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Wann muss ein Büroraum oder ein Meetingraum einen zweiten Ausgang haben (Brandschutz)?

KomNet Dialog 12450

Stand: 05.02.2018

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Verlauf, Abmessung und Anzahl von Fluchtwegen

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Frage:

Wann muß ein Büroraum oder ein Meetingraum einen zweiten Ausgang haben (Brandschutz) ?

Antwort:

Gemäß der Arbeitsstättenverordnung (§ 4 Abs. 4 ArbStättV) muss der Arbeitgeber Vorkehrungen treffen, dass sich die Beschäftigten bei Gefahr unverzüglich in Sicherheit bringen und schnell gerettet werden können. Nach Ziffer 2.3 des Anhangs der Arbeitsstättenverordnung ist die Anzahl, Anordnung und Abmessung von Fluchtwegen - in einer Gefährdungsbeurteilung - nach der Nutzung, der Einrichtung und den Abmessungen der Arbeitsstätte sowie nach der höchstmöglichen Anzahl der dort anwesenden Personen festzulegen.


In der Arbeitsstätten-Regel - ASR A 2.3 "Fluchtwege, Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan" werden diese Forderungen konkretisiert. Grundsätzlich wird danach der erste Fluchtweg durch die für die Flucht und Rettung erforderlichen Verkehrswege und Türen, die nach dem Bauordnungsrecht notwendigen Flure und Treppenräume für notwendige Treppen sowie die Notausgänge gebildet. Der zweite Fluchtweg führt durch einen zweiten Notausgang, der als Notausstieg ausgebildet sein kann.


"Das Erfordernis eines zweiten Fluchtweges ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung unter besonderer Berücksichtigung der bei dem jeweiligen Aufenthaltsort bzw. Arbeitsplatz vorliegenden spezifischen Verhältnisse, z. B. einer erhöhten Brandgefahr oder der Zahl der Personen, die auf den Fluchtweg angewiesen sind. Ein zweiter Fluchtweg kann z. B. erforderlich sein bei Produktions- oder Lagerräumen mit einer Fläche von mehr als 200 m², bei Geschossen mit einer Grundfläche von mehr als 1.600 m² oder aufgrund anderer spezifischer Vorschriften." (ASR A2.3, Nr.4 Abs.5)


Für flüchtende Personen aus einem Bereich (Raum) schreibt die ASR A 2.3 in Abhängigkeit der Personenzahl Mindestbreiten vor. Diese Mindestbreiten müssen durchgehend von der Tür- über die Flur- und Treppenbreite zum Notausgang realisiert werden. Für Personenzahlen bis 20 Personen sind die Mindestbreiten von 1,0 m einzuhalten. D.h. bei mehr als 20 Personen (Fluchtwegbreite mind. 1,2 m) in einem Raum sind u.U. schon zwei Fluchttüren erforderlich um die Mindestbreite für die flüchtenden Personen zu realisieren (Vergl. Punkt 5 (3) der ASR A 2.3; Hinweis: eine Einschränkung der Mindestbreite der Flure von maximal 0,15 m an Türen kann vernachlässigt werden.).


Hinweis: andere spezifischen Regelungen sind insbesondere die Anforderungen des Baurechts. Regelungen zum Rettungsweg und den notwendigen Fluren sind in den Bauordnungen der Länder getroffen ( in NRW: §§ 17, 37, 38 und 48 der Bauordnung NRW – BauO NW; zu finden über www.recht.nrw.de). So wird zum zweiten Rettungsweg z.B. unter § 17 Abs. 3 der Bauordnung NRW – BauO NW ausgeführt:


"Für jede Nutzungseinheit müssen in jedem Geschoss mit einem Aufenthaltsraum zwei Rettungswege vorhanden sein; die Rettungswege dürfen innerhalb eines Geschosses über einen gemeinsamen notwendigen Flur führen"; d.h. sofern im Flur vor dem Büro die Flucht in zwei unterschiedliche Richtungen in einen sicheren Bereich möglich ist, ist diese Forderung erfüllt."