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Besteht Helmtragepflicht in einer Fertigungshalle, in der in Kopfhöhe Aufhängungen und Fördersysteme angebracht sind?

KomNet Dialog 1024

Stand:

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Persönliche Schutzausrüstung (PSA) > Benutzung von PSA

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Frage:

In einem Textilbetrieb (Bekleidungsindustrie) sind in der Fertigungshalle in 180 - 190 cm Höhe Aufhängungen und Fördersysteme angebracht. Besteht dann eine Helmtragepflicht?

Antwort:

Vor der Auswahl und der Benutzung von Kopfschutz hat der Unternehmer gemäß §§ 4 und 5 Arbeitsschutzgesetz eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen.

Dabei sind Art und Umfang der Gefährdungen für die Versicherten zu ermitteln, die durch technische oder organisatorische Maßnahmen nicht verhindert oder gemindert werden können. Außerdem sind die Arbeitsbedingungen und die persönliche Konstitution der Versicherten zu berücksichtigen.

Neben der Möglichkeit der Gefährdungen durch herabfallende Gegenstände sind insbesondere auch mögliche Gefährdungen durch
– Anstoßen an Gegenständen,
– pendelnde Gegenstände,
– umfallende Gegenstände
oder
– wegfliegende Gegenstände
zu berücksichtigen.

Die Arbeitsstättenverordnung fordert unter Ziffer 1.8 des Anhangs in Verbindung mit ASR 17/1,2 Ziff. 2.4.2.2, dass die lichte Mindesthöhe über den Verkehrswegen für den Personenverkehr 2,00 m betragen soll.

Unter Hängetransportvorrichtungen ist im Bereich von Wegen eine Schutzvorrichtung anzubringen, sofern die Gefahr der Verletzung durch herabfallendes Ladegut besteht.

Die lichte Höhe bis zur Schutzvorrichtung soll 2,00 m nicht unterschreiten. Für Wege, die nur der Bedienung und Überwachung dienen, können die angegebenen Breiten und Höhen gemäß Ziff. 2.4.2.3 verringert werden. Ihre Maße richten sich nach den besonderen Verhältnissen und sollten mit b × h = 0,50 m × 1,80 m nicht unterschritten
werden.

Forderungen zu persönlichen Schutzausrüstungen werden unter § 29 der berufsgenossenschaftlichen Vorschrift BGV A1 - Grundsätze der Prävention - genannt:
(1) Der Unternehmer hat gemäß § 2 der PSA-Benutzungsverordnung den Versicherten geeignete persönliche Schutzausrüstungen bereitzustellen; vor der Bereitstellung hat er die Versicherten anzuhören.
(2) Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass die persönlichen Schutzausrüstungen den Versicherten in ausreichender Anzahl zur persönlichen Verwendung für die Tätigkeit am Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt werden. Für die bereitgestellten persönlichen Schutzausrüstungen müssen EG-Konformitätserklärungen vorliegen.
Satz 2 gilt nicht für Hautschutzmittel und nicht für persönliche Schutzausrüstungen, die vor dem 1. Juli 1995 erworben wurden, sofern sie den vor dem 1. Juli 1992 geltenden Vorschriften entsprechen.

Die berufsgenossenschaftlichen Regeln "Benutzung von Kopfschutz" - BGR 193 erläutern die BGV A1 hinsichtlich des Einsatzes von Industrieschutzhelmen und Industrie-Anstoßkappen.

Bei allen Arbeiten und Tätigkeiten, bei denen der Kopf nur durch Anstoßen an harte, feststehende Gegenstände verletzt werden kann, ohne dass sonstige Gefahren gemäß Abschnitt 3.1.1 BGR 193 bestehen, sollen Industrie-Anstoßkappen, welche die Grundanforderungen der DIN EN 812 "Industrie-Anstoßkappen" erfüllen, entsprechenden Schutz bieten.

Bei allen Arbeiten und Tätigkeiten, die Gefährdungen gemäß Abschnitt 3.1.1 BGR 193 beinhalten, sollen Industrieschutzhelme, die den Grundanforderungen der DIN EN 397 "Industrieschutzhelme" genügen, entsprechenden Schutz bieten.

Die DIN EN 812, DIN EN 397 sind unter www.beuth.de erhältlich.