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Müssen Treppentürme mit einem Bordbrett ausgestattet werden?

KomNet Dialog 10337

Stand: 02.03.2017

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Sprengstoffe, Pyrotechnik > Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb

Dialog
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Frage:

Das Dauerthema: "Bordbrett ja oder nein am Treppenturm" Treppentürme aus Systemteilen eines Gerüstes sind im Zuge von Baumassnahmen üblich. In der Regel dient der Treppenturm als Verkehrsweg zum Erreichen eines hochgelegenen oder, in tiefer Baugrube, tiefer liegenden Arbeitsplatzes. In der Regel werden diese Treppentürme mit einem, mindestens einseitig am Treppenlauf befindlichen 2-teiligen Seitenschutz erstellt; das Bordbrett fehlt in der Regel. Bei Mitnahme von Arbeitsmitteln ( Bohrmaschine, Schraubenschlüssel, etc. ) über diesen Treppenturm hin zum Arbeitsplatz, wird der Verkehrsweg Treppenturm zum Arbeitsmittel ( so verschiedene Vertreter von BG BAU und Bezirksregierung ). Aus diesem Grunde wird ein 3-teiliger Seitenschutz am Treppenturm notwendig. Kann man das so stehen lassen ?

Antwort:

Das Thema: "Bordbrett ja oder nein am Treppenturm“ ist differenziert zu sehen: 
Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass ein Treppenturm aus Systemteilen eines Gerüstes ein Arbeitsmittel im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) ist.

Im Hinblick auf das Bordbrett ist zunächst zu unterscheiden, ob für den Aufstieg ein "innenliegender Leiteraufstieg“ oder ein "Treppenturm“ verwendet wird. Beim innenliegenden Leiteraufstieg ist entsprechend der DIN 12811-1 Abschn. 5.5 ein dreiteiliger Seitenschutz, also mit Bordbrett vorgeschrieben. Auf die DGUV Information 201-011 ( bisher: BGI/GUV-I 663) "Handlungsanleitung für den Umgang mit Arbeits- und Schutzgerüsten" möchten wir hinweisen

Bei Treppentürmen sind die Anforderungen der Ziffern 1.8, 2.1 und 2.3 des Anhangs der Arbeitstättenverordnung (ArbStättV) zu beachten.

Konkretisiert werden die Anforderungen der ArbStättV in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR), hier insbesondere die ASR A1.8 "Verkehrswege", ASR A2.1 "Schutz vor Absturz und herabfallenden Gegenständen, Betreten von Gefahrenbereichen" und die ASR A2.3 "Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan".

Weitere Informationen finden sich in der DGUV Regel 101-002 (bisher: BGR 113) "Treppen bei Bauarbeiten“.
 
Im Sinne der DGUV Regel 101-002 sind Treppen bei Bauarbeiten vorübergehend errichtete Baukonstruktionen, die als Zugang bei Bauarbeiten verwendet werden. Sie gliedern sich in
– Bautreppen,
– Treppentürme,
– Gerüsttreppen.
 
Treppentürme sind mehrläufige Treppen, die aus serienmäßig hergestellten Bauteilen bestehen und turmartig ausgebildet sind. Gerüsttreppen sind Treppen aus serienmäßig hergestellten Gerüstbauteilen, die als Zugang zu Arbeits- und Schutzgerüsten verwendet werden. 
Nach Punkt 6.2.6 ist an freiliegenden Treppenläufen und Podesten mit mehr als 1,00 m Absturzhöhe Seitenschutz, bestehend aus Geländer- und Zwischenholm in Abmessung und Ausführung nach DIN 4420-1 oder den „Regeln für die Sicherheit von Seitenschutz und Schutzwänden als Absturzsicherung bei Bauarbeiten“ (ZH 1/584) anzubringen. 
 
Zusammenfassung: 
innenliegender Leiteraufstieg = Dreiteiliger Seitenschutz mit Bordbrett 
Treppentürme = Seitenschutz, bestehend aus Geländer- und Zwischenholm

Hinweise:
Das berufsgenossenschaftliche Regelwerk wird unter www.dguv.de/publikationen angeboten.

Normen können kostenpflichtig über den BEUTH Verlag bezogen werden.