Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Ist es zulässig, dass sich eine schwangere Mitarbeiterin temporär in Lärmbereichen aufhält?

KomNet Dialog 23777

Stand: 30.08.2018

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Gefährdungen für werdende / stillende Mütter

Dialog
Favorit

Frage:

Eine schwangere Mitarbeiterin im Qualitätswesen muss sich in einem Produktionsbereich temporär aufhalten, um z.B. Messmittel auszutauschen oder Schulungen (Dauer ca. 1 Std.) durchzuführen. Dort liegen Beurteilungspegel oberhalb 80 dB(A) sowie oberhalb 85 dB(A) vor. Ist es zu vertreten, dass die Mitarbeiterin sich temporär in den nicht kennzeichnungspflichtigen / kennzeichnungspflichtigen Lärmbereichen zur Durchführung der o.g. Tätigkeiten aufhält?

Antwort:

Nach § 11 Abs.3 Mutterschutzgesetz (MuSchG) darf der Arbeitgeber "eine schwangere Frau keine Tätigkeiten ausüben lassen und sie keinen Arbeitsbedingungen aussetzen, bei denen sie physikalischen Einwirkungen in einem Maß ausgesetzt ist oder sein kann, dass dies für sie oder für ihr Kind eine unverantwortbare Gefährdung darstellt." Inwieweit dies bei Lärm der Fall ist, hängt nicht nur von der gemessenen Lärmeinwirkung ab, sondern auch von der körperlichen Verfassung der Schwangeren und ist somit eine Einzelfallbetrachtung. Schutzvorschriften in Bezug auf Lärm finden sich in der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV).


Für werdende und stillende Mütter wird allgemein ein Lärmgrenzwert von 80 dB (A) angewendet. Dieser geht auf die Ergebnisse eines Forschungsberichts von 1973 zurück, der vom damaligen Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung in Auftrag gegeben wurde (vgl. Forschungsbericht Nr.132 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz u. Unfallforschung. Titel: "Experimentelle Untersuchungen zur Frage der Lärmgrenzwerte für werdende Mütter am Arbeitsplatz" von Prof. Dr. med. Werner Klosterkötter). Die darin enthaltenen Empfehlungen an Arbeitgeber und Aufsichtsbehörden gelten noch heute. Sie lauten:

1. Einhaltung des Grenzwertes von 80 dB (A) Beurteilungspegel (bezogen auf eine 8-stündige Arbeitssicht pro Tag)

2. Keine Exposition werdender Mütter gegenüber impulshaltigem Lärm , d. h., Knalle, Schläge und dgl., wenn dadurch Schreckreaktionen hervorgerufen werden können. Hierunter werden Geräusche verstanden, die in 0,5 sec. um 40 dB (A) und mehr ansteigen.

3. keine Exposition werdender Mütter gegenüber Geräuschen mit hohen Frequenzanteilen (über 1000 Hz).


Fazit:

Der Beurteilungspegel ist als Tages-Lärmexpositionspegel, LEX,8h zu messen und auf die effektive Arbeitszeit zu beziehen. Beschäftigungsverbote bestehen bei einem Beurteilungspegel > 80 dB(A) (technisch bedingter Lärm) bzw. 85 dB(A) (Berufsmusikerinnen) und bei einem Anstieg > 40 dB(A) in 0,5 sec. Zur Klärung von spezifischen Einzelfragen sollten Sie sich direkt an die für Ihren Betrieb zuständige Aufsichtsbehörde wenden.