Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Welche Prüfkriterien bezüglich Software-Ergonomie gibt es eigentlich?

KomNet Dialog 1238

Stand: 01.03.2017

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Bildschirmarbeit > Softwareergonomie

Dialog
Favorit

Frage:

Welche Prüfkriterien bezüglich Software-Ergonomie gibt es eigentlich?

Antwort:

Für die Gestaltung von Software finden sich verbindliche Mindestanforderungen im Anhang der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) unter Ziffer 6.5. Dort ist folgendes nachzulesen:

"(1) Beim Betreiben der Bildschirmarbeitsplätze hat der Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass der Arbeitsplatz den Arbeitsaufgaben angemessen gestaltet ist. Er hat insbesondere geeignete Softwaresysteme bereitzustellen.
(2) Die Bildschirmgeräte und die Software müssen entsprechend den Kenntnissen und Erfahrungen der Beschäftigten im Hinblick auf die jeweilige Arbeitsaufgabe angepasst werden können.
(3) Das Softwaresystem muss den Beschäftigten Angaben über die jeweiligen Dialogabläufe machen.
(4) Die Bildschirmgeräte und die Software müssen es den Beschäftigten ermöglichen, die Dialogabläufe zu beeinflussen. Sie müssen eventuelle Fehler bei der Handhabung beschreiben und eine Fehlerbeseitigung mit begrenztem Arbeitsaufwand erlauben.
(5) Eine Kontrolle der Arbeit hinsichtlich der qualitativen oder quantitativen Ergebnisse darf ohne Wissen der Beschäftigten nicht durchgeführt werden."

In Zusammenhang mit der gesundheitsgerechten Gestaltung von Bildschirmarbeit wird insbesondere auf die Normenreihe "DIN EN ISO 9241 - Ergonomische Anforderungen für Bürotätigkeiten mit Bildschirmgeräten" verwiesen. In der DIN EN ISO 9241 Teil 110 "Grundsätze der Dialoggestaltung" werden sieben Gestaltungsempfehlungen ("Prüfkriterien") der Software-Ergonomie formuliert und jeweils mit Beispielen verdeutlicht:
 
Aufgabenangemessenheit:
Ein interaktives System ist aufgabenangemessen, wenn es den Benutzer unterstützt, seine Arbeitsaufgabe zu erledigen, d.h., wenn Funktionalität und Dialog auf den charakteristischen Eigenschaften der Arbeitsaufgabe basieren, anstatt auf der zur Aufgabenerledigung eingesetztenTechnologie.
Beispiel: Vorgabe von Standardwerten bei Eingabefeldern, die von der Arbeitsaufgabe her sinnvoll sind.
 
Selbstbeschreibungsfähigkeit:
Ein Dialog ist in dem Maße selbstbeschreibungsfähig, in dem für den Benutzer zu jeder Zeit offensichtlich ist, in welchem Dialog, an welcher Stelle im Dialog er sich befindet, welche Handlungen unternommen werden können und wie diese ausgeführt werden können.
Beispiel: Anzeige von Zustandsänderungen des Systems: Wann wird eine Eingabe erwartet oder was sind die nächsten Schritte?
 
Erwartungskonformität:
Ein Dialog ist erwartungskonform, wenn er den aus dem Nutzungskontext heraus vorhersehbaren Benutzerbelangen sowie allgemein anerkannten Konventionen entspricht.
Beispiel: Gleiche Verwendung von Funktionscodes und -tasten in allen Masken und Menüs.

Lernförderlichkeit:
Ein Dialog ist lernförderlich, wenn er den Benutzer beim Erlernen der Nutzung des interaktiven Systems unterstützt und anleitet.
Beispiel: Durchgängige Konzepte bei der Strukturierung von Dialogen, z. B. ein Menüpunkt, in dem alle Funktionen aufgelistet sind, ein anderer Menüpunkt, in dem alle Einstellmöglichkeiten vorhanden sind.

Steuerbarkeit:
Ein Dialog ist steuerbar, wenn der Benutzer in der Lage ist, den Dialogablauf zu starten sowie seine Richtung und Geschwindigkeit zu beeinflussen, bis das Ziel erreicht ist.
Beispiel: In jedem Eingabefeld gibt es eine Möglichkeit, die letzte Eingabe rückgängig zu machen.

Fehlertoleranz:
Ein Dialog ist fehlertolerant, wenn das beabsichtigte Arbeitsergebnis trotz erkennbar fehlerhafter Eingaben entweder mit keinem oder mit minimalem Korrekturaufwand seitens des Benutzers erreicht werden kann.
Beispiel: Ein Eingabefeld erkennt eine fehlerhafte Eingabe automatisch und teilt dies dem Benutzer mit. Trotzdem kann der Benutzer seine Arbeit erst einmal fortsetzen.
 
Individualisierbarkeit:
Ein Dialog ist individualisierbar, wenn Benutzer die Mensch-System-Interaktion und die Darstellung von Informationen ändern können, um diese an ihre individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse anzupassen.
Beispiel: Abschaltbare bzw. erweiterbare Symbolleisten oder Menüs.

DIN-EN-ISO-Normen können in den Normenauslegestellen (z. B. Universitätsbibliotheken, IHK) kostenlos eingesehen (aber nicht kopiert) werden. Darüber hinaus können die Normen beim Beuth Verlag bestellt und käuflich erworben werden.

Weitere umfangreiche Informationen zum Thema finden Sie auf den Seiten von www.ergo-online.de unter "Software". U.a. finden Sie dort einen Abschnitt "Verfahren zur Beurteilung der Software-Ergonomie".