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KomNet-Wissensdatenbank

Darf eine zu sichernde Ladung mit einer Höhe über 2 m ohne Absturzsicherung betreten werden?

KomNet Dialog 3964

Stand: 16.01.2013

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Sicherer Transport > Be- und Entladen, Ladungssicherung

Dialog
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Frage:

In einem Betrieb werden große Holzverschläge (Höhe 4 m) auf Tieflader verladen. Zum Anbringen des Kantenschutzes unterhalb der Zurrgurte besteigt eine Person den Verschlag mit Hilfe eine Stehleiter. Bei diesen Arbeiten besteht also eine Absturzgefahr aus einer Höhe von mehr als 2 Metern. Da diese Arbeiten an wechselnden Orten auf einem großen Platz durchgeführt werden, gibt es zurzeit keine Möglichkeit irgendwo eine persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz anzuschlagen. Das Arbeiten mit einem Arbeitskorb an einem Gabelstapler würde den Zeitaufwand für das Durchführen dieser Arbeiten erheblich steigern. Meine Frage: Wie wird in anderen Betrieben gearbeitet? Gibt es bereits praktische Lösungen aus anderen Betrieben?

Antwort:

Das Arbeitsverfahren ist im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach Arbeitsschutzgesetz vom Arbeitgeber zu bewerten und festzulegen.

Zur Auswahl des Arbeitsverfahrens nennt die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)  Mindestanforderungen. Sie nennt im Anhang 2, Ziffer 5 Anforderungen an das zeitweilige Arbeiten an hochgelegenen Arbeitsplätzen, insbesondere...

5.1.4 Die Benutzung einer Leiter als hoch gelegener Arbeitsplatz ist auf Umstände zu beschränken, unter denen die Benutzung anderer, sichererer Arbeitsmittel wegen der geringen Gefährdung und wegen der geringen Dauer der Benutzung oder der vorhandenen baulichen Gegebenheiten, die der Arbeitgeber nicht ändern kann, nicht gerechtfertigt ist.

Umfangreiche Informationen zum sicheren Umgang mit Leitern und Tritten werden in der gleichnamigen BGI 694 angeboten.

Das Verlassen der Leiter/Begehen der zu sichernden Ladung ist in Höhen über 2 Metern wegen fehlender Absturzsicherungen nicht zulässig.


Weitere Arbeitsverfahren:

- Für den Personentransport zu hoch gelegenen Arbeitsplätzen können Krane oder Flurförderzeuge mit hierfür vorgesehenen Personenkörben eingesetzt werden, wenn sowohl der Kran oder das Flurförderzeug als auch der mit diesem Gerät eingesetzte Personenkorb nach Herstellerangaben hierfür speziell zugelassen sind.

Beim Güterumschlag auf Schiffen ist der Einsatz von Kränen und Containerbrücken mit speziellen Personenkörben (Laschkörben) üblich. Diese Laschkörbe sind speziell auch für die Aufnahme von Arbeitsmaterial und den Einsatz von Höhensicherungsgeräten ausgelegt. Das Verlassen dieser Personenkörbe ist bei Arbeiten mit Absturzgefahren von mehr als einer Containerhöhe bei gleichzeitiger Höhensicherung statthaft. Siehe hierzu das Merkblatt des Amtes für Arbeitsschutz Hamburg "Ladungssicherungsarbeiten an Bord von Schiffen" (M57). Sie finden dieses Merkblatt im Internet unter der URL: www.portsafety.hamburg.de , dann „Hafenumschlag“ auswählen. Das Merkblatt finden Sie im Downloadbereich.

-  Verwendung eines Rollgerüstes oder eines stationären Gerüstes.
Zum Thema „stationäres Gerüst“ finden Sie Aussagen in der Broschüre BGI 5005„Sicherer Einsatz von Abroll- und Abgleitkippern“.

Beim Be- und Entladen von Absetzmulden werden häufig stationäre Bühnen verwendet, mit denen die Montage von Planen und deren Abnahme sicher durchgeführt werden können.
Der beladene Tieflader kann ohne Ladungssicherung im Schritttempo durch eine geeignete, feste Bühne gefahren werden, so dass die erforderlichen Arbeiten von beiden Seiten durchgeführt werden können. Um Unterschiede in der Breite der LKW ausgleichen, bzw um Unvermögen der LKW - Fahrer zu kompensieren, können die Teile der Bühne (jede Seite eine) verschieblich gestaltet sein.