bei Bartträgern wird hingewiesen. 4.3.5 Falls eine aerogene Übertragung von Viren der Risikogruppe 3 nicht ausgeschlossen werden kann, sind partikelfiltrierende Halbmasken FFP3 erforderlich. Dies kann z. B. bei der Behandlung von an Tropenkrankheiten erkrankten Patienten der Fall sein.
"