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Wann ist eine Vorsorgeuntersuchung beim Tragen von Handschuhen erforderlich?

KomNet Dialog 14743

Stand: 14.10.2011

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen > Persönliche Schutzmaßnahmen (5.)

Dialog
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Frage:

Ist bei Gemischen, die mit R 21 oder R 38 gekennzeichnet sind und die Mitarbeiter zum Schutz geeignete Chemikalienschutzhandschuhe während der Anwendung tragen, trotzdem generell eine Vorsorgeuntersuchung nach G 24 (Pflichtuntersuchung) notwendig oder richtet sich die Vorsorgeuntersuchung nach der Tragezeit der Handschuhe (Tragezeit: 2 bis 4 Stunden = Angebotsuntersuchung; 4 Stunden und mehr = Pflichtuntersuchung)?

Antwort:

Nach der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) vom 18. Dezember 2008 sind vom Arbeitgeber arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen als Pflichtuntersuchungen zu veranlassen bzw. Angebotsuntersuchungen zu unterbreiten.

Pflichtuntersuchungen bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen sind unabhängig von der Frage ob persönliche Schutzausrüstung (PSA) getragen wird durchzuführen, wenn Arbeitsplatzgrenzwerte, der aufgelisteten Stoffe in Teil 1 Absatz 1 Nr.1 Anhang zur ArbmedVV nicht eingehalten werden, oder eine Gesundheitsgefahr durch direkten Hautkontakt besteht. In Teil 1 Absatz 1 Nr. 2 Anhang zur ArbmedVV sind weitere Pflichtuntersuchungen bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen aufgeführt, u.a. auch Feuchtarbeit.
Pflichtuntersuchungen sind z.B. notwendig bei Feuchtarbeit von regelmäßig vier Stunden oder mehr je Tag (Teil 1 Abs. 1 Nr. 2 a Anhang ArbmedVV). Eine Feuchtarbeit von regelmäßig mehr als zwei Stunden je Tag, aber weniger als vier, bedingt eine Angebotsuntersuchung (Teil 1 Absatz 2 Nr. 2 e Anhang der ArbmedVV).

Angebotsuntersuchung sind anzubieten bei den o. g. Tätigkeiten mit Gefahrstoffen (Teil 1 Absatz 1 Nr.1), wenn eine Exposition besteht, unabhängig vom Arbeitsplatzgrenzwert. Näheres soll die Gefährdungsbeurteilung regeln, an der der Betriebsarzt mitwirken sollte (siehe Teil 1 Absatz 2 Nr. 3 Anhang der ArbmedVV).

Hinweis: Nach Ziffer 6.4.2 der TRGS 401 "Gefährdung durch Hautkontakt - Ermittlung, Beurteilung, Maßnahmen" dürfen Schutzhandschuhe nicht länger als erforderlich getragen werden.
"(2) Bei flüssigkeitsdichten Handschuhen ist ein geeigneter Wechsel von Tätigkeiten mit und ohne Handschuhe anzustreben, da es bei längerem Tragen flüssigkeitsdichte Handschuhe durch Schweißbildung zu einer Schädigung der Haut kommen kann (Feuchtarbeit). Die Häufigkeit des Handschuhwechsels ist im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung festzulegen. Empfohlen wird mindestens stündlicher Handschuhwechsel oder das Tragen von Unterziehhandschuhen aus Baumwolle. Die erforderliche Anzahl von Schutzhandschuhen sowie die Zeiten für einen Handschuhwechsel sind bei der Arbeitsorganisation zu beachten.

(3) Das Tragen von flüssigkeitsdichten Handschuhen ohne Wechsel über mehr als vier Stunden pro Tag ist als belastend im Sinne von § 7 Abs. 5 GefStoffV anzusehen und darf nicht als ständige Maßnahme zugelassen werden und darf technische und organisatorische Maßnahmen nicht ersetzen."

Alle berufsgenossenschaftlichen Grundsätze für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen aus den Bereich der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) haben einen empfehlenden Charakter. Sie stellen Hinweise für den beauftragten Arzt dar und entsprechen den allgemein anerkannten Regeln der Arbeitsmedizin.
Zur Anpassung an die ArbMedVV werden die BGI 504ff daher -sofern noch nicht erfolgt- zukünftig als Handlungsanleitung für die arbeitsmedizinische Vorsorge formuliert.

Eine zwingende Pflicht arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen anzubieten oder durchzuführen ergibt sich nur aus der ArbmedVV. Hierfür sind die Kriterien im Anhang der ArbmedVV (wie oben ausgeführt)ausschlaggebend. Das Merkmal des Risikosatzes R 21 "Gesundheitsschädlich bei Berührung mit der Haut" oder R 38 "Reizt die Haut" wird mit hoher Wahrscheinlichkeit bei den im Anhang ArbmedVV genannten Gefahrstoffen eine Pflicht- oder Angebotsuntersuchung auslösen, aber als einziges Kriterium ist dies nicht ausreichend. Die Stoffe müssen im Anhang aufgelistet sein und/oder hautresorptiv. Hautresorptiv sind Stoffe, die aufgrund ihrer physikalisch-chemischen Eigenschaften über die Haut aufgenommen werden können. Folgende R-Sätze weisen auf eine entsprechende Eigenschaft hin: R 21 (Gesundheitsschädlich bei Berührung mit der Haut), R 24 (Giftig bei Berührung mit der Haut), R 27 (Sehr giftig bei Berührung mit der Haut), sowie alle Kombinationen mit diesen R-Sätzen. Anlage 2 zu TRGS 401 nennt hautresorptive Stoffe (nicht abschließend).

D. h. die Entscheidung, ob eine Vorsorgeuntersuchung zu veranlassen bzw. anzubieten ist, kann nur in Abhängigkeit von der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung vor Ort und somit bezogen auf den Einzelfall getroffen werden.
Folgende Tätigkeiten mit den gelisteten Gefahrstoffen führen z. B. zu hohen Expositionen und können so arbeitsmedizinsche Vorsorgeuntersuchungen auslösen:
- Offener Umgang mit z. B. Toluol und/oder Xylol bzw. zusammen mit anderen Lösungsmitteln in der Metallentfettung und Oberflächenreinigung
- Abbruch-, Sanierungs- oder Instandsetzungsarbeiten in Produktions- und Abfüllanlagen
- Arbeiten in kontaminierten Bereichen
- Verarbeitung von Zubereitungen in räumlich beengten Verhältnissen oder bei ungünstiger Belüftung.
- Reinigen von Lagertanks für Xylole
- Parkettversiegelung
- Auftragen von Beschichtungen im Spritzverfahren, Beschichten in Behältern
- Korrosionsschutzarbeiten (Spritzauftrag in umschlossenen Räumen) usw.

Die Tragzeitgrenzen von 2 oder 4 Stunde pro Tag bezieht sich auf die Tätigkeit Feuchtarbeit. Dies sind Tätigkeiten, bei denen die Beschäftigten einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit Arbeiten im feuchten Milieu ausführen oder flüssigkeitsdichte Handschuhe tragen oder häufig oder intensiv ihre Hände reinigen.

Letztlich kann der Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung weitere Kriterien zur Durchführung einer arbeitsmedizinschen Vorsorge in seinem Betrieb festlegen bzw. anbieten. Hierzu werden oft berufsgenosseschaftliche Grundsätze G Nr. ... gewählt, die keine Entsprechnung in der ArbmedVV haben (z. B. die "Handlungsanleitung für die arbeitsmedizinische Vorsorge nach dem Berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G 25 - "Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten". Diese dürfen aber nicht den Bestimmungen der ArbmedVV zuwieder handeln und keine Willkür darstellen.

Weiterführende Informationen: DGUV-Informationen zur Arbeitsmedizinische Vorsorge