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Darf eine schwangere Krankenschwester in einer Notfallambulanz beschäftigt werden?

KomNet Dialog 12429

Stand: 18.06.2012

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Beschäftigungsverbote und -beschränkungen

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Frage:

Ich arbeite als Krankenschwester in der Notfallambulanz. Müsste ich im Falle einer Schwangerschaft auf eine periphere Station versetzt werden, oder darf ich meine Tätigkeit weiter in der Ambulanz fortführen? Ich möchte dort gar nicht da weg. Ich finde, auf Station ist die Belastung, z.B. durch Patientenversorgung, viel höher als in der Ambulanz. Infektionsgefahr besteht überall. Muss ich von der Ambulanz weg?

Antwort:

Eine werdende Mutter darf auf Grund der sich aus dem Mutterschutzgesetz - MuSchG und der Mutterschutzrichtlinienverordnung - MuSchRiV www.arbeitsschutz.nrw.de/Service/rechtsvorschriften/index.php ergebenen Beschäftigungsverbote in einer Notfallambulanz nur noch sehr eingeschränkt beschäftigt werden.

Eine Beschäftigung von Schwangeren mit Tätigkeiten, bei denen sie im Notfall unter Verstoß gegen die Beschäftigungsbeschränkungen Hilfe leisten müssen (wie z.B. in einer Notfallambulanz), ist nicht zulässig.

• Verboten sind schwere körperliche Arbeiten und Arbeiten in Zwangshaltung. Dazu zählen das regelmäßige Heben und Tragen von Lasten per Hand (mehr als 5 kg) oder gelegentlich (mehr als 10 kg) wie z.B.: Heben von Patienten

• Nicht beschäftigt werden dürfen werdende oder stillende Mütter mit Stoffen, Zubereitungen oder Erzeugnissen, die erfahrungsgemäß Krankheitserreger übertragen können, wenn sie den Krankheitserregern ausgesetzt sind.
Krankheitserreger können - möglicherweise noch unerkannt - vorhanden sein in z. B: Blut und Blutprodukten.
Bei bestimmungsgemäßem Umgang mit diesen Stoffen oder damit benetzten Instrumenten, Geräten oder Oberflächen kann die werdende Mutter dann weiter beschäftigt werden, wenn ausreichende Schutzmaßnahmen getroffen wurden. Als ausreichende Schutzmaßnahme gelten z. B. die Arbeit mit geschlossenen Systemen, geeignete Schutzhandschuhe, Schutzbrillen usw.
Den Arbeitnehmerinnen sind für die zulässigen Tätigkeiten geeignete persönliche Schutzausrüstungen (z. B. Einmal-Handschuhe) zur Verfügung zu stellen, die die grundlegenden Gesundheits- und Sicherheitsanforderungen der Richtlinie für persönliche Schutzausrüstungen (RL 98/686/EWG, PSA – BV (PSA-Benutzungsverordnung) erfüllen. Besteht die Gefahr, dass bei einer Tätigkeit möglicherweise mit Krankheitserregern belastete Körperflüssigkeit in die Augen gelangen kann, ist eine geeignete Schutzbrille zur Verfügung zu stellen.
Wird mit schneidenden oder stechenden Gegenständen umgegangen, die mit Blut, Serum, Sekreten oder Exkreten kontaminiert sind, reichen Handschuhe als Schutzmaßnahme nicht aus, weil ein Verletzungsrisiko weiterhin besteht.

Bei der Blutentnahme und bei Injektionen handelt es sich nach Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesn und in der Wohlfahrtspflege - TRBA 250 Tätigkeiten der Schutzstufe 2. Für Tätigkeiten dieser Schutzstufe gilt gemäß Anlage 1 Abs. A. Nr. 2 Mutterschutzarbeitsplatzverordnung/MuSchArbV), dass der Arbeitgeber eine gesonderte Gefährungsbeurteilung durchführen und geeignete Schutzmaßnahmen einleiten muss.

Entgegen einem mutterschutzrechtlichen Beschäftigungsverbot dürfen werdende Mütter nur dann beschäftigt werden, wenn der Arbeitgeber durch geeignete Schutzmaßnahmen sicherstellt, dass die Gesundheit von Mutter oder Kind durch die Ausübung dieser Tätigkeit nicht gefährdet ist.

Blutentnahmen dürfen von werdenden Müttern durchgeführt werden, wenn für diese Tätigkeit im gesamten Arbeitsbereich ausschließlich sichere Instrumente gemäß TRBA 250 verwendet werden.

Verboten ist weiterhin eine Beschäftigung mit sehr giftigen, giftigen, gesundheitsschädlichen oder in sonstiger Weise den Menschen chronisch schädigenden Gefahrstoffen, wenn der Grenzwert überschritten wird. Ebenso verboten ist der Umgang mit krebserzeugenden, fruchtschädigenden (z. B. Halothan) oder erbgutverändernden Gefahrstoffen (z. B. Zytostatika).

Ein Aufenthalt im Kontrollbereich beim Einsatz von ionisierenden Strahlen ist zwar erlaubt, aber nur, wenn die Strahlenbelastung von 1 mSV (gemessen von Anfang der Schwangerschaftsmeldung bis zum Ende der Schwangerschaft) nicht überschritten wird. Eine arbeitswöchentliche Strahlenmessung ist obligatorisch. 

Der Immunstatus ist festzustellen.

Werdende und stillende Mütter dürfen nicht mit Mehrarbeit (Mehrarbeit bei Frauen über 18 Jahre: mehr als 8 1/2 Stunden täglich oder 90 Stunden in der Doppelwoche), nicht in der Nacht zwischen 20 und 6 Uhr und nicht an Sonn- und Feiertagen beschäftigt werden.  Im Krankenhaus dürfen werdende oder stillende Mütter, an Sonn- und Feiertagen beschäftigt werden, wenn ihnen in jeder Woche einmal eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 24 Stunden im Anschluss an eine Nachtruhe gewährt wird (§ 8 Abs. 4 Mutterschutzgesetz-MuSchG).
Die v.g. Regelungen betreffen auch Bereitschaftsdienste.

Hinweis:
Nach § 2 MuSchG und gemäß Mutterschutzrichtlinienverordnung - MuSchRiV ist der Arbeitgeber verpflichtet, sofort nach der Mitteilung einer Schwangerschaft eine Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes der Schwangeren zu erstellen. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, Sie sowie die übrigen bei ihm beschäftigten Arbeitnehmerinnen und, wenn ein Betriebs- oder Personalrat vorhanden ist, diesen über die Ergebnisse der Beurteilung nach § 1 MuSchRiV und über die zu ergreifenden Maßnahmen für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz zu unterrichten, sobald das möglich ist. Dabei soll sich der Arbeitgeber vom Betriebsarzt und der Fachkraft für Arbeitssicherheit beraten und unterstützen lassen.

Weitere Informationen erhalten Sie
- unter www.arbeitsschutz.nrw.de/Themenfelder/mutterschutz/index.php 
- im Leitfaden zum Mutterschutzgesetz, www.bmfsfj.de/Kategorien/Publikationen/Publikationen,did=3156.html
- unter www.gaa.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/16416 sowie
- in der die Broschüre Elterngeld und Elternzeit, www.bmfsfj.de/Kategorien/Publikationen/publikationsliste,did=89272.html .