Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Was ist unter einem ausreichend hohen Sauerstoffgehalt in der Atemluft verstanden?

KomNet Dialog 4577

Stand: 06.12.2009

Kategorie: Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen > Sicheres Verhalten / Erkennen von Gefährdungen > Sonstige Gefährdungen und Verhaltensmaßregeln

Dialog
Favorit

Frage:

In der BGR 117-1 (vom November 2005) wird Sauerstoffmangel folgendermaßen definiert: Sauerstoffmangel liegt dann vor, wenn die Sauerstoffkonzentration niedriger ist als der Sauerstoffgehalt der natürlichen Atemluft von 20,9%. Es werden keine weiteren Werte angebenen, sondern nur unter 4.3.1 erwähnt, dass keine Gefährdung vorliegt, wenn der Sauerstoffgehalt ausreichend hoch ist. Was ist in diesem Fall unter ausreichend hoch zu verstehen? Bsonders interessiert mich die praktische Herangehensweise: Denn ein Mitarbeiter, der ständig ein piependes Gerät bei der Arbeit bei sich führt, weil ein Wert von 20,9 % Sauerstoff eingestellt wurde, wird dieses nur kurze Zeit benutzen.

Antwort:

Gemäß Ziffer 2/12 Begriffsbestimmungen der BGR/GUV-R 117-1 Behälter, Silos und enge Räume - Teil 1: "Arbeiten in Behältern, Silos und engen Räumen" liegt Sauerstoffmangel dann vor, wenn die Sauerstoffkonzentration niedriger ist als der Sauerstoffgehalt der natürlichen Atemluft von 20,9 %.

Hierbei handelt es sich aber zunächst um eine grundsätzliche begriffliche Definition.

Unter Ziffer 4.3.1.1 der BGR 117-1 heißt es daher weiter:
Gefährdungen durch Sauerstoffmangel können vorliegen, wenn die Sauerstoffkonzentration niedriger ist als der Sauerstoffgehalt der natürlichen Atemluft von 20,9 Vol. -%. Ist die Sauerstoffkonzentration niedriger als 20,9 Vol.-% ist die Ursache hierfür zu ermitteln und zu beurteilen, ob eine Gefährdung durch Fremdgase oder Gefahrstoffe vorliegt.
Eine Gefährdung liegt z.B. vor, wenn die Differenz zu den 20,9 Vol.-% Sauerstoff aus Gefahrstoffen besteht und deren Arbeitsplatzgrenzwerte oder Kurzzeitwerte überschritten sind. Dies betrifft z.B. auch Kohlendioxid.
Eine Gefährdung liegt z.B. nicht vor, wenn die Differenz zu den 20,9 Vol.-% Sauerstoff aus Stickstoff oder Edelgasen besteht.

4.3.1.2 Arbeiten in Behältern, Silos und engen Räumen dürfen bei einem Sauerstoffgehalt kleiner 17 Vol.-% nur unter Einsatz von Isoliergeräten nach der BG-Regel "Einsatz von Atemschutzgeräten" (BGR/GUV-R 190) ausgeführt werden.

Ein optisches oder akustisches Warngerät wird je nach Situation beim Einsatz von Filtergeräten gefordert:
Ziffer 4.2.4.2 BGR 117-1
Der Einsatz von Filtergeräten ist nur zulässig, wenn sichergestellt werden kann, dass kein Sauerstoffmangel auftritt.
Erforderlichenfalls ist die Sauerstoffkonzentration kontinuierlich zu messen und Sauerstoffmangel durch optische oder akustische Warngeräte anzuzeigen.

Das bedeutet, dass ein Warngerät nicht auf 20,9 % eingestellt werden muss. Dieses würde in der Tat keinen Sinn machen. Sinnvoll ist vielmehr, die Alarmierungsgrenze mit dem Betriebsarzt und der Sicherheitsfachkraft unter Berücksichtigung der Arbeitsbelastung (Sauerstoffbedarf) im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung festzulegen.

Siehe auch die Informationen zur Kampagne gegen Ersticken unter http://www.linde-gas.de/international/web/lg/de/likelgde30.nsf/docbyalias/safety_campaign und den Sicherheitshinweis zum Sauerstoffmangel unter http://www.linde-gas.de/international/web/lg/de/likelgde30.nsf/docbyalias/safety_info.