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KomNet-Wissensdatenbank

Wer kann die Softwareergonomie der bei uns eingesetzten Programme unabhängig überprüfen und welche Möglichkeiten hat man, um eine solche Überprüfung einzufordern?

KomNet Dialog 22384

Stand: 25.11.2014

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Bildschirmarbeitsplätze > Softwareergonomie

Dialog
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Frage:

Bei uns werden zur Zeit viele Programme auf PC-Basis verwendet. Die Wartezeiten zwischen den Eingaben betragen oft mehrere Sekunden, manchmal sogar Minuten. Viele Programme laufen instabil und müssen während eines Arbeitstages mehrfach neu gestartet werden. Auch hierbei entstehen teilweise erhebliche Wartezeiten. Die Programme ermöglichen in einigen Teilen bei Fehleingaben keinen Abbruch der Verarbeitung. Manchmal lassen sich Fehleingaben nicht rückgängig machen, Sicherheitsabfragen fehlen. Die Bedienung ist oft umständlich, um Schaltflächen zu erreichen, muss oft umständlich gescrollt werden. Forderungen nach Verbesserungen werden nur schleppend oder gar nicht umgesetzt. Diese Programme sind zwar geprüft und abgenommen worden, aber die Tests erfolgten in der Regel nur mit kleinen Mengen (100 Einheiten), während bei der tatsächlichen Arbeit bis zu 30.000 Fälle mit einem Programm bearbeitet werden sollen. Ich vermute, dass diese Programme den gesetzlichen Anforderungen in Bezug auf Software-Ergonomie nicht genügen. Wer kann das unabhängig überprüfen und welche Möglichkeiten hat man, um eine solche Überprüfung einzufordern?

Antwort:

Grundlegende Anforderungen an die ergonomische Gestaltung von Software finden sich unter Ziffer 21 des Anhangs der Bildschirmarbeitsverordnung. Danach hat der Arbeitgeber bei Entwicklung, Auswahl, Erwerb und Änderung von Software die folgenden Grundsätze im Hinblick auf die Benutzerfreundlichkeit zu beachten:

  • Die Software muss an die auszuführende Aufgabe angepasst sein.
  • Die Systeme müssen den Benutzern Angaben über die jeweiligen Dialogabläufe unmittelbar oder auf Verlangen machen.
  • Die Systeme müssen den Benutzern die Beeinflussung der jeweiligen Dialogabläufe ermöglichen sowie eventuelle Fehler bei der Handhabung beschreiben und deren Beseitigung mit begrenztem Arbeitsaufwand erlauben.
  • Die Software muss entsprechend den Kenntnissen und Erfahrungen der Benutzer im Hinblick auf die auszuführende Aufgabe angepasst werden können
Hinweis: Die  Anforderungen der Bildschirmarbeitsverordnung werden mit der nächsten Novellierung der Arbeitsstättenverordnung (voraussichtlich im Januar 2015) in diese überführt. Die grundlegenden Anforderungen an die ergonomische Gestaltung von Software finden sich dann unter Ziffer 6.5 des Anhangs zur novellierten Arbeitsstättenverordnung.

Die Überprüfung der Softwareergonomie hat im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu erfolgen. Umfangreiche Informationen zur Softwareergonomie werden vom Sozialnetz Hessen unter www.ergo-online.de  zur Verfügung gestellt (Navigation: auf der linken Seite auf das Auswahlfeld "Software" klicken.

Auf die Normenreihe DIN EN ISO 14915 "Software-Ergonomie für Multimedia-Benutzungsschnittstellen" weisen wir hin. In Zusammenhang mit der gesundheitsgerechten Gestaltung von Bildschirmarbeit wird insbesondere auf die Normenreihe DIN EN ISO 9241 "Ergonomische Anforderungen für Bürotätigkeiten mit Bildschirmgeräten" Bezug genommen, die ebenfalls in einzelnen Teilen Gestaltungsempfehlungen für die Software-Ergonomie formuliert.
Normen können kostenpflichtig über den Beuth-Verlag bestellt werden.