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KomNet-Wissensdatenbank

Wo finde ich Vorschriften zu maximalen Lärmpegeln bei schwangeren Orchestermusikerinnen?

KomNet Dialog 12482

Stand: 20.06.2012

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Gefährdungen für werdende / stillende Mütter

Dialog
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Frage:

Ich bin auf der Suche nach den rechtlichen Grundlagen zu den maximalen Lärmpegel bei schwangeren Orchestermusikerinnen. Ich habe folgende Aussage gefunden, allerdings ohne Quellenangabe: "Bei Orchestermusikerinnen wird dagegen ein Beurteilungspegel von 85 dB(A) akzeptiert. Der Lärm (Musik) darf auch keine Spitzenwerte über 90 dB(A) und keine Impulse mit über 40 dB(A) Anstieg in 0,5 Sekunden aufweisen. Frequenzen über 4000 Hertz sollten minimiert werden."

Antwort:

Die rechtlichen Grundlagen finden sie in § 4 Abs. 1 Mutterschutzgesetz (MuSchG) sowie in der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV). Die spezifischen Lärmgrenzwerte für die Beschäftigung werdender und stillender Mütter (siehe Literatur) basieren auf arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen und aus der Kommentierung des Mutterschutzgesetzes.

Bei Berufsmusikerinnen wird wegen der Vorhersehbarkeit und der Eigenart der Schallereignisse ein Tages-Lärmexpositionspegel von 85 dB(A) akzeptiert (1). Eine Beschäftigung oberhalb von 85 dB (A) ist nur dann erlaubt, wenn sie aktiven Gehörschutz tragen (verpflichtend). Weitere Lärmminderungsmaßnahmen wie z.B. Lärmschutzblenden, größere Abstände zwischen einzelnen Instrumenten, eine Umsetzung bestimmter Instrumentengruppen innerhalb des Orchesters sowie weitere organisatorische Maßnahmen müssen geprüft werden.

(1) Für den Bereich des Musik- und Unterhaltungssektors ist die LärmVibrationsArbSchV erst ab dem 15. Februar 2008 anzuwenden (§ 17 Abs. 1 Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung). Um die Ausarbeitung eines Kodex für einen praktischen Leitfaden für die Durchführung der Bestimmungen dieser Richtlinie zu ermöglichen, können die Mitgliedstaaten von einem Übergangszeitraum von maximal zwei Jahren ab 15. Februar 2006, d h. von insgesamt fünf Jahren ab dem Inkrafttreten dieser Richtlinie, Gebrauch machen, um dieser Richtlinie im Hinblick auf den Musik- und Unterhaltungssektor zu entsprechen.

Weiterführende Literatur:

Klosterkötter, W. und Mitarbeiter: Experimentelle Untersuchungen zur Frage der Lärmgrenzwerte für werdende Mütter am Arbeitsplatz, Forschungsbericht Nr. 132 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Unfallforschung, Dortmund

Brezinka, C., Lechner, T., Stephan, K.: "Der Fötus und der Lärm", Gynäkologisch-Geburtshilfliche Rundschau, 37 (3): 119-129, 1997

American Academy of Pediatrics, Committee on Environmental Health, "Noise: a Hazard for the Fetus and Newborn", Pediatrics , 100, (4): 724-727, 1997

Zmarzlik, Zipper, Viethen: Mutterschutzgesetz, Carl Heymanns Verlag, 2005