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KomNet-Wissensdatenbank

Frage zu Verkehrs- sowie Flucht- und Rettungswegen in Laboren

KomNet Dialog 11295

Stand: 23.06.2010

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Verlauf, Abmessung und Anzahl von Fluchtwegen

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Frage:

Verkehrswege sowie Flucht und Rettungswege in Laboren: Mir ist nicht klar, ob nun ein Labor zwei Türen braucht, oder nach einer Tür zwei Fluchtwege zu unterschiedlichen Türen reichen?

Antwort:

Grundlage für die Durchführung erforderlicher Arbeitsschutzmaßnahmen ist die Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz und der Gefahrstoffverordnung, welche der Arbeitgeber für die einzelnen Arbeitsplätze zu erstellen hat. Auf Laboratorien, in denen nach chemischen, physikalischen oder physikalisch-chemischen Methoden präparativ, analytisch oder anwendungstechnisch gearbeitet wird, findet die TRGS 526 "Laboratorien" Anwendung (www.baua.de/TRGS).
"In Laboratorien müssen unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten, der verwendeten Stoffe und Arbeitsverfahren Rettungswege und Ausgänge in ausreichender Zahl vorhanden sein. Fluchtwege dürfen nur dann über einen benachbarten Raum führen, wenn dieser Raum auch im Gefahrfall während des Betriebes ein sicheres Verlassen ohne fremde Hilfe ermöglicht."
Aus arbeitsschutzrechtlicher Sicht sind die Anforderungen an Fluchtwege und Notausgänge u.a. der Arbeitsstättenverordnung sowie der technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A2.3 "Fluchtwege, Notausgänge, Flucht - und Rettungsplan" zu entnehmen (www.baua.de/ASR/). Gemäß Punkt 4 der ASR A2.3 ergibt sich das Erfordernis eines zweiten Fluchtweges aus der erforderlichen Gefährdungsbeurteilung unter besonderer Berücksichtigung der bei dem jeweiligen Aufenthaltsort bzw. Arbeitsplatz vorliegenden speziellen Verhältnisse. 
Weiter fordert die TRGS 526, dass Türen von Laboratorien in Fluchtrichtung aufschlagen müssen und mit einem Sichtfenster ausgerüstet sein müssen. Labortüren sind geschlossen zu halten.
Die Laborrichtlinie BGI/GUV-I 850-0 (http://www.dguv.de/inhalt/medien/rundschreiben/rscontents/2012/04_(April)/01612012/p-i-850-0_anlage.pdf) empfiehlt in Ziffer 6.2, dass in jedem Laborraum eine zweite Fluchtmöglichkeit einzurichten ist (siehe auch Bauordnungen der Länder).
Verbindliche Regelungen zum zweiten Rettungsweg sind in den Bauordnungen der Länder getroffen. So heißt es z.B. unter § 17 Abs. 3 der Bauordnung NRW – BauO NW: "Für jede Nutzungseinheit müssen in jedem Geschoss mit einem Aufenthaltsraum zwei Rettungswege vorhanden sein; die Rettungswege dürfen innerhalb eines Geschosses über einen gemeinsamen notwendigen Flur führen. ....."
Für nähere Informationen im Einzelfall und zur der Frage des zweiten Rettungsweges empfehlen wir, sich mit der Fragestellung an die jeweils zuständige Baubehörde zu wenden.