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KomNet-Wissensdatenbank

Was können wir tun, wenn der Arbeitgeber auf Beschwerden wegen unzumutbarer Sommertemperaturen am Arbeitsplatz nicht eingeht?

KomNet Dialog 1925

Stand: 20.02.2015

Kategorie: Betriebliches Arbeitsschutzsystem > Arbeitnehmerbeteiligung > Rechte von Beschäftigten, Handlungsmöglichkeiten

Dialog
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Frage:

Wir sind eine Einrichtung mit rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wir kommen morgens ins Büro und haben dort schon über 30 °C. Wir kämpfen mit gesundheitlichen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Blutdruckabfall etc. Leider interessiert sich unser Arbeitgeber überhaupt nicht dafür und vernachlässigt seine Fürsorgepflicht. Wir bekommen weder Hitzefrei noch werden die Arbeitszeiten verändert oder technische Maßnahmen veranlasst, vom Arbeitgeber werden keine Getränke bereitgestellt. Können Sie uns sagen, was wir dagegen unternehmen können?

Antwort:

Anforderungen an Raumtemperaturen in Arbeitsräumen werden in der Arbeitsstättenverordnung -ArbStättV- beschrieben. Die erforderlichen Maßnahmen sind unter § 3 (1) ArbStättV, dem Anhang zur ArbStättV (Ziffer 3.5) und den dazu erlassenen Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) beschrieben:

In Arbeitsräumen muss während der Arbeitszeit eine unter Berücksichtigung der Arbeitsverfahren und der körperlichen Beanspruchung der Arbeitnehmer gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur vorhanden sein. Die zugehörige ASR A 3.5  konkretisiert diese Anforderungen: Grundsätzlich soll die Lufttemperatur in Arbeits- und Sozialräumen +26 °C nicht überschreiten. Bei hochsommerlichen Außenlufttemperaturen sieht die ASR A 3.5 ein gestuftes Maßnahmenkonzept vor. Darin werden bei Überschreitung der Lufttemperaturen im Arbeitsraum von +26 °C, +30 °C bzw. +35 °C technische, organisatorische und personbezogene Maßnahmen genannt.

Ein Schutz gegen unmittelbare Sonneneinstrahlung wird in Ziff. 3.5 (2) des Anhangs zur ArbStättV gefordert. Fenster und Oberlichter müssen so beschaffen oder mit Einrichtungen versehen sein, dass die Räume gegen übermäßige Sonneneinstrahlung abgeschirmt werden können.
In jedem Fall hat der Arbeitgeber nach dem Arbeitsschutzgesetz -ArbSchG- in Verbindung mit der ArbStättV- durch eine Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu ergreifen sind, damit u. a. erträgliche klimatische Bedingungen am Arbeitsplatz sichergestellt werden können. Dies sollte in Zusammenarbeit mit der
Sicherheitsfachkraft und/oder dem Betriebsarzt erfolgen.

Ein geeignetes Forum Probleme des Arbeitsschutzes anzusprechen ist der Arbeitsschutzausschuss. Die Arbeitnehmer können gegenüber den Mitgliedern des Arbeitsschutzausschusses (Arbeitgebervertreter, Personal-/Betriebsrat/Mitarbeitervertretung, Betriebsarzt, Sicherheitsfachkraft, Sicherheitsbeauftragte) anregen, das Thema „Raumklima/Temperaturen“ in einer kurzfristig anberaumten Arbeitsschutzausschuss zu erörtern und das Ergebnis nachfragen.

Gemäß § 17 des Arbeitsschutzgesetzes sind die Beschäftigten berechtigt, dem Arbeitgeber Vorschläge zu allen Fragen der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit zu machen. Sind Beschäftigte auf Grund konkreter Anhaltspunkte der Auffassung, dass die vom Arbeitgeber getroffenen Maßnahmen und bereitgestellten Mittel nicht ausreichen, um die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Arbeit zu gewährleisten, und hilft der Arbeitgeber darauf gerichteten Beschwerden von Beschäftigten nicht ab, können sich diese an die zuständige Arbeitsschutzbehörde (in NRW sind dies die Arbeitsschutzdezernate der Bezirksregierungen und in Hamburg das Amt für Arbeitsschutz) wenden. Hierdurch dürfen den Beschäftigten keine Nachteile entstehen.  

Weitergehende Informationen sowie Empfehlungen für heiße Sommertage in Arbeitsstätten finden sich bei der BAuA.