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KomNet-Wissensdatenbank

Welche Maßnahmen sind beim Starten von LKW in Hallen zu treffen?

KomNet Dialog 11674

Stand: 11.08.2010

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Gefährdungen > Gefährdungen durch Rauche und Motoremissionen

Dialog
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Frage:

Beim Starten von LKW wird die Druckluftanlage befüllt, bevor das Fahrzeug bewegt werden kann. Ist die naturliche Lüftung über alle geöffneten Tore an den gegenüberligenden Gebäudeseiten ausreichend, oder müssen zusätzlich lüftungstechnische Anlagen bzw. Abgasabsauganlagen eingebaut werden. Oder anders: wann sind Abgasabsuaganlagen zwingend erforderlich? Es geht hier ausschließlich um DME in Fahrzeugabstellbereichen der Feuerwehr.

Antwort:

In der TRGS 554 "Dieselmotoremissionen" www.baua.de/trgs  werden in der Anlage 4 Abschnitt 5 Erläuterungen zu den Anforderungen an Abstellbereiche von dieselbetriebenen Maschinen und Fahrzeugen  gegeben:

(2) In ganz oder teilweise geschlossenen Abstellbereichen, in denen mit Dieselmotoren angetriebene Fahrzeuge, Flurförderzeuge, Maschinen oder Geräte abgestellt werden, sind die insbesondere beim Starten und Ausfahren entstehenden Dieselmotoremissionen so abzuführen, dass keine Personen durch sie gefährdet werden. Dazu sind Dieselmotoremissionen grundsätzlich am Abgasaustritt zu erfassen. Anforderungen an die Ausführung von Abgasabsauganlagen sind in Nummer 4.2.5. dieser TRGS enthalten.

(3) Eine Gefährdung von Personen ist nicht anzunehmen, wenn Fahrzeuge unmittelbar nach dem Starten ausfahren und sich im Abstellbereich keine weiteren Personen aufhalten. Nach der Ausfahrt muss der Abstellbereich ausreichend gelüftet werden können. Auf eine ausreichende Nachlaufzeit raumlufttechnischer Anlagen ist zu achten.

(4) Bei freier Lüftung sind an jeweils entgegen gesetzten Gebäudeseiten automatisch öffnende Lüftungsöffnungen vorzusehen.

Es gilt also entsprechend dem Minimierungsgebot der Gefahrstoffverordnung der Grundsatz, dass Dieselmotoremissionen  am Abgasaustritt zu erfassen sind. Entsprechend Absatz 4 kann aber auch eine freie Lüftung ausreichend sein.

Im Regelwerk der Feuerwehrunfallkasse ist die GUV-I 8554 - Sicherheit im Feuerwehrhaus http://regelwerk.unfallkassen.de relevant. Diese regelt u. a. unter Abschnitt 5 die Anforderungen bezüglich Dieselmotoremissionen und nimmt wieder Bezug auf die v.g. TRGS 554. Auszug:

Gefahr durch „DME“!
Alarm!
Das heißt für den Feuerwehrangehörigen, sofort zum Feuerwehrhaus, um so schnell wie möglich ausrücken zu können.
Schon hier beginnen Puls und Atemfrequenz zu steigen. Durch die erhöhte Atemfrequenz werden neben mehr Sauerstoff natürlich auch mehr in der Atemluft befindliche Schadstoffe eingeatmet. Das bedeutet, dass in Feuerwehrhäusern, in denen sich die persönlichen Schutzausrüstungen (PSA) in der Fahrzeughalle befinden und keine Absauganlage für Dieselmotor-Emissionen (DME) vorhanden ist, der Feuerwehrangehörige schon mal Luft mit gesundheitsgefährdenden Stoffen einatmet.
Zusätzlich ist die PSA den Dieselmotor-Emissionen ausgesetzt und eine Verbreitung von Abgasen in andere Räume ist in den meisten Fällen auch gegeben.
Zur Erläuterung:
Dieselmotor-Emissionen sind als krebserzeugend eingestuft. Sofern sich Dieselmotor-Emissionen nicht vermeiden lassen, besteht nach der Gefahrstoffverordnung ein Minimierungsgebot.

Den Ausführungen des Abschnitts 5 der GUV-I 8554 ist zu entnehmen, dass auch Fahrzeughallen von Feuerwehren grundsätzlich mit Absaugungen auszurüsten sind, die die Dieselmotoremissionen direkt erfassen. Dieses gilt insbesondere dann, wenn mehr als ein großes Fahrzeug mit Dieselmotor abgestellt ist.
Demnach kann es bei nur einem Fahrzeug auch ausreichend sein, eine freie Lüftung entsprechend TRGS 554 Anlage 4 Abschnitt 5 Abs. 4 vorzusehen.

Angehörige der freiwilligen Feuerwehr werden in der Regel nicht als Beschäftigte im Sinne des Arbeitsschutzgesetzes gesehen.
Angehörige der freiwilligen Feuerwehr sind aber ebenfalls Mitglieder der gesetzlichen Unfallversicherung, in der Regel in der Feuerwehrunfallkasse, sodass auch auf diese Feuerwehren die vorgenannten Anforderungen anzuwenden sind. Ggf. sollten die Anforderungen im direkten Kontakt mit der Unfallkasse erörtert und geklärt werden.