Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Welche Voraussetzungen benötigen Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Sicherheitsbeauftragte und Betriebsärzte, um als fachkundig in der BioStoffV zu gelten? Welche Fortbildung gibt es?

KomNet Dialog 19561

Stand: 15.10.2013

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Belastungen durch Biostoffe > Gefährdungen, Belastungen (6.2)

Dialog
Favorit

Frage:

Welche Voraussetzungen benötigen Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Sicherheitsbeauftragte und Betriebsärzte, um eine Gefährdungsbeurteilung nach der BiostoffV durchführen zu dürfen? Was bedeutet in der BiostoffV die Aussage, dass man bei der Gefährdungsbeurteilung fachkundig sein muss? Gibt es für die Fachkunde Seminare/Fortbildungen ?

Antwort:

Fachkunde im Sinne der BioStoffV wird in deren §2 Ziffer 11 definiert:

"(11) Fachkundig im Sinne dieser Verordnung ist, wer zur Ausübung einer in dieser Verordnung bestimmten Aufgabe befähigt ist. Die Anforderungen an die Fachkunde sind abhängig von der jeweiligen Art der Aufgabe und der Höhe der Gefährdung. Die für die Fachkunde erforderlichen Kenntnisse sind durch eine geeignete Berufsausbildung und eine zeitnahe einschlägige berufliche Tätigkeit nachzuweisen. In Abhängigkeit von der Aufgabe und der Höhe der Gefährdung kann zusätzlich die Teilnahme an spezifischen Fortbildungsmaßnahmen erforderlich sein."

Unter Fachkunde ist hier eine auf Grund einer spezifischen Ausbildung erworbene und auf biologische Arbeitsstoffe ausgerichtete Qualifikation zu verstehen. Fachkunde kann dabei auch durch mehrjährige Berufserfahrung erworben werden. Über Fachkunde verfügen beispielsweise Personen mit naturwissenschaftlichem Studium und tätigkeitsbezogener Erfahrung in mikrobiologisch/medizinischen Bereichen oder entsprechend ausgebildetes Fachpersonal (Laboranten, technische Assistenten, Desinfektoren, Pflegepersonal).

Mit der Neufassung der Biostoffverordnung wurde die o. g. Definition neu in die Verordnung aufgenommen. In der diesbezüglichen Publikation des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) heißt es hierzu

"Regelungen zur Fachkunde
Der Arbeitgeber hat - wie schon bisher - die Gefährdungsbeurteilung fachkundig zu erstellen. Andernfalls hat er sich fachkundig beraten zu lassen. Die - analog zur Gefahrstoffverordnung - neu aufgenommene Definition zur Fachkunde ermöglicht, die Fachkunde-Anforderungen in Abhängigkeit von der durchzuführenden Aufgabe und der Höhe der Gefährdung festzulegen. Dies führt einerseits zu einer Entlastung bei Tätigkeiten mit geringer Gefährdung und berücksichtigt anderseits die besonderen Anforderungen, die bei hohen Gefährdungen zu beachten sind.

Neu ist, dass bei Tätigkeiten der Schutzstufe 3 oder 4 in Laboratorien, in der Versuchstierhaltung oder in der Biotechnologie sowie bei Tätigkeiten der Schutzstufe 4 im Gesundheitsdienst vom Arbeitgeber eine fachkundige Person zu benennen ist. Sie hat die Aufgabe, den Arbeitgeber insbesondere bei der Gefährdungsbeurteilung, der Kontrolle der Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen und der Unterweisung zu unterstützen.
"

D. h. u. E., dass sich die Fachkunde jeweils im Einzelfall [u. a. aus den Technischen Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)] ergibt. Weiter heißt es beim BMAS

"Zur Konkretisierung der neuen Verordnung werden auch einige Technische Regeln (TRBA) neu erarbeitet bzw. angepasst. 2014 wird eine neue TRBA zur Fachkunde veröffentlicht werden. Aktuell werden die TRBA 100, die TRBA 250 sowie die TRBA 400 an die neue Verordnung angepasst."

Wir gehen davon aus, dass nach diesen Entwicklungen konkreter gesagt werden kann, welche Voraussetzungen bei Sicherheitsfachkräften, Betriebsärzten und Sicherheitsbeauftragten bei verschiedenen Gefahrenpotenzialen zusätzlich gegeben sein müssen.