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Ist die Verkehrssicherheit einer offenen Treppe gegeben, wenn der Treppenaustritt am Podest keine Unterschneidung aufweist?

KomNet Dialog 12658

Stand: 21.12.2010

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Verkehrswege

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Frage:

Ist die Verkehrssicherheit einer offenen Treppe gegeben, wenn der Treppenaustritt am Podest keine Unterschneidung aufweist?

Antwort:

Für die Ausgestaltung von Treppen, insbesondere für die sichere Begehbarkeit, finden sich Regelungen in den Bauordnungen der Länder, in der Arbeitsstättenverordnung mit den Arbeitsstätten-Richtlinien - ASR und im Merkblatt für Treppen (BGI 561, http://www.dguv.de/inhalt/medien/datenbank/index.jsp) der gewerblichen Berufsgenossenschaften.

Bei der Planung der Treppe ist der unter Ziffer 1.8 Verkehrswege des Anhangs zur Arbeitsstättenverordnung genannte Grundsatz vorrangig zu beachten welcher lautet:

(1) Verkehrswege, einschließlich Treppen, fest angebrachte Steigleitern und Laderampen müssen so angelegt und bemessen sein, dasssie je nach ihrem Bestimmungszweck leicht und sicher begangen oder befahren werden können und in der Nähe Beschäftigte nicht gefährdet werden.

Unter Ziffer 3 der ASR 17/1,2 "Verkehrswege".  (Tabelle 1) sowie  in Tabelle 1 der BGI 561 sind Maße für den Auftritt und die Steigung von Treppen aufgeführt. Siehe auch die BG-Fachinformationen (http://www.vbg.de/arbeitsstaetten/arbhilf/fachinfoblatt/fi_trepp_stufen.htm ) D.h. als besonders sicher begehbar haben sich Treppen erwiesen, deren Stufen eine Auftritttiefe von 0,29 m und eine Steigung von 0,17 m besitzen, was einem Steigungswinkel der Treppe von etwa 30° entspricht.
Da jedoch nicht alle Treppen gleich ausgeführt werden können, sind Auftritttiefen zwischen 0,32 m und 0,26 m sowie Steigungen zwischen 0,14 m und 0,19 m sicherheitstechnisch ebenfalls vertretbar, wenn die Schrittmaßformel (Auftritt + 2 x Steigung = 0,63 m +/- 0,03 m) dabei eingehalten wird.

Bezüglich Unterschneidungen wird in der BGI 561 darauf hingewiesen, dass bei Stufen, deren Auftritt a < 24 cm ist, die Unterschneidung, u, mindestens so groß sein muss, dass insgesamt eine Auftrittstiefe u + a= 24 cm erreicht wird. (Abschnitt 3.2.4 Tab. 1 Anmerkung 2).
Zu offenen Treppen wird in der BGI 561 kein Aussage getroffen, allerdings wird die DIN 18 065 Gebäudetreppen; Definitionen, Messregeln, Hauptmaße als Bezugsnorm angeführt.

Ob die in der DIN 18 065 www.beuth.de genannte Unterschneidung von offenen Treppen generell und bei allen Stufen einzuhalten ist, empfehlen wir mit der zuständigen Baubehörde zu klären.