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KomNet-Wissensdatenbank

Ist es erlaubt, eine Flüssiggasanlage in einen naturwissenschaftlichen Unterrichtsraum unter Erdgleiche zu betreiben?

KomNet Dialog 14052

Stand: 11.07.2011

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen > Allgemeine Schutzmaßnahmen (5.)

Dialog
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Frage:

Meine Frage bezieht sich auf einen naturwissenschafltichen Unterrichtsraum, der sich unter Erdgleiche befindet. Ist es erlaubt, eine Flüssiggasanlage in einen naturwissenschaftlichen Unterrichtsraum unter Erdgleiche zu betreiben? Die Lagerung der Gasflasche erfolgt in einem Metallschrank, der im Freien ca. 1 m neben einem Fernster des Unterrichtsraumes aufgestellt ist. Die Fenster des Unterrichtsraumes haben eine Brüstungshöhe von ca. 1 m. Vor den Fenstern ist das Erdreich bis zur Höhe des Außengeländes geböscht. Meine Recherchen haben bisher nur Hinweise zur Lagerung von Druckgasbehältern ergeben. Zur eigentlichen Verbrauchsanlage habe ich leider keine Hinweise gefunden, aus denen hervorgeht, dass eine derartige Einrichtung unter Erdgleiche betrieben werden darf. Regelungen der TRG 280 sind diesbezüglich auch nicht eindeutig, da hier immer der Druckgasbehälter angesprochen wird.

Antwort:

Nach Abschnitt I-5.3 der Sicherheitsregeln für Schulen - RISU-NRW gelten Hinsichtlich Aufstellung, Installation und Betrieb von Flüssiggasanlagen die Bestimmungen der UVV "Verwendung von Flüssiggas" (GUV-V D34 bisher GUV 9.7).

"I - 5.3.2 Druckgasbehälter
Druckgasbehälter mit brennbaren Flüssiggasen sind stehend aufzubewahren und für die Entnahme aus der gasförmigen Phase stehend anzuschließen. Sie müssen so aufgestellt werden, dass eine Temperatur von 40°C nicht überschritten wird und sie gegen mechanische Beschädigungen geschützt sind.

Zur Versorgung von Verbrauchseinrichtungen darf pro Unterrichtsraum ein Druckgasbehälter bis zu einem zulässigen Füllgewicht von 14 kg aufgestellt sein. Die Flüssiggasflasche ist in einem verschließbaren Schrank aufzustellen, der den Luftaustausch mit der Raumluft erlaubt, z. B. durch unversperrbare Öffnungen in Bodennähe (freier Querschnitt mindestens 100 cm²).

I - 5.3.3
Druckgasbehälter mit brennbaren Flüssiggasen dürfen nicht in Räumen unter Erdgleiche aufbewahrt werden. Dies gilt auch für Druckgaskartuschen."

Zu beachten ist, dass zur Vermeidung einer gefährlichen Ansammlung von Gasen, die schwerer als Luft oder verflüssigt sind, sich keine Gruben, Kanäle oder Abflüsse zu Kanälen ohne Flüssigkeitsverschluss sowie keine Kellerzugänge oder sonstige offene Verbindungen zu Kellerräumen im bzw. am Lager (Lager - bzw. Bereitstellungort der Druckgasbehälter) befinden dürfen. Ferner dürfen sich dort auch keine Reinigungs- oder andere Öffnungen von Schornsteinen befinden. (Ziffer 10.2 der TRGS 510 "Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern"). 
Ein belüfteter Metallschrank zur Lagerung und Bereitstellung von Flüssiggasflaschen, der sich ein Meter neben dem erforderlichen Fenster zum Unterrichtsraum befindet, ist nach unserer Auffassung zu nahe. Im Falle einer Undichtigkeit kann das Flüssiggas durch das geöffnete Fenster in den Unterrichtsraum dringen. Unter Berücksichtigung des Geländeprofils und der vorherrschenden Windrichtung ist der Schutzabstand ausreichend zu vergrößern.

Der Betrieb eines Unterrichtsraumes mit Gasversorgung unter Erdgleiche ist dann möglich, wenn auch die Festlegungen des § 31 "Aufstellung von ortsfesten Verbrauchsanlagen in Räumen unter Erdgleiche" der GUV-D 34 "Verwendung von Flüssiggas" eingehalten werden. Weitere aktuelle Anforderungen sind der Seite "Sichere Schule - Gasinstallation" der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen zu entnehmen.

Weitere Informationen liefert das Regelwerk der Unfallversicherungsträger (Berufsgenossenschaft/Unfallkasse).