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KomNet-Wissensdatenbank

Kann ein Kunde von einem Mitarbeiter verlangen, die Arbeitszeiten nach seinen Vorstellungen zu erfassen?

KomNet Dialog 5432

Stand: 04.02.2007

Kategorie: Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen > Arbeitszeitberatung und -gestaltung > Rechts- und Auslegungsfragen, Sonstiges (8.1.8)

Dialog
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Frage:

In unserem Unternehmen wird die Arbeitszeit täglich durch den Mitarbeiter erfasst, indem er die geleisteten Stunden in einem vorgegebenen Softwaretool einträgt. Es wird nicht erfasst, wann der Mitarbeiter diese Stunden im Laufe des Tages geleistet hat. Es gibt Mitarbeiter, die beim Kunden eingesetzt sind. Der Kunde verlangt von diesen Mitarbeitern nicht nur die Erfassung der geleisteten Stunden, sondern auch deren Verteilung über den Tag mit Angabe der Pausenzeiten. Kann dies von den Mitarbeitern verlangt werden?

Antwort:

Das Arbeitszeitgesetz verpflichtet den Arbeitgeber, werktägliche Arbeitszeiten der Arbeitnehmer aufzuzeichnen, die 8 Stunden überschreiten und ein Verzeichnis der Arbeitnehmer zu führen (§ 16 ArbZG i.V.m. § 3 Satz 1 ArbZG).
Arbeitsrechtlich kann er diese Verpflichtung auf die Arbeitnehmer delegieren (Nutzen von Zeiterfassungsgeräten, Stundenzettel), die Verantwortung gemäß ArbZG für die Aufzeichnung verbleibt aber beim Arbeitgeber.
Bei der Beschäftigung bei einem Kunden verbleibt die Verantwortung für die Einhaltung der Arbeitszeitbestimmungen weiterhin beim Arbeitgeber. Der Kunde hat damit zunächst nichts zu tun, zumal er auf die Arbeitszeit der Fremdarbeitnehmer keinen Einfluss nehmen darf. Ansonsten ist man sehr schnell im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung mit allen rechtlichen Konsequenzen.
Nur der Arbeitgeber darf, ggf. unter Berücksichtigung betriebsverfassungsrechtlicher Mitbestimmungsrechte, seinen Arbeitnehmern Arbeitsanweisungen in Bezug auf Arbeitszeiterfassungen geben.
Möglicherweise hat der Kunde ein abrechnungstechnisches Interesse daran, dass die geleisteten Stunden einschließlich der Pausen zeitgenau erfasst werden, da z.B. nach Zeitaufwand abgerechnet wird. Dann handelt es sich aber um eine rein vertragliche Angelegenheit, die zwischen Auftragnehmer und Auftraggeber geklärt werden muss.