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Woran kann ich psychische Belastungen in meinem Betrieb erkennen?

KomNet Dialog 42913

Stand: 07.11.2019

Kategorie: Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen > Psychische Belastungen und Beanspruchungen > Soziale und psychische Belastungen

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Frage:

Woran kann ich psychische Belastungen in meinem Betrieb erkennen? Gibt es Grenz- oder Richtwerte zur Beurteilung psychischer Belastung, und wie misst man diese?

Antwort:

Hinweise für psychische Belastungen können folgende sein:


  • hoher Krankenstand, hohe Fluktuation
  • hohe Fehlerhäufigkeit bei Arbeits-/Produktionsergebnissen
  • häufige Unfälle bzw. Beinahe-Unfälle, Wegeunfälle
  • unzufriedene Kundinnen und Kunden, Beschwerden
  • Unzufriedenheit der Beschäftigten


Es gibt bei psychischer Belastung keine rechtlichen Festlegungen oder Grenzwerte, wie bspw. beim Lärm. Einige Verfahren beinhalten Richtwerte, ab wann Handlungsbedarf besteht. Andere orientieren sich an Erfahrungswerten aus der jeweiligen Branche. Falls diese „Schwellenwerte“ nicht vorhanden sind, sollte der Betrieb vor der Erhebung der Belastungsfaktoren definieren, ab welcher Ausprägung einer Belastung Handlungsbedarf besteht. Beispielsweise


  • Wenn in einer Beschäftigtenbefragung über 60 % der Befragten einen Aspekt negativ bewerten, deutet dies auf einen hohen Handlungsbedarf hin. Gegebenenfalls ist auch sinnvoll, ein Ampelmodell zu wählen: unter 30 % negativer Bewertung bedeutet kein oder geringer Handlungsbedarf (=grün), bei 30 % bis 60 % negativer Bewertungen (=gelb) mittlerer Handlungsbedarf, über 60 % negative Bewertungen hoher Handlungsbedarf (=rot).
  • die Mehrheit der Teilnehmenden eines Analyse-Workshop beschließt, dass eine Reduzierung der Belastungsfaktoren z.B. Zeitdruck, Arbeitsunterbrechung und Führungsverhalten besonders wichtig sind und dafür schnell eine Lösung gefunden werden muss.
  • Ein Beobachtungsteam kommt zu dem Schluss, dass das vorhandene Schichtmodell nicht den gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht, mit hoher Wahrscheinlichkeit gesundheitsschädlich ist und folglich zeitnah überarbeitet werden muss, um die Belastung zu reduzieren.