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Ist ein Krankenpfleger strahlenexponiert beim Umgang mit dem Urin knochenszintigraphierter Patienten?

KomNet Dialog 30356

Stand: 23.09.2017

Kategorie: Physikalische Belastungen und Beanspruchungen > Ionisierende Strahlung > Umgang mit radioaktiven Stoffen

Dialog
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Frage:

Ist ein Krankenpfleger strahlenexponiert beim Umgang mit dem Urin knochenszintigraphierter Patienten? Wenn ja, wie hoch und wie lange besteht die Strahlenbelastung? Welche Vorsichtsmaßnahmen sind zu treffen?

Antwort:

Die verbindlichen Regelungen sind aktuell in der Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) enthalten. Strahlenexponierte Personen definiert § 54 StrlSchV. Unterschieden wird, vereinfacht ausgedrückt, in 2 Kategorien.

A Personen, die einer beruflichen Strahlenexposition ausgesetzt sind, die im Kalenderjahr zu einer effektiven Dosis von mehr als 6 mSv führen kann.

B Personen, die einer beruflichen Strahlenexposition ausgesetzt sind, die im Kalenderjahr zu einer effektiven Dosis von mehr als 1 mSv führen kann.

Das korrespondiert mit den Strahlenschutzbereichen nach § 36 Abs. 1 Nr. 1 u. 2 StrlSchV. Hier wird unterschieden in Überwachungsbereiche - zulässige effektive Dosis für Personen bis 6 mV im Kalenderjahr - und Kontrollbereiche - zulässige effektive Dosis für Personen größer 6 mSv im Kalenderjahr.

Sofern ein Krankenpfleger im Rahmen einer Genehmigung nach § 7 Abs. 1 StrlSchV in einem Überwachungs- oder Kontrollbereich tätig wird, ist er als strahlenexponierte Person einzustufen. Ausnahmen sind im Kontrollbereich nur in engen Grenzen möglich (effektive Dosis im Kalenderjahr max. 1 mSv).

Sollte ein Krankenpfleger durch den Umgang mit dem Urin knochenszintigraphierter Patienten außerhalb eines genehmigten Überwachungs- oder Kontrollbereiches im Kalenderjahr eine effektive Dosis von mehr als 1 mSv erhalten, wäre von einer fehlerhaften Rechnung beim Umgang mit radioaktiven Stoffen bzw. im Genehmigungsverfahren auszugehen.

Folgende Überlegung zur Berechnung der effektiven Dosis. Sie wird bestimmt durch die Gamma-Ortsdosisleistung (ODL) an der Oberfläche des Uringefäßes und der Zeit, die der Krankenpfleger das Gefäß in den Händen hält. Wenn man als ODL 10 µSv/h ansetzt kann das Gefäß mindestens 30 Minuten am Tag getragen werden, ohne dass im Kalenderjahr die effektiven Dosis von 1 mSv überschritten wird (bei angenommenen 200 Arbeitstagen im Jahr). Bei Erreichen der angegebenen Tragezeit ist eine messtechnische Überprüfung der angenommenen ODL an der Oberfläche des Uringefäßes zu empfehlen.